
Let's make Money
Österreich 2007, Laufzeit: 110 Min., FSK 0
Regie: Erwin Wagenhofer
Darsteller: George Belton, John Christensen, Ramón Fernandéz Durán
Neo-Liberalismus, Emerging Markets, Wirtschaftskiller: Passend zur weltweiten Finanzkrise erläutert Erwin Wagenhofer mit kindlichem Blick und entsprechend anschaulich den zerstörerischen Lauf des Geldes.
„Mich interessieren keine kriminellen Sachen, sondern alles, was sich im legalen Rahmen abspielt.“ Mit „We feed the world“ hat Erwin Wagenhofer bereits dargestellt, wie relativ der Begriff „kriminell“ sein kann, wenn Lebensmittelproduzenten die Natur ausbeuten und sich nicht um die Gesundheit ihrer Konsumenten scheren. Auch die Protagonisten in „Lets make money“ bewegen sich auf legalem Terrain – weil sie und ihre Regierungen es sind, die die Regeln aufstellen.
Wagenhofer besucht Investoren im Fitnessstudio, Finanzminister in Steueroasen, lässt Manager und Banker zu Wort kommen, die sich dabei entweder mit haarsträubenden Argumenten künstlich zu Gutmenschen vergolden oder aber unbedarft ehrlich ihre Prioritäten nennen: Effizienz und Wachstum. Wagenhofer interviewt Menschen, deren Lebens- und Machtgrundlage von Grund auf weder Moral noch Verantwortung verpflichtet sind. Und damit geht der Schwarze Peter weiter an die letzten Mächtigen, die sich, zumindest vorgeblich, dem Wohl der Menschen moralisch verpflichtet fühlen: die westlichen Regierungen. Beispielhaft skizziert Wagenhofer die Arbeit der Wirtschaftsmächte, die mit Produktivität nicht mehr viel zu tun hat. Das zieht unweigerlich die Politiker zur Verantwortung, die wiederum laut Insider entweder ins Geschäft involviert oder schlicht inkompetent sind. Eine Börse, die von Krisen profitiert, eine von langer Hand geplante, wirtschaftliche Entmündigung der Politik, selbstsüchtiges Kurzzeitdenken – neben den westlichen Verfehlungen widmet sich der Film auch den Opfern. Und das sind vor den kleinen Leuten, die um ihre Steuergelder bangen, erst einmal afrikanische oder indische Minenschürfer, Fabrikarbeiter und Baumwollpflücker – und deren Länder. Entwicklungsländer, die heute als Emerging Markets einen Imagewechsel durchleben, der sie für die wachstumsorientierten Raubwirtschaftler, die mit Heuschreckenschwärmen verglichen werden, noch attraktiver macht. Wagenhofer ist kein Michael Moore, der sich hypersolidarisch und medienwirksam mit den Opfern in Rührseligkeit, Aktionismus und eindimensionaler Meinungsmache verstolpert. Fern jedweder Polemik deckt er die Strukturen hinter der globalen Abzocke auf und animiert den Zuschauer selbst zu Schlussfolgerungen, möglichen Antworten und den nächsten Fragen. Und er gibt damit gar Anlass zu der Hoffnung, dass ein Film vielleicht doch etwas bewirken kann. Bei den Konsumenten wie bei den Politikern, die „Lets make money“ zur Weiterbildung nutzen dürfen. Und die spätestens nach dem Kinobesuch nicht mehr behaupten können, sie hätten von nichts gewusst.
(Hartmut Ernst)

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