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Toni Erdmann

Toni Erdmann
Deutschland 2016, Laufzeit: 162 Min., FSK 12
Regie: Maren Ade
Darsteller: Peter Simonischek, Sandra Hüller, Michael Wittenborn
>> tonierdmann-derfilm.de

Meine Meinung zu diesem Film

Vater + Tochter = Liebe
Matt513 (181), 13.08.2017

Maren Ades Film hat seinen Wellenschlag in der Kinowelt hinterlassen auch ohne Palme d’Or. Die Nichtberücksichtigung in Cannes stieß manchen Kritiker vor den Kopf (zu lesen stand gar, man habe dort schlichtweg das Interesse verloren zu erfahren, was sich beim Nachbarn jenseits des Rheins seit der Jahrtausendwende so abspielt), aber dem Film schaden wird sie letztlich nicht. Kommt ja nicht oft vor, daß ein deutscher Film nach relativ kurzer Zeit für ein US-amerikanisches Remake vorgesehen wird, noch dazu mit Jack Nicholson in der Hauptrolle. Ich denke, das adelt schon beträchtlich. Da läßt sich der Staubfänger fürs Kaminsims sicherlich verschmerzen.

Obwohl der Film in seinem Erzählstil etwas länglich, ausgewalzt wirkt, bin ich von Ades Regiearbeit begeistert. Sie ist sehr kritisch gewesen, dem Vernehmen nach landete auch mal das Ergebnis mehrerer Drehtage im Mülleimer. Ich finde, das merkt man im Ergebnis, daß sie sich nicht gleich mit dem Erstbesten zufrieden gab.

Das Kernmotiv lautet einfach: Liebe. Vom Vater an die Tochter und zurück. Von des Vaters sperrigen Kontaktbemühungen abgesehen, schafft Ade dies mit zwei Szenen sehr nachdrücklich zu etablieren; Ines weinend auf dem Balkon, als der Vater mit dem Taxi abfährt und dann später die innige Umarmung im Park. Für sie ist der Vater der letzte Anker zu einem früheren Leben, welchem sie unwiederbringlich entschwunden ist. Der heutige Berufsalltag, wo „Flexibilität“ oft Chiffre für die Bereitschaft ist, im privaten Bereich zu opfern, kommt der Elterngeneration sicherlich unverständlich vor und mancher erkennt sein kleines Mädel (das sich selbst hier im Film kaum noch fühlt) nicht mehr wieder, kaum daß sie die Alltagsklamotten mit dem schicken Kostüm getauscht hat. Aber trotzdem, meint der Vater, ein Alt-68er, die Welt drehte sich, indem sich alle an den Händen nehmen und Ringelreihen tanzen? Ist für ihn nachvollziehbar, daß im Berufsleben eine gewisse Professionalität erforderlich ist, der Wohlstand, welchen man selbst mit dem Weinglas in der Hand als gegeben annimmt, von irgendwem erhalten werden muß? Ein anderes Motiv, welches dem Film nachgesagt wurde, sei Kapitalismuskritik. Dem kann ich mich nicht anschließen. Korrekt zwar, daß Ines‘ Arbeitgeber, ein Beratungsunternehmen, ein Outsourcing-Projekt in Osteuropa verkaufen möchte. Abgesehen davon ist dieses Motiv für mich aber zu schwach ausgeprägt, als daß man das gelten lassen könnte. Ich mein', Ines und Kollegen treten nicht eben wie gierige Heuschrecken auf und Outsourcing bzw. Unbundling ist nicht per se `böse´. Wer ein treffenderes Beispiel mit Unternehmensberatern drin haben möchte, der schaue den rasiermesserscharfen Zeit der Kannibalen. Allerdings sei dann die Frage gestattet, welche jahrzehntelangen Zustände in Rumänien zu den maroden Industrieanlagen geführt haben, welche im Vorbeifahren zu sehen sind (bzw. überhaupt dazu, daß das Land wirtschaftlich ruiniert war, als der eiserne Vorhang fiel). Das kann dann eher als Kritik an der anderen Weltanschauung bzw. Ideologie gelesen werden, welche -na sowas- auch mit „K..“ beginnt.

Ernst und witzig
Nick (38), 04.09.2016

Ein etwas zu langer, tragikomischer, guter Film über zwei unterschiedliche Generationen und zwei unterschiedliche Menschen, die sich am Ende etwas näher gekommen sind, ohne das sich wesentliches ändern wird. Hat Tiefgang, einige sehr gute Szenen, zieht sich am Ende, ist aber unbedingt empfehlenswert.

Toni zum Zweiten...
woelffchen (535), 13.08.2016


In der Hoffnung, in die tieferen Schichten von ‚Toni Erdmann’ vorzustoßen, entpuppte sich für mich der ganze Film beim zweiten, genaueren Hinsehen als eine eher depressive als komödienhafte Angelegenheit. Gut, die paar Slapsticks waren auch diesmal wieder sehenswert, aber verteilt auf über 2 ½ Stunden zu wenig, um dem ganzen Film einen, wie auch immer, gearteten Charakter zu geben. Zudem verbreiterte sich auch der Bereich der Geschmacklosigkeiten ganz beträchtlich. Vater und Tochter - zwei Figuren der traurigen Gestalt, die nicht zueinander finden und im Nirwana der Oberflächlichkeiten weitertaumeln.

Slapstick, Gimmick & Co.
woelffchen (535), 19.07.2016

Der Kritik von "Raspa" kann ich insgesamt zustimmen. Darüber hinaus vermittelt dieser Film jedoch keine bemerkenswerte Botschaft, die man sich merken sollte. Er ist insgesamt nicht mehr als eine nette, oberflächliche Unterhaltung mit Slapsticks und Gimmicks und auch unnötigen Geschmacklosigkeiten. Man sollte ihn sich ansehen und dann unter 'Ferner liefen' ad acta legen. Eine 'Goldene Palme' für ihn, wie in manchen Presseorganen zu lesen ist? Nein, bestimmt nicht!

Ein Film zur Zeit
Raspa (299), 16.07.2016

Wahrscheinlich hat jede(r) die eine oder andere Kritik gelesen, da Maren Ades Film ja in allen Gazetten zu Recht als ein Film gefeiert wurde, der uns auf äußerst unterhaltsame Weise sehr viel über unsere Zeit und unsere globalisierte Welt erzählt. Deshalb möchte ich hier nicht ausführlich den wohl allseits sicherlich bekannten Inhalt referieren, sondern mich darauf beschränken, die wirklich herausragenden Leistungen der beiden Hauptdarsteller zu preisen: Da ist zum einen Sandra Hüller, die die toughe Unternehmenberaterin Ines, die nur noch im Sinne von Karriereplanung und Effizienz denken kann, auf atemberaubende Weise verkörpert. Selbst bei der Massage möchte Ines nicht sanft angefasst, sondern geradezu verhauen werden ( "to be beaten up" ), um nur ein Beispiel für ihre selbstzerstörerische Haltung zu geben. Dass man aber dennoch merkt, mit welcher Selbstverleugnung diese Einstellung erkauft wird, das macht die große Kunst der Hüller aus. Und zum zweiten der ebenfalls hinreißend agierende Peter Simonischek: Wie sein Winfried, Ines' Vater, sich auf ihre Fährte macht, weil er spürt, dass der Weg seiner Tochter nicht der richtige sein kann, dass sie seine Hilfe braucht, und wie er dies dann in der schreiend komischen Mimikry als Toni Erdmann ( ein durchaus sprechender Name ) zu erreichen versucht, das ist ebenfalls große Schauspielkunst. Ohne die Nebenrollen, die alle sehr gut besetzt sind, vernachlässigen zu wollen, muss man sagen: Schon wegen der beiden großartigen Protagonisten lohnt sich ein Besuch in jedem Fall. Die Vorstellungen im "Atelier" werden, wie wir feststellen konnten, stark frequentiert, und man wundert sich ein wenig, warum ein deutscher Film, der auch international so viel Aufsehen erregt hat, nicht zumindest in zwei Theatern gezeigt wird. Traut man dem Düsseldorfer Publikum so wenig zu?

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