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Es gibt 347 Beiträge von Raspa

Deutschstunde

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Ein reduzierter Lenz

14.05.2020

Als ich vor Jahrzehnten die "Deutschstunde" zum ersten Mal las, war Emil Nolde noch das integre Vorbild für den Maler Max Nansen. Heute, da man inzwischen weiß, was für ein - mit Verlaub - menschliches Arschloch dieser Mann war, ein Nazi und Denunziant ( trotz des Berufsverbots als "entarteter Maler" ), muss man Nansen einfach als eine fiktionale Figur betrachten und diese von Nolde abstrahieren. Insofern ist Moretti auch eine sehr gute Besetzung, da er viel weniger "noldehaft" daher kommt als W. Büttner in der TV - Fassung von 1971. Arno Assmann war damals eine wunderbare Verkörperung des verbohrten Pflichtmenschen Jepsen, den Noethen nun aber ebenso überzeugend verkörpert.Die damalige Fassung folgte der Romanvorlage sehr viel getreuer, was sich auch in einer größeren Anzahl von Charakteren, mehr Dialog und einer deutlich epischeren Erzählweise manifestierte. Schwochow verzichtet fast völlig darauf, die Handlung streng historisch einzubetten. Ihm geht es mehr um das Modellhafte der Geschichte, die sich überall so oder ähnlich ereignen kann, wo Freiheitsrechte außer Kraft gesetzt werden und "brauchbare Menschen" das Idealbild des Staatsbürgers darstellen.
Und natürlich gibt es, wie in der früheren Version auch, sehr eindrucksvolle Bilder der kargen Nordseelandschaft, nur deutlich dunkler und düsterer als damals.
Schwochows Verfilmung kann durchaus für sich selbst stehen; wenn so mancher Zuschauer aber angeregt werden sollte, den Roman zum ersten oder auch zum erneuten Male zur Hand zu nehmen, so wäre das sicher auch kein Schaden.

Late Night – Die Show ihres Lebens

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Emma at her best

10.05.2020

So ganz realistisch ist das Szenario ja nicht, weil es eigentlich in den USA unter den großen Gastgebern für diese Art von Sendung zwar Letter-man und andere Men gibt, tatsächlich aber keine Frau. Wenn man dies aber mal beiseite lässt, so muss man sagen: Emma Thompson ist die ideale Besetzung für diese Frau, die zwar nicht loslassen will, aber dennoch nicht mehr so recht weiß, warum sie diesen Job macht und wie sie ihr früheres Niveau wieder erreichen könnte.
Wegen dieser hinreißenden Performance kann man über einige dramaturgische Schwächen hinwegsehen. Fazit also: Insgesamt sehenswert.

Hannah und ihre Schwestern

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Aufs Wiedersehen

23.03.2020

Ich habe mir den Film, den ich vor ca. 30 Jahren im Kino sah, jetzt nochmal angeschaut. Um es kurz zu machen: Kinokeule hat völlig recht. Eines von Allens schönsten Werken, mit vielen herrlichen Charakteren. Wunderbar die inneren Dialoge, z.B. wenn Mickey ( Woody ) mit seinen Hypochondrieanfällen kämpft. Ein Film, der sehr gut gealtert ist - was man sicher nicht von allzu vielen Filmen aus den 80er Jahren sagen kann. Fazit: Ich bleibe ein Woody - Fan!

Der Unsichtbare

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Ein B-Movie von heute

04.03.2020

B-Movies im eigentlichen Sinne gibt es natürlich heute nicht mehr. In den 50er und 60er Jahren war Roger Corman der Großmeister dieser oft schauerlichen Stories, die er in rascher Folge auf den Markt brachte und mit denen er trotz beschränkter technischer Mittel viele Zuschauer das Gruseln lehrte.Dieser Film, der sehr lose auf Motiven von H.G. Wells beruht, ist natürlich von der Filmtechnik her überhaupt nicht vergleichbar mit Cormans rasch gedrehten Genrewerken. Und doch erinnert er in der Machart und der reichlich kruden Handlung an diese B-Pictures. Lohnt es sich dann überhaupt, ihn anzusehen. Ja, denn Elisabeth Moss liefert eine grandiose Performance ab. Diese Darstellerin, die durch ihre Rolle als Peggy in der fantastischen Serie "Mad Men" zum ersten Mal einem breiten Publikum bekannt wurde, ist schon jetzt eine der besten Schauspielerinnen der jüngeren Generation. Es ist beeindruckend, wie sie die Not der unerbittlich verfolgten Frau verkörpert, ohne dabei lzu dick aufzutragen. Das lässt über einige teilweise doch arg überzogene Wendungen in der Handlung hinwegsehen.

Intrige

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Immer noch ein großer Regisseur

08.02.2020

Egal, wie man zu seinen lange zurückliegenden Verfehlungen stehen mag, dieser Film zeigt, dass Polanski immer noch zu den ganz Großen des heutigen Kinos gehört. Die Dreyfus - Affaire wird von ihm ohne jede Effekthascherei und dennoch spannend wie ein Thriller in Szene gesetzt. Jean Dujardin ist die ideale Besetzung für den Geheimdienstchef, der einerseits auch ein Teil des Systems und ein Kind seiner Zeit ist, der es aber andererseits nicht ertragen kann, dass die für ihn offenkundige Wahrheit verbogen und vertuscht werden soll. Besonders gut gefiel mir die ruhige Art der filmischen Erzählweise unter weitgehendem Verzicht auf untermalende Musik. Kann man zum Besuch raten? Unbedingt ja.

Little Women

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Jane Austen auf Amerikanisch

05.02.2020

Alcott, die Autorin der Romanvorlage, hat in den USA in der Tat einen ähnlichen Ruf wie Austen in GB. Allerdings spielt ihr Roman ca. ein halbes Jahrhundert später als die Werke der Engländerin, und das macht schon einen großen Unterschied. Es ist nicht mehr ganz so selbstverständlich, dass eine Frau nur in der Ehe ihre Erfüllung finden kann, und wenn sie doch heiratet, dann nicht unbedingt denjenigen, der die"beste Partie" darstellt.Mich hat allerdings ein wenig gestört, dass Gerwig ihren Figuren solche Überlegungen etwas zu explizit in den Mund legt; das wirkt dann teilweise etwas plakativ. Ich bin den unterschiedlichen Lebenswegen der vier Schwestern gerne gefolgt und habe mich dabei nicht gelangweilt. Jedoch stört insgesamt eine gewisse Harmonieseligkeit. Es wird viel umarmt und geherzt, und die raue Wirklichkeit jener Zeit bleibt weitgehend außen vor. Das zeigt sich etwa darin, dass der Bürgerkrieg nur wie ein fernes Rauschen erscheint, aus dem der Vater irgendwann sehr vergnügt und ohne erkennbare Blessuren zurückkehrt, als wäre er nur mal auf einer Dienstreise gewesen. Da war Gerwigs Respekt vor einem in Amerika enorm populären Stoff viellecht zu groß. Etwas mehr "Schmutz" hätte dem Film gut getan.

1917

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Technisch brillant

28.01.2020

Im Gegensatz zu meinen Vor-Kritikern hat mich dieser Film nicht wirklich gepackt, vielleicht mit Ausnahme der Szene ganz am Ende, als der junge Corporal den Bruder seines Freundes trifft.Natürlich ist es bewundernswert, wie Mendes es zusammen mit seinem grandiosen Kameramann schafft, die Handlung scheinbar in einer einzigen Einstellung zu präsentieren. Aber genau das wirkt auch irgendwie künstlich, vielleicht gerade weil es so sehr authentisch wirken soll. Otello 7788 findet, es sei der zweitbeste Kriegsfilm nach "Saving Private Ryan". Spielbergs Film ist in seinen ersten 20 oder 30 Minuten unvergleichlich in der Darstellung der unfassbaren Brutalität einer Schlacht, danach war er für meinen Geschmack etwas zu sehr amerikanisches Heldenepos. Zweifellos aber ein großes Werk. Der beste Film über den Krieg, vielleicht gerade wegen seiner beschränkten technischen Mittel und seiner Schwarz-Weiß-Ästhetik bleibt für mich jedoch "Wege zum Ruhm" von St. Kubrick aus dem Jahre 1957. Darin werden die "Masters of War" ( Dylan ) auf eine Weise desavouiert, wie es seitdem kein anderer Film mehr erreicht hat.
Es ist gut möglich, dass andere Besucher sich durch "1917" stärker erschüttert fühlen. Insofern rate ich durchaus zum Anschauen und dazu, sich ein eigenes Urteil zu bilden.

Der König der Löwen

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Disney halt

14.01.2020

Ja, die technische Brillanz ist enorm, das kommt sogar auf einem großen Bildschirm rüber. Und die Story? Ein wenig Shakespearesches Königsdrama, ein wenig Orwell ( in Animal Farm verhalten sich die Schweine ähnlich wie Scar hier ), ein wenig Musical ( großzügigerweise mit ein paar Einsprenkseln in afrikanischen Sprachen ), und, wie immer, mit einigen komischen Figuren, die das Drama auflockern. Was mich bei Disney oft stört, ist das allzu dick aufgetragene Pathos, die allzu weisen Sentenzen, die eigentlich nur hohl sind. Daneben muss man festhalten, dass dies einfach kein Film für Kinder ist, zumindest nicht für solche unter etwa zehn Jahren. Ich kann mich noch gut an die Kinovorstellung des ersten Lion King - Films erinnern, in der etliche Kinder laut vor Angst weinten. Dies dürfte bei der enormen Naturalismusanmutung in der neuen Fassung noch ausgeprägter sein, abgesehen davon, dass viele Dialogzeilen für die Kleinen einfach unverständlich sein dürften. Es ist ja ein generelles Problem, dass die Freigabe "ab 6 Jahren" oft äußerst fragwürdig ist: Alles ohne explizite Gewalt- und Sexszenen ist demnach schon für Sechsjährige verdaulich. Da kann man nur auf verantwortungsbewusste Eltern hoffen.

Queen & Slim

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Black lives matter

14.01.2020

Und wieder, nach "The Hate U Give", ein eindrucksvoller Film über das Lebensgefühl junger schwarzer Amerikaner. Wieder spielt eine Polizeikontrolle eine unheilvolle Rolle, nur führt die Handlung diesmal zu einer Flucht quer durch die USA bis hin nach Florida, von wo die beiden, zunächst sehr ungleich wirkenden Protagonisten nach Kuba fliehen wollen, da sie daheim keine Chance auf ein faires Verfahren erwarten. Genauer gesagt, ist es Angela, die die Flucht als einzige Möglichkeit erfasst, da sie als Rechtsanwältin genau weiß, dass man ihnen die Notwehrsituation nicht abnehmen wird, während ihr Begleiter dabei zunächst eher zögerlich mitmacht. Was folgt, ist eigentlich ein klassisches Roadmovie, auf dessen Weg sie zahlreiche Personen treffen, von denen sie immer nur hoffen können, dass diese sie nicht verraten oder ihnen im besten Fall sogar helfen werden. Dabei vermeidet das Drehbuch einfache Klischees: Weder bei Weißen noch bei Afroamerikanern, von denen sie teilweise zu Helden wider Willen gemacht werden, können sie je sicher sein, wie sie reagieren werden, so dass die Devise immer wieder lautet: Weiter, nur weiter. Das so ungleiche Paar rückt in dieser Situation immer näher zusammen, was sehr nachvollziehbar entwickelt wird. Ohne zu spoilern, muss ich allerdings sagen, dass ich den Schluss etwas unbefriedigend finde. Hier hätte sich mit mehr Mut vielleicht ein origimelleres Ende finden lassen. Davon abgesehen ist der Film nach meiner Einschätzung unbedingt sehenswert.
Wie der Zufall so spielt, war der erste Song, den ich nach dem Kinobesuch im Radio hörte: "I Shot The Sheriff": "... but I swear it was in self-defence." Einen passenderen musikalischen Kommentar hätte es nicht geben können.

Knives Out – Mord ist Familiensache

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Agatha Christie Reloaded

08.01.2020

In der Tat, dies ist ein Whodunit, ganz in der Tradition der guten alten Agatha mit Daniel Craig als modernem Alter Ego von Hercule Poirot. Zwar spielt das Ganze in den heutigen USA, aber der Schauplatz, ein schlossartiges Herrenhaus, ist ganz Old School-mäßig. Und auch, dass es zu Beginn einen Toten gibt, für dessen Ermordung fast alle Beteiligten ein Motiv gehabt hätten und die Art, wie Clonk / Craig die verschlungene Sachlage zuletzt aufdröselt, all das erinnert deutlich an die Werke der früheren Championesse of Crime. Das Ganze ist mit großen Akteuren, die sichtlich Spaß an der Sache haben, sehr unterhaltsam inszeniert. Ob der Südstaatenakzent, der Southern Drawl, den Craig vorführt, wirklich ganz echt klingt, darüber gingen die Meinungen ein wenig auseinander. Sei's drum, man sieht einen Film ganz ohne tiefere Bedeutung, den man gut gelaunt verlässt. Das ist doch auch mal was.

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