engels: Herr Boros, was ist die Aufgabe von CREATIVE.NRW?
Christian Boros: CREATIVE.NRW fördert und vernetzt die Kultur- und Kreativwirtschaft Nordrhein-Westfalens. Damit versteht sich das Clustermanagement als Sprachrohr der 315.000 Kreativen und 50.000 Unternehmen mit einem Umsatz von 36 Milliarden Euro – und einer Wertschöpfung auf Augenhöhe mit der Metallindustrie im Land. Das Ziel von CREATIVE.NRW ist, das Wachstumspotenzial der Kultur- und Kreativwirtschaft in Nordrhein-Westfalen national und international sichtbar zu machen und die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Selbstständigen und Unternehmen nachhaltig zu stärken. Dafür schafft ein interdisziplinäres Team unter anderem Foren für branchenübergreifenden Austausch, vernetzt kreative Unternehmer und vermittelt Kontakte und Wissen.

Warum sind Sie ausgerechnet in Wuppertal angesiedelt?
Ich habe in Wuppertal bei Bazon Brock studiert und mich bereits während meines Studiums mit meiner Agentur selbstständig gemacht. Als ausführende Agentur für CREATIVE.NRW hat das Clustermanagement seinen Sitz ebenfalls in Wuppertal. Hier ist es toll – weil Wuppertal mit seiner Eigenartigkeit, Merkwürdigkeit und Widerspenstigkeit zum Andersdenken und Andershandeln geradezu zwingt.
Ist der Begriff „Kreativwirtschaft“ eine nette Umschreibung für Hartz IV?
Prekäre Verhältnisse sind definitiv ein Problem in einer Branche, die sich zu großen Teilen aus Kleinstunternehmern und Soloselbstständigen zusammensetzt. Der Wert kreativer Arbeit wird von manchen in Wirtschaft und auch Politik nicht genügend anerkannt, geschweige denn honoriert. Kreative sind keine Oberflächenaufhübscher, sie haben das Potenzial, unsere Welt zum Besseren zu verändern. Daher machen wir uns stark für Fördermaßnahmen und für strukturelle Veränderungen, die allen Kreativen helfen, langfristig wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Kernthemen dabei sind: Markt- und Kapitalzugang, adäquater Raum zum Arbeiten, Qualifizierung, und die Wertschätzung der Kreativwirtschaft auf Augenhöhe mit anderen Branchen.
Werden staatliche Förderungen eher an die Metropolen vergeben, oder wird auch das platte oder auch Bergische Land bedacht?
Was zählt, ist die kreative DNA eines Ortes und ihr Potenzial für wirtschaftlichen Erfolg. Daher wehre ich mich gegen reines Kirchturmdenken. Kreatives Potenzial gibt es überall. Nur wenn wir diese Blickschranken ablegen, kann NRW langfristig als innovatives und wirtschaftlich starkes Land glänzen. CREATIVE.NRW arbeitet im Auftrag des Wirtschaftsministeriums NRW landesweit. In unserer Arbeit gilt es daher, Stärken und Schwächen der einzelnen Regionen, Städte und Landkreise zu analysieren und die Stärken weiter zu fördern.
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

„Eine gewisse Unsicherheit und Versagensängste“
Teil 1: Interview – Experte Matthias Auer über den Arbeitsmarkt für Jung-Akademiker
„Das BGE würde eher schaden als nützen“
Teil 2: Interview – Philosoph und Ökonom Birger Priddat über die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens
„Je länger ein Arbeitstag dauert, desto unproduktiver wird er“
Teil 3: Interview – Gewerkschafter Stephan Krull über kürzere Arbeitszeiten und gesellschaftliche Teilhabe
„Wir empfehlen, das Wahlalter zu senken“
Teil 1: Interview – Demokratieexperte Jonathan Hoffmann über die Wahlbeteiligung von Jugendlichen
„Wirklich Interesse zeigen“
Teil 2: Interview – Pädagogin Inke Hummel über die Beziehung zwischen Jugendlichen und Erwachsenen
„Kinder, die Probleme machen, haben in der Regel auch Probleme“
Teil 3: Interview – Kriminologin Nadine Bals über Jugendstrafrecht und Strafmündigkeit
„Es geht um Kontrolle über Menschen, die schwanger werden können“
Teil 1: Interview – Medizinerin Alicia Baier zum Streit über Schwangerschaftsabbrüche
„Man darf auswählen, wem man sich unterwerfen will“
Teil 2: Interview – Religionssoziologe Gert Pickel über christliche Influencer
„Es wird versucht, das Strafrecht als politisches Mittel zu nutzen“
Teil 3: Interview – Juristin Susanne Beck über Gewalt gegen Frauen
„Die Wut unserer Generation ist keine Laune!“
Menschenrechts-Aktivistin Jennifer Follmann über den Frauenstreik zum 9. März
„Wir sitzen noch lange nicht so am Tisch, wie es sein sollte“
Die Mitglieder der Fraueninitiative Enough Adrienne Goehler und Nicole Körkel über den Frauenstreik zum 9. März
„Weit von einer erheblichen Gefahr für die öffentliche Sicherheit entfernt“
Teil 1: Interview – Die Rechtswissenschaftlerin Lisa Kadel über die Kriminalisierung von Klimaaktivist:innen
„Kernziel der Klimaleugner: weltweite Zusammenarbeit zerstören“
Teil 2: Interview – Politologe Dieter Plehwe über die Anti-Klimaschutz-Bewegung
„Nicht versuchen, die Industrie des 19. Jahrhunderts zu retten“
Teil 3: Interview – Meteorologe Karsten Schwanke über Klimaschutz und wirtschaftliche Chancen
„Zwischen Perfektionismus und Ungewissheit“
Teil 1: Interview – Psychiater Volker Busch über den Umgang mit schwierigen Entscheidungen
„Dass wir schon so viel wissen, ist das eigentliche Wunder“
Teil 2: Interview – Neurowissenschaftlerin Maria Waltmann über Erforschung und Therapie des Gehirns
„Glaubwürdigkeit ist ein entscheidender Faktor“
Teil 3: Interview – Sprachwissenschaftler Thomas Niehr über Sprache in Politik und Populismus
„Die gesetzliche Rente wird von interessierter Seite schlechtgeredet“
Teil 1: Interview – VdK-Präsidentin Verena Bentele über eine Stärkung des Rentensystems
„Je größer das Vermögen, desto geringer der Steuersatz“
Teil 2: Interview – Finanzwende-Referent Lukas Ott über Erbschaftssteuer und Vermögensungleichheit
„Eine neue Ungleichheitsachse“
Teil 3: Interview – Soziologe Martin Heidenreich über Ungleichheit in Deutschland
„Das ist viel kollektives Erbe, das unfriedlich ist“
Teil 1: Interview – Johanniter-Integrationsberaterin Jana Goldberg über Erziehung zum Frieden
„Besser fragen: Welche Defensivwaffen brauchen wir?“
Teil 2: Interview – Philosoph Olaf L. Müller über defensive Aufrüstung und gewaltfreien Widerstand
„Als könne man sich nur mit Waffen erfolgreich verteidigen“
Teil 3: Interview – Der Ko-Vorsitzende des Bundes für Soziale Verteidigung über waffenlosen Widerstand
„Kultur muss raus ins Getümmel“
Teil 1: Interview – Philosoph Julian Nida-Rümelin über Cancel Culture und Demokratie
„Mich hat die Kunst gerettet“
Teil 2: Interview – Der Direktor des Kölner Museum Ludwig über die gesellschaftliche Rolle von Museen