Darwin's Alptraum
Österreich/ Frankreich/ Belgien 2004, Laufzeit: 107 Min., FSK 6
Regie: Hubert Sauper
Gutes Thema, schlechte Umsetzung
otello7788 (554), 23.12.2006
Den Zusammenhang zwischen dem Elend der Strassenkinder, AIDS und dem Geschäft mit dem Nilbarsch kann ich beim besten Willen nicht erkennen. Szenen wie im Film gezeigt, sind leider typisch für Länder mit so grosser Armut und meiner Meinung nach nicht Folgen der Fischindustrie. Dazu müsste es ja umgekehrt stimmen, daß OHNE den Nilbarsch diese Probleme geringer wären.
Ich kann sehen, daß der Fisch ein grosses Problem darstellt, indem er das Ökosystem des Sees gefährdet. Aber mir wurde nicht gezeigt, daß es den Menschen MOMENTAN durch den Fisch schlechter geht. Wovon haben Sie denn vorher gelebt und wie war der Lebenssstandard? Hat der Fisch die Fischer verarmen lassen oder gibt er diesen auch eine Chance? Die Fischer ziehen bestimmt nicht in Camps, weg von zu Hause, wenn es sich finanziell NICHT lohnen würde.
Der Film verbindet leider Themen und Problematiken, die nur indirekt im Zusammenhang stehen: z.B. die Prostituierten. In jedem Land der Welt wird man sie dort finden, wo(verhältnismässig) reiche Männer eine Zeit alleine verbringen müssen. Da die Filmemacher u.a. dies mit der Fischindustrie in Zusammenhang bringen, schwächen sie ihr eigentliches Anliegen.
Es ist natürlich ein Skandal, daß der Westen in vielen Dingen Afrika nach wie vor ausbeutet und der Nilbarsch ist dafür ein gutes Beispiel. Aber man hätte darüber einen viel besseren Film machen müssen.
Dazu auch lesenswert: http://www.taz.de/pt/2006/09/02/a0013.1/textdruck
Zum Beispiel Victoriabarsch
Kinokeule (541), 03.05.2006
Wer denkt, die Kolonialisierung Afrikas würde der Vergangenheit angehören, sieht sich nach diesem Film eines besseren belehrt.
Heutzutage bedarf es keiner europäischen Truppen, um Afrika auszuplündern. Das schaffen korrupte Regierungen und multinationale Firmen ganz alleine und Achtung: die UN sichert sich ganz en passant ein paar lukrative Pöstchen.
Der Viktoriasee ist der zweitgrößte See der Erde (so groß wie Belgien und Holland). In den Sechziger Jahren wurde im Rahmen eines wissenschaftlichen Experimentes ein Nilbarschpaar ausgesetzt. Der kannibalistische Fisch hat zu einer ökologischen Katastrophe geführt.
Europäer essen den Fisch gerne, so dass täglich 500 Tonnen gefangen, verarbeitet und weggeflogen werden. Die russischen Frachtmaschinen transportieren auf ihrem Hinweg Waffen für den Bürgerkrieg. Die Bevölkerung leidet unter Aids und den Folgen dieses Bürgerkrieges. Sie hungern, denn die Fische werden in den Westen verkauft. Für die Kinder bleibt oft nur die Betäubung mit Klebstoffschnüffeln.
Ähnliche Mechanismen gibt es bei Bananenplantagen, Erdölförderung oder Goldabbau. Die Rohstoffe Afrikas gehen in den Westen und die Bevölkerung ist ärmer dran als zuvor, als sie noch Landwirtschaft betrieb. Ein sich ständig wiederholender ekliger Kreislauf zum Vorteil insbesondere der Europäer. Ein wichtiger Dokumentarfilm, der es schafft komplizierte Zusammenhänge deutlich zu schildern (5 Sterne).

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