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Das Beste liegt noch vor uns

Das Beste liegt noch vor uns
Italien 2023, Laufzeit: 95 Min.
Regie: Nanni Moretti
Darsteller: Nanni Moretti, Margherita Buy, Silvio Orlando, Barbora Bobulova, Mathie Amalric

Autobiografisch geprägte „Film im Film“-Tragikomödie

Zirkus, Film und Politik
„Das Beste liegt noch vor uns“
von Nanni Moretti

Der 1953 in Südtirol geborene Nanni Moretti ist der Inbegriff des italienischen Autorenfilmers: 1976 drehte er (auf Super 8!) seinen ersten abendfüllenden Spielfilm („Ich bin ein Autarkist“), der auf viele Filmfestivals eingeladen wurde. 1977 stand er als Schauspieler in Paolo und Vittorio Tavianis „Padre Padrone – Mein Vater, mein Herr“ vor der Kamera, arbeitete für sie als Drehbuchautor. Schon mit seinem zweiten – diesmal auf 16 mm gedrehten – Spielfilm „Die Nichtstuer“ gelang ihm 1978 der Sprung nach Cannes, wo er dann 2001 für „Das Zimmer meines Sohnes“ mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde. Mit „Das Beste liegt noch vor uns“ wurde Moretti 2023 zum neunten Mal in den Wettbewerb von Cannes eingeladen. Nun kommt seine – wie so oft bei ihm – autobiografisch gefärbte Tragikomödie mit etwas Verspätung in unsere Kinos.

Moretti selbst spielt den Filmregisseur Giovanni. Der dreht gemeinsam mit seiner Produzentinnen-Ehefrau Paola (Margherita Buy) und seinem französischen Co-Produzenten Pierre (Mathieu Almaric) einen Zirkusfilm, der sich mit der italienischen kommunistischen Partei und ihrer Haltung zum ungarischen Volksaufstand 1956 befasst. Doch die Dreharbeiten sind von Anfang an überschattet von Problemen: Giovanni und Paola haben sich auseinandergelebt. Sie will sich trennen, sucht Rat bei einem Psychotherapeuten. Er will die Beziehung retten, steht sich aber selbst im Weg. Hinzu kommt, dass eine der Darstellerinnen, Vera (Barbora Bobulova), ihm ständig in den Ohren liegt, weil sie den Film eher als Liebesgeschichte denn als Politdrama sieht. Seine Tochter Emma (Valentina Romani), die die Musik zum Film komponiert hat, stellt ihm ihren neuen Liebhaber vor: den polnischen Botschafter Jerzy (Jerzy Stuhr), der gut und gerne auch als ihr Großvater durchgehen würde. Als dann auch noch Pierre wegen seines windigen Finanzgebarens verhaftet wird und potentielle, koreanische Investoren auftauchen, die ihn mit den „künstlerischen“ Bedingungen ihres Streamingdienstes knebeln wollen, gerät Giovannis (Film-)Welt völlig aus den Fugen. Aber letztlich entscheiden sich Moretti und sein Alter Ego Giovanni gegen das geplante dramatische Ende und wagen einen melancholisch-heiteren Aufbruch in eine neue Zeit.

Dieses tänzerisch-verspielte Finale erinnert an die frühen Filme Morettis, auf die er hier charmant Bezug nimmt. Man spürt in jeder Szene seine Liebe zum Kino, die er mit Ausschnitten zu Fellinis inhaltlich verwandtem „Achteinhalb“ und Jacques Demys „Lola“ feiert. Schön jener Moment, in dem Giovanni einem jungen Regiekollegen – dessen Film zu seinem Leidwesen Paola produziert – erklärt, dass man Gewalt nicht als Unterhaltung inszenieren darf, sondern so, dass man will, dass sie aufhört. Er führt Krzysztof Kieslowskis „Ein kurzer Film über das Töten“ als Beweis an, dem Moretti hier mit der Besetzung von Kieslowskis Lieblingsschauspieler Jerzy Stuhr seine Referenz erweist. Eine der vielen intelligenten Verweise in dieser unterhaltsamen, von einem glänzenden Ensemble getragenen Tragikomödie, die knapp an einem Meisterwerk vorbeischrammt.

(Rolf-Ruediger Hamacher)

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