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Deutschland, Frankreich, Niederlande 2021, Laufzeit: 100 Min., FSK 12
Regie: Franka Potente
Darsteller: Jake McLaughlin, Kathy Bates, Lil Rel Howery
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Drama über eine Rückkehr

Gemeinde
„Home“
von Franka Potente

Ein Mann fährt auf seinem Skateboard eine einsame Landstraße entlang. Marvin Hacks (Jake McLaughlin) kehrt heim! Siebzehn Jahre hat er im Gefängnis gesessen. Für eine Bluttat in seinem Geburtsnest Newhall. Die Stadt, in die er zurückkehrt, ist marode, die Menschen sind abgebrannt. Seine Mutter (Kathy Bates), bei der er unterkommt, ist schwer erkrankt. Ihr Sohn fühlt sich für sie nicht wie ihr Marvin an. Marvin begegnet alten Bekannten im Ort. Seinem alten Kumpel, dem Junkie Wade, Zeuge aus der Tatnacht. Dem Pfarrer. Und Russell, Verwandter des Opfers von damals, der, von Jähzorn erfüllt, den Täter nun persönlich zur Verantwortung ziehen will. Delta, die jüngere Schwester von Russell, gerät zwischen die Fronten.

Beinahe zeitgleich starten hierzulande Regiedebüts zweier prominenter deutscher Schauspieler: Daniel Brühl („Das weiße Rauschen“, „Inglourious Basterds“) verfilmt mit „Nebenan“ ein Skript von Daniel Kehlmann. Franka Potente („Lola rennt“, „Die Bourne Identität“) inszeniert „Home“, der auf ihrem eigenen Drehbuch beruht. Beide Filme könnten „Home“ oder „Nebenan“ heißen. Während Brühl vergleichsweise kühl und stilisiert ein Kammerspiel in Echtzeit entwirft und mit Kehlmann die innerdeutsche Befindlichkeit diskutiert, geht seine Schauspielerkollegin völlig andere Wege. Rau, geerdet, emotional: Franka Potentes Debüt ist in den USA angesiedelt, in einer feindlich gesinnten Provinzstadt. Brühl zeigt zwei Verlierer. Potente erzählt von einer ganzen, verlorenen Stadt. Beide Filme sind reizvoll, der Ansatz der Regiedebütantin aber ist ungleich mutiger: Brühl inszeniert distanziert, Potente geht rein, ihr Film ist persönlich! Ein Milieudrama, unbequem, ungeschönt.

Potente vermittelt gelungen die Verlorenheit ihrer Figuren. Sowohl atmosphärisch als auch über ihre gute Besetzung. Mitunter gerät es mal plakativ, insgesamt aber schmälert das wenig. Die Regiedebütantin ist vielleicht manchmal zu nah dran an ihrem ersten Langfilm. Doch sie bewahrt die Authentizität, kitschig wird es nie. Anmutig und subtil folgt sie dem Weg eines Mannes, der aus dem Gefängnis kommt und in eine Stadt zurückkehrt, die selbst einem Gefängnis gleicht, in dem die Bewohner einsitzen. Hoffnungslos von der Lebensfreude weggeschlossen, der Vergangenheit verhaftet. Marvin hat für seine Vergangenheit gebüßt und will alles gut machen jetzt. Doch der Halt, den er sucht, wird ihm verwehrt. Der Mutter entfremdet, sucht er gemeinsam mit Wade Glücksmomente nostalgischer Lebensfreude, Rückbesinnung ohne Nachhaltigkeit. Ein Versuch, das Gute der Vergangenheit heraufzubeschwören. Doch vom Guten ist nichts geblieben, es bleibt bemühtes Zitat. Geblieben und gewachsen ist das Schlechte, der Hass, der Gram, die Verbitterung. Und wenn andere nicht vergeben, kann auch Marvin die Vergangenheit nicht hinter sich lassen.

Ein bewegendes, nicht zuletzt auch hoffnungsvolles Drama über die Suche nach Frieden. Über das Gift alter Wunden. Über ein gereiztes Land. Über Rückkehr und Abschied. Über Vergebung.

(Hartmut Ernst)

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