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Long Walk Home

Long Walk Home
Australien/Großbritannien 2002, Laufzeit: 94 Min., FSK 6
Regie: Phillip Noyce
Darsteller: Everlyn Sampi, Tianna Sansbury, Laura Monaghan, David Gulpilil, Kenneth Branagh, Deborah Mailman, Jason Clarke, Ningali Lawford, Myarn Lawford, Gary McDonald, Roy Billing, Andrew S. Gilbert, Ken Radley

Bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts hinein war es in Australien gesetzlich verankerte Staatspolitik, Mischlingskinder von ihren Eltern fort in Erziehungsheime umzusiedeln, um sie später als billige Arbeitskräfte der von den weißen Siedlern etablierten Gesellschaft einzuverleiben. Als "Stolen Generations" werden die betroffenen Kinder heute bezeichnet. Eine davon ist Doris Pilkington, die die Vergangenheit ihrer Mutter Molly in dem Buch "Follow the Rabbit-Proof Fence" niederschrieb. Der australische Regisseur Phillip Noyce, in den letzten zehn Jahren vor allem für Hollywood-Thriller wie "Die Stunde des Patrioten" zuständig, nahm sich der Vorlage an und drehte mit "Long Walk Home" einen bewegenden Film, der sich ganz auf die Kraft seiner filmischen Mittel verlässt. Auf Anordnung vom "Chief Protector of Aborigines" Neville werden 1931 die 14jährige Molly, ihre 8jährige Schwester Daisy und ihre 10jährige Cousine Gracie aus der Siedlung Jigalong in ein rund 2000 km entferntes Erziehungsheim ver-schleppt. Die stolze Molly aber ist fest entschlossen, sich nicht einzufügen und findet schon bald eine Gelegenheit zur Flucht. Verfolgt vom Spurensucher Moodoo sowie Vertretern der Staatsmacht machen sich die drei Mädchen auf den langen Weg nach Hause, entlang des im Original titelgebenden "Rabbit-Proof Fence", der den Kontinent teilte, um bewirtschaftetes Land vor Kaninchenplagen zu schützen. Noyce illustriert die Geschichte eher, als dass er sie erzählt, lässt sie wirken statt sie voranzutreiben. Mit wenigen Dialogen und nur vereinzelten dramatischen Zuspitzungen, stattdessen mit langen, intensiven Einstellungen, die menschliche Regungen wortlos erkunden, ist ein packendes, vibrierendes 'Road'-Movie entstanden. Der Australier Christopher Doyle, der schon Wong Kar-wais Filme ("Chungking Express") mit packenden Bildern versah, erweckt die staubige Dürre der australischen Wüste zu eindrucksvoller Präsenz, macht sie zum Komplizen wie Widersacher der Mädchen. Peter Gabriel komponierte die Musik aus Adaptionen von Aborigine-Rhythmen, die eine stimmungsvolle, ursprünglich wirkende Atmosphäre kreieren. Den drei von Laiendarstellerinnen gespielten Mädchen steht Kenneth Branagh als dünnlippiger Neville gegenüber, der mit missionarischem Eifer seine Überzeugungen vom Segen der christlichen Prinzipien zum Wohl der Aborigines wie auch mit der Verve eines Hobby-Eugenikers seine Rassentheorien ausbreitet.

(Kirsten Dyrda)

Kino.

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