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Long Walk Home

Long Walk Home
Australien/Großbritannien 2002, Laufzeit: 94 Min., FSK 6
Regie: Phillip Noyce
Darsteller: Everlyn Sampi, Tianna Sansbury, Laura Monaghan, David Gulpilil, Kenneth Branagh, Deborah Mailman, Jason Clarke, Ningali Lawford, Myarn Lawford, Gary McDonald, Roy Billing, Andrew S. Gilbert, Ken Radley

Meine Meinung zu diesem Film

Stolen Generations
Colonia (683), 25.06.2007

Ein spannendes und ernstes Thema wundervoll umgesetzt. Bewegend, weil der Film auf einer wahren Geschichte basiert. Bewegend auch durch die authentische Darstellung, vor allem der Kinder. Großes Kino.

Paar kurze Facts zu dem, worum es in dem Film geht:
SeBiG (30), 23.11.2006

(irgendwie sagt die Choices-Filmbeschreibung nicht viel darüber, weswegen man sich diesen Film wirklich mal ansehen sollte...)

Noch bis in die 70er Jahre hat die australische Regierung versucht, fortpflanzerische "Fehltritte" (die Verbindung zwischen Weißen und Aborigenees - vor sechzig Jahren nannte man in Deutschland sowas "Rassenschande") dadurch zu korrigieren, daß man diese Kinder ihren (meist schwarzen) Müttern wegnahm und in Umerziehungslagern (die im Film wohl nicht zufällig wie KZs dargestellt werden) auf ein Leben in der weißen Bevölkerung vorzubereiten. In spätestens drei Generationen sei bei konsequenter Weiterverheiratung mit weißen Partnern "der Aborigenee wieder weggezüchtet" (wie der wenig sympathische Kenneth Branagh, einziger bekannter, aber nicht einzig guter Darsteller der Filmes, zu Beginn der "Lehrveranstaltung" doziert).

Das Ergebnis resultiert natürlich in einem Elend sondergleichen: Glückliche, mit dem Leben im Busch durch ihre Aborigenee-Eltern vertraut gemachte Naturkinder werden gewaltsam diesen entrissen und landen in der tristen Welt von Barracken und Stacheldrahtzäunen, wo sie vor Männern in Anzügen den Bückling machen und mit Nonnen in weißem Ornat fromme Lieder singen sollen.

Die kleine Molly war der ganze Stolz ihrer Mutter, weil sie eine so talentierte Spurensucherin und Jägerin war. Als sie mit ihren beiden jüngeren Schestern in das Kinderlager von Moore River, zweitausend Kilometer südlich von Jigalong, wo sie vorher gelebt hat, gebracht wird, ist für sie ziemlich schnell klar, daß sie hier nicht bleiben will.

Was sie sich genau gemerkt hat, sind die Ausführungen eines Mannes aus Jigalong über den dortigen Kaninchenzaun (Rabbit-Proof-Fence), der sich durch ganz Australien zieht und der längste Zaun der Welt sein soll - denn ihr Leben verdankt sie der Verbindung ihrer Mutter mit einem der Wanderarbeiter, die diesen Zaun errichtet haben.

Als sie mit ihren Schwestern aus dem Lager entkommen ist, braucht sie nur den Zaun zu finden und hat den perfekten Wegweiser durch die zweitausend Kilometer Steppe, Wüste und Busch, die vor ihr und ihren Schwestern liegen.

Bemerkenswert ist nicht allein der Umstand, das zwei kleine Kinder diese gewaltige Strecke in nur 90 Tagen bewältigt haben (die dritte Schwester wurde auf halbem Weg wieder eingefangen), sondern vor allem, unter welchen Umständen:

Die weißen Protektoren fanden das nämlich gar nicht gut, das die "blöden Schwarzen" sich der Wohltaten, die man ihnen angedeihen lassen wollte, zu entziehen versuchten, und ließen nur wenig unversucht, um die Flüchtlinge wieder einzufangen. Somit war der Zaun nicht nur eine Hilfe, sondern auch eine Gefahr für Molly und ihre Schwestern, denn sobald den Suchtrupps einmal klar war, daß sie sich an diesem orientierte, um den Weg nach Hause zu finden, konnten Sie den Suchradius natürlich gewaltig einschränken!

Weiterhin hat die Flucht der drei Schwestern unter großer Anteilnahme der australischen Bevölkerung und (für diese Zeit - 1930 - ebenfalls bemerkenswertem!) medialen Interesse stattgefunden: Beinahe täglich wollte die Bevölkerung in Radio und Zeitung darüber unterrichtet werden, wie weit die Mädchen es mittlerweile geschafft hatten, den Suchtrupps ein Schnippchen zu schlagen. Deswegen wußten die meisten der Menschen, denen die Mädchen auf ihrer Odyssee begegneten, und die ihnen nicht selten geholfen haben, ganz genau, mit wem sie es zu tun hatten.

Das sie es wirklich schaffen würden, damit hat wohl niemand gerechnet - kaum in Jigalong angekommen, hat sich die wiedervereinigte Familie tief in den australischen Busch zurückgezogen, wo die beiden zurückgekehrten Schwestern dann in Frieden aufwachsen und ein selbstbestimmtes Leben führen konnten.

Der Film schließt mit ein paar wertvollen Doku-Shots der "echten" Molly Kelly, die zum Zeitpunkt des Drehs mittlerweile eine uralte Frau gewesen ist (zwischenzeitlich ist sie leider verstorben).

Die Musik von Peter Gabriel in dem Film gefällt mir auch ganz gut, weil sie sich (bis auf die "natürlich emotionale" Schlußszene) nicht so sehr in den Vordergrund drängt, sondern das Geschehen auf der Leinwand stimmungsvoll untermalt und "illustriert".

down under - ernsthaft
deejay (111), 29.07.2003

Jedes Land hat in seinem Geschichtsmäntelchen schmierige Flecken. Auch unser fröhliches Australien mit seinen putzigen Bärchen, urigen Beutelhüpfern und in der Großstadt symphatisch tollpatschigen Krokodiljägern.

Der Film ist als künstlerisches Werk wahrscheinlich schnell vergessen. Die Geschichte, über die er fernsehspielhaft bieder berichtet, hoffentlich nicht. Was heißt bieder? Ergriffenheit erzeugt er dennoch. Mit Hilfe der guten Kinderdarsteller und erst recht mit dem Zeigen der echten, bewundernswert starken, Erzählerinnen/Protagonistinnen.

Ein wichtiger Film, der zeigt, daß es immer nur an der Oberfläche glänzt, wenn uns scheinbar grenzenlose Freiheit und Sonne verkauft wird.

Kraftlos, dennoch Respektabel
mr. kurtzman (168), 26.06.2003

Eine beeindruckende Geschichte, die der Film aber leidenschaftslos erzählt. Die Musik von Peter Gabriel gefiel. Man hatte doch ständig das Gefühl, dass im ganzen Film Laiendarsteller tätig waren. Da würde ich doch lieber eine Dokumentation mit den beiden alten Frauen, die am Schluss gezeigt wurden, bevorzugen.

Tolle Jungdarsteller...
endrul (14), 16.06.2003

...die sehr authentisch gespielt haben. Für mich ein wichtiger Film um Thematiken wie Mut, Freundschaft , Liebe, Freiheit u.s.w. Mir ging er ans Herz und ich kann ihn nur weiterempfehlen.

Bewegend
gutzi (182), 06.06.2003

Ein bewegender und fesselnder Film, der nun wirklich - da hat Otello 7788 völlig Recht - keiner "Action" bedarf. Ein Blick in die Gesichter der Kinder genügt doch völlig, um das ganze Drama zu begreifen, dazu noch die Aufnahmen der australischen Weite. Wüßte ich nicht, daß der Film auf einer wahren Begebenheit beruht, so würde ich ihn wahrscheinlich als unglaubwürdig bezeichnen, und jede weitere Dramatisierung hätte diesen Eindruck wohl noch gesteigert. So aber empfand ich ihn als bewegend und überzeugend. Ein wenig gestört haben die insbesondere am Anfang teilweise unscharfen Aufnahmen (oder hatte es der Filmvorführer in meinem Kino an den Augen?).

Nicht Fisch, nicht Fleisch
Dr. Tom (57), 03.06.2003

Eine Reihe schöner Bilder, eine poetische Diktion, okay, das ist ganz nett, aber der Film laviert mir zusehr zwischen diversen Unterhaltungsklischees (der "schöne Wilde"; australische Steppe, Sonnenuntergänge etc.), einem Willen zur geschichtlichen Dokumentation und auch noch zur Betroffenheitsemantik. Die Geschichte indessen ist banal. Irgendwie ist mir auch das Gegenbild des Rassisten und bürokratischen Täters (Kenneth Branagh) zu farblos geblieben. Ein mittelmäßiges Vergnügen.

Berührend
otello7788 (543), 31.05.2003

Originalzitat einer Kinobesucherin nach dem Film: "Da war mir nicht genug Action drin, zu undramatisch..." Und genau das zeichnet den Film aus. Diese Geschichte ist so bewegend und so groß, daß jede zusätzliche Dramatisierung den Film zu einem Rührstück hätte verkommen lassen. Wie schon in "Der stille Amerikaner" ist dies ein Film der leisen Töne. Aber gerade dadurch gewinnt er an Wahrhaftigkeit und wenn man für diese Töne offen ist, auch an Dramatik und emotionaler Tiefe. Die Kraft und das Selbstvertrauen der Hauptdarstellerin rührt ungemein. Nicht zuletzt die nie aufdringliche, aber aufwühlende Musik Peter Gabriels und die hervorragende Kameraarbeit läßt diesen wunderbaren Film zu einer Empfehlung werden, der man viele Zuschauer wünscht. Warum man einem englischsprachigen Film allerdings einen anderen englischen, "deutschen" Titel geben muss bleibt mir schleierhaft und ist wohl nur durch das Zeitalter der "McCleans" zu erklären!

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