Schutz gewähren und das Böse abwehren: Diese lobenswerte Absicht hat sich seit ihrer Gründung im Jahr 1997 die bundesweit operierende Stiftung „Hänsel und Gretel“ auf ihre Fahnen geschrieben. Die eindeutig größte Aktion ist die 2002 gestartete „Notinsel“-Initiative, die sich unter dem selbstbewussten Motto „Wo wir sind, bist du sicher“ als starke Plattform für ganzheitliche soziale Verantwortung begreift. Konkret handelt es sich um eine organisierte Ansammlung ausgewählter Fluchtpunkte für die kleinsten Mitbürger, die sich auf dem Weg zur Schule, zum Spielen oder zum Sport befinden. Dahinter steckt die Idee, verunsicherten oder ängstlichen Kindern bei Gefahrensituationen im Alltag eine sichere Anlaufstelle zu signalisieren. Diese lässt sich speziell durch das auffällige Logo erkennen – ein einheitlich verwendetes Symbol zur Förderung der Kultur des Hinsehens und zur Abschreckung von potentiellen Tätern, Brutalität oder Willkür.
Beteiligen können sich neben Behörden, Banken oder Vereinen vor allem typische Geschäfte wie Apotheken, Bäckereien, Friseursalons oder Supermärkte. Dort sind jeweils klare Handlungsanweisungen für das Personal sowie regionale Notrufnummern hinterlegt, um in kritischen Momenten kompetente Hilfe zu ermöglichen. Die auch im Ruhrgebiet von Bochum bis Oberhausen vielerorts auf diese Weise gewährte Unterstützung funktioniert allerdings nach einem marktwirtschaftlichen Franchise-Prinzip: So müssen interessierte Städte, Landkreise oder Gemeinden von der in Karlsruhe beheimateten Stiftung die mehrere tausend Euro betragenden Markenrechte am gesamten Notinsel-System wie Flugblätter, Aufkleber oder Plakate erwerben – und sind danach vom schwäbischen Aalen bis zum sächsischen Zschorlau eigenständig für die operative Umsetzung mit sämtlichen finanziellen und personellen Pflichten verantwortlich.
Kritische Stimmen nehmen der Stiftung nicht ab, die Idee ohne Profit multiplizieren zu wollen
Deshalb mischen sich in die positiven Kommentare vieler Beteiligter auch regelmäßig kritische Stimmen, die es der Stiftung nicht ganz abnehmen, die prinzipiell gute Kinderschutz-Idee angeblich ohne jeglichen Profit multiplizieren zu wollen. Trotz dieses zarten Beigeschmacks trifft es die Interpretation von Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski auf den Punkt. „Diese Initiative ist Ausdruck einer funktionierenden Bürgergesellschaft, denn das Projekt funktioniert nur, weil viele Kaufleute, Dienstleister und Organisatoren mitmachen.“ Und auch dessen Hattinger Amtskollegin Dr. Dagmar Goch ist überzeugt: „Dass in unserer Stadt derzeit 78 Partner mitmachen, bewerte ich als ein deutliches Zeichen für Kinderschutz und Zivilcourage.“ Zu den prominenten Botschaftern gehören übrigens unter anderem der frühere Schwergewichts-Boxer Axel Schulz und der Berliner Star-Coiffeur Udo Walz.
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