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Die Schwedin Daniella Eriksson
Foto: Henryk Weiffenbach

Gesagt und getan

27. April 2017

Das SoloDuo Festival in Barnes Crossing gerettet – Tanz in NRW 05/17

Mit geringen finanziellen Mitteln müssen Tänzer in der freien Szene produzieren und dennoch bleibt der Enthusiasmus der Künstler auch über Jahre hinweg ungebrochen. So geht das Internationale SoloDuo Festival (19.-21.5.) im südlich von Köln gelegenen Areal des Barnes Crossing-Produktionszentrums in diesem Jahr schon in die neunte Auflage. Ein interessantes Festival nicht nur für das Publikum, weil es an jedem Abend fast ein Dutzend Produktionen von jeweils nur knapp zehn Minuten zu sehen gibt und dabei ein stilistisch breites Spektrum von Arbeiten auf dem Programm steht.

Als im letzten Jahr die Förderung durch die RheinEnergie Stiftung beendet war, stemmte man die Tanztage mit privaten Sponsorengeldern. Nun zeigt sich Ilona Pászthy – die neben Krisóf Szabó für die Organisation zuständig ist – „stolz darüber, dass die Unterstützung von der Kunstsalon-Stiftung kommt“. Den Gönnern des Kunstsalons gefiel die Tatsache, dass auf dem Festival der Nachwuchs unterstützt wird und man dennoch „eine internationale Ausstrahlung“ besitze, wie Ilona Pászthy betont. Bestes Beispiel ist Daniella Eriksson, die Gewinnerin des letztjährigen Nachwuchspreises. Die Auszeichnung beflügelte die Schwedin so, dass sie die Uraufführung ihres neuen Stückes im Mai in Köln präsentieren wird.

Unter 62 internationalen Bewerbungen erhielten 21 Produktionen den Zuschlag. Darunter auch das Duo Suhaee Abro und Cyril James aus Pakistan. Das Paar sollte schon im letzten Jahr nach Köln kommen, durfte dann aber nicht ausreisen. „Die beiden leisten so tolle Arbeit in einem Land, in dem es der Moderne Tanz ganz schwer hat“, erklärt Ilona Pászthy. Ihre Choreografie „Gesagt und getan“ erzählt von einer ersten Liebesbegegnung. In Pakistan ist es nicht nur ungewöhnlich Männer und Frauen gemeinsam auf einer Bühne zu sehen, noch bemerkenswerter ist die Tatsache, dass eine Frau einen Mann berührt. Gleichwohl erhielten die beiden während einer Aufführung in Karachi Standing Ovations vom Publikum.

Neben den deutschen Teilnehmern werden Gäste aus Finnland und Israel erwartet. Gespannt sein darf man auf die Vorstellung des südkoreanischen Duo Jin Young und Choi Tae Jeon Lie, das eine humorvolle und zugleich äußerst präzise entwickelte Choreografie mit Plastikelementen zeigt. Nur selten wird in der aktuellen Festivalauflage mit Requisiten gearbeitet. Es findet eher eine Rückbesinnung auf den Körper statt. So zeigen Janis Heldmann und Lin Verleger, die schon etliche Auszeichnungen für ihre Street-Dance-Produktionen erhielten, eine furiose Breakdance-Choreografie. Das Duo pflegt einen authentischen Tanzstil, bei dem alleine die Beziehung zwischen den beiden Körpern ausschlaggebend ist. Das Publikum scheint mitunter vollkommen ausgeblendet. Der Gegensatz zum Duo Comme Si aus Frankreich könnte nicht größer sein, das in seiner Arbeit theatrale Bilder entwirft, die raffiniert mit dem Blick des Publikums spielen. Die Gewinner der Wettbewerbe werden dann im Januar 2018 am 19. SoloDuo Tanzfestival in Budapest teilnehmen.

SoloDuo Festival | 19.-21.5. | Barnes Crossing, Köln-Sürth | www.barnescrossing.de

Thomas Linden

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