trailer: Herr Kohl, welche Ursachen hat Kinderarmut?
Steffen Kohl: Wenn wir über materielle Kinderarmut in Deutschland reden, dann bezieht sich das ja auf einen relativen Artmutsbegriff. Das bedeutet, dass diese Kinder in Familien leben, die sich mit ihrem Einkommen am unteren Ende der Verteilung befinden. Statistisch gesehen sind am häufigsten Kinder in alleinerziehenden oder arbeitslosen Haushalten, Kinder mit vielen Geschwistern oder Kinder mit Migrationshintergrund von materieller Armut bedroht. Treten mehrere dieser Faktoren zusammen auf, steigt auch das Armutsrisiko.
Wie groß ist denn das Ausmaß der Kinderarmut in Deutschland?
Da es keine einheitlichen Berechnungsgrundlagen für materielle Kinderarmut gibt, können die Angaben sehr stark schwanken. Das verdeutlichen auch die Zahlen aus dem aktuellen UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland. Je nach Berechnung reden wir von entweder einer Million beziehungsweise zwei Millionen Kindern unter 18 Jahren, die in Deutschland von materieller Armut bedroht sind.
Orientiert sich Kinderarmut denn nur am Materiellen?
Materielle Kinderarmutszahlen ziehen zwar oft das größte Interesse auf sich. Sich darauf zu beschränken, ist aber deutlich zu kurz gedacht. Ganzheitliche Konzepte, wie das des kindlichen Wohlbefindens, scheinen hier deutlich sinnvoller zu sein.
Reicht der Hartz IV-Satz für Kinder aus?
Aus meiner Sicht reichen die Hartz IV-Regelsätze allein nicht aus, um Kindern die gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen, die einem Ansatz kindlichen Wohlbefindens gerecht wird. Bedenklicherweise sind die Hartz IV-Sätze für Kinder nach den neuen Berechnungen des Arbeitsministeriums ja sogar zu hoch.
Was kann man tun?
Zunächst einmal muss es in die Köpfe, dass kindliches Wohlbefinden von vielen Faktoren abhängt. Ein großer Schritt wäre dann unabhängig von Hartz IV-Regelungen schon getan, wenn bestehende institutionelle Trennungen von beispielsweise Bildung, Gesundheit und Jugendhilfe auf regionaler Ebene ein Stück weit aufgebrochen würden, um ein Zusammenspiel zu fördern.
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