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Konstant im Geigenhimmel: Isabelle van Keulen
Foto: Marco Boggreve

In der guten Stube

31. August 2017

Isabelle van Keulen übernimmt Künstlerische Leitung in Neuss – Klassik an der Ruhr 09/17

Wenn nach mehr als einer Dekade ein Kammerorchester mit einem „Artist in Residence“ eine neue künstlerische Seele erhält, bringt dies unbedingt frischen Wind auch in ein erfahrenes Ensemble. Jede Künstlerische Leitung speist ihre Kreativität aus einer Quelle eigener Erfahrungen, das kann im breiten Musikgeschäft höchst unterschiedliche Ergebnisse zeitigen. Die Deutsche Kammerakademie Neuss konnte jetzt die niederländische Geigerin Isabelle van Keulen gewinnen, ein toller Fang gleich in der Nachbarschaft, dabei eine Künstlerin mit internationaler Reputation und besten Kontakten zu Musikern und Komponisten in der ganzen Welt. Diese können Karrieren auch für ein Orchester entscheidend beeinflussen.

Die Sache ist dabei nicht einseitig. Rund 50 CD-Produktionen haben die Neusser bisher geleistet, dabei entdeckerische Aufgaben gemeistert wie in die Einspielung der Graun-Oper „Montezuma“. Aber auch als steter Erinnerer fungierte das Orchester für Sinfonien von Boccherini und Joseph Haydns Bruder Michael, der das Salzburger Wunderkind Mozart nachhaltig beeindruckt hat. Händels sämtliche Orgelkonzerte wurden gar als „virtuos, witzig, expressiv und emotional berührend“ von der Fachpresse bewertet – mehr kann eine Musikertruppe nicht erreichen.

Die neue Leiterin Isabelle van Keulen spielt sowohl ihre Violine von Joseph Guarnerius del Gesu aus dem Jahre 1734 als auch die etwas größere und sonorer klingende Bratsche. Seit kurzem unterrichtet sie auch beide Instrumente und das Fach Kammermusik an der Hochschule im Schweizerischen Luzern. Als Solistin gastierte sie bei den Spitzenorchestern, natürlich beim Royal Concertgebouw, bei den Berlinern, im Gewandhaus in Leipzig wie bei verschiedenen Rundfunkorchestern, in Zürich, London, Tokyo und in den USA. Die Breite ihres Repertoires, die sich in ihrer zukünftigen Programmplanung spiegeln wird, lässt sich an der bunten Mischung der Dirigenten ablesen, mt denen sie Konzerte erarbeitete: Gergiev, Herreweghe, Nelsons, Norrington, Wolff und Zinman – Romantiker, Alte-Musik-Revolutionäre, Neutöner. Interessant und vielversprechend ist auch die Kollektion der versammelten Prominenz zeitgenössischer Komponisten: Dutilleux, Adams, Gubaidulina und Brett Dean. Ihr wurde bereits ein Violinkonzert gewidmet, vieles hat sie uraufgeführt. Kammermusik der kleinsten Form liebt sie u.a. mit dem Pianisten Ronald Brautigam, der gerade sehr angesagt ist.

Wunderbar startet van Keulen die traditionsreiche Neusser Zeughaus-Konzertreihe in der „guten Stube der Stadt“ mit dem berühmten Beethoven-Violinkonzert, das sie just auf CD einspielt – ein Programm aus ihrer ganz aktuellen persönlichen Geschichte.

Deutsche Kammerakademie: „Beethoven 1 + 1“ | So 1.10. 18 Uhr | Zeughaus, Neuss | www.deutsche-kammerakademie.de

Olaf Weiden

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