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Debakel von Delphi

28. Februar 2022

Intro 03/22 – Frau Allein

Nichts im Übermaß, soll eine Inschrift am Orakel von Delphi besagt haben. Die Mahnung, dass Menschen zur Übertreibung neigen (auch zur Untertreibung), ist so aufs Engste mit der abendländischen Philosophie verknüpft. Gut so! Verquer zwar schlägt sich die Mahnung beispielsweise in Selbstoptimierungsratgebern nieder, wo es gilt, unter der Maske innerer und äußerer Balance noch die letzte Energie für eine zermürbende Karriere abzurufen. Richtig bleibt aber, dass täglich etwas überhand nimmt (oder zu kurz kommt), geht es nun um Familie, Partnerschaft und Freundschaft, um körperliche und geistige Bewegung und Ruhe, um Politik, Wirtschaft und Privatsphäre oder was auch immer. Erstaunlich ist, wie einfach es sich die Gesellschaften gemacht haben, als sie geflissentlich den Mann zum Maßstab ihres Handelns erhoben haben. Ganz schön übertrieben! Generationen von Feministinnen und Feministen haben in den letzten hundert Jahren daran wenig ändern können.

Im Monatsthema FRAU ALLEIN fragen wir, wie es um diese Ungerechtigkeiten bestellt ist. Unsere Leitartikel bezweifeln, dass die Erfolge des Feminismus allen Frauen gerecht zugute kommen, verfolgen, warum in der Medizin die Behandlung von Frauen sträflich vernachlässigt worden ist und stoßen sich an der Erwartung, dass Frauen die Dinge besser zu machen hätten als Männer es tun.

In unseren Interviews schlägt die Soziologin Uta Meier-Gräwe Maßnahmen vor, um die existentielle Benachteiligung von Frauen in der Sorge- und Erwerbsarbeit zu beenden, die Gesundheitsexpertin Anke-Christine Saß erklärt, warum eine Medizin, die auf die Bedürfnisse von Frauen eingeht, auch Männern hilft und die Politologin Helga Lukoschat diskutiert die Strategien von Männern und Frauen in der Politik. In Köln besuchen wir Paula e.V. Die Beratungsstelle hilft Frauen ab 60 Jahren, die Opfer sexualisierter Gewalt geworden sind. Von der Medizinerin Sabine Oertelt-Prigione erfahren wir, wie an der Universität Bielefeld Erkenntnisse der geschlechtersensiblen Medizin in die gesamte medizinische Ausbildung eingehen. In Wuppertal erfragen wir die Erfolge und Ziele der 1985 gegründeten Stabsstelle für Gleichstellung und Antidiskriminierung.

Übrigens, vor 100 Jahren haben englische Amateurfußballerinnen männliche Profis im In- und Ausland geschlagen. Frauenteams haben für ausverkaufte Zuschauerränge gesorgt; in heutigen Zahlen ein Multi-Millionengeschäft. Der englische Fußballverband FA erließ bald ein Stadionverbot für die erfolgreichen Konkurrentinnen, und Ärzte flankierten die Perfidie mit der abstrusen These, die sportliche Anstrengung gefährde die Fruchtbarkeit von Frauen. Erst in den 70ern hob der Verband das Stadionverbot auf. Man stelle sich vor, Fußballfrauen wären 100 Jahre genauso gehätschelt worden wie Fußballmänner! – Wohl ganz gut für Männer, dass es nicht nur im Sport unsportlich zwischen den Geschlechtern zugeht.

Dino Kosjak / Chefredaktion

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