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lit.Cologne-Gast James Ellroy
Foto: Marion Ettlinger

Amerikaner am Rhein

26. Februar 2015

Die lit.Cologne verspricht ein starkes Programm – Textwelten 03/15

Zum 15. Mal öffnet die lit.Cologne die Türen der Veranstaltungssäle, um die erwarteten 80.000 Besucher zu empfangen, die sich während der Festivaltage etwas vorlesen lassen möchten. Insgesamt zog es eine Million Menschen seit der Premiere 2001 zu den Literatur-Events. Das Publikumsinteresse in der Stadt und im Land scheint auch nach zweieinhalb Jahrzehnten ungebremst vorhanden zu sein, wie der Vorverkauf einmal mehr beweist. Umso erstaunlicher, dass man erst im 15. Anlauf einen „Köln-Abend“ veranstaltet. Trotzdem eine gute Idee, denn der Abend in der Oper am Dom soll von den Gästen, zu denen etwa Gerd Köster, Mariele Millowitsch oder Joachim Król zählen, in Erfahrung bringen, warum diese Stadt so stark polarisiert. Dem trauten Heimatgesäusel soll der Kampf angesagt werden, und die verschmähte Liebe manches Zugereisten, die sich gerne in zornigen Schmähungen entlädt, will der Abend erklären. Mitunter schwingt sich der rheinische Mensch ja zu wahrer Größe auf, deshalb wird der Abend auch einen Blick auf Rolf Dieter Brinkmann werfen, der kein Halten kannte, wenn er seinem Hass gegenüber den Kölnern Ausdruck verleihen konnte. Ausgerechnet nach ihm hat die Stadt ihre wichtigste Literaturförderung benannt.

Psychologie der derben Sorte ist ebenfalls gefragt, wenn T. Coraghessan Boyle seinen Roman „Hart auf hart“ vorstellt, der uns begreiflich macht, warum die Amerikaner vermeinen, ein gutes Leben nur mit der Waffe in der Hand führen zu können. Jemand, der aus eigener Erfahrung weiß, welche Katastrophen Gewalt im Leben der Opfer und ihrer Familien anzurichten vermag, kommt mit James Ellroy nach Köln. Er las auch schon vor Jahrzehnten in der Domstadt, als er international nur als Talent des Krimi-Genres gehandelt wurde. In den USA genießt die lit.Cologne einen guten Ruf, anders ist nicht zu erklären, dass sogar Renata Adler, eine der großen alten Damen der Amerikanischen Literatur, die Reise nach Deutschland nicht scheut. Nach „Rennboot“ stellt sie nun ihr legendäres Buch „Pechrabenschwarz“ vor. Lily Brett kommt ebenfalls aus New York an den Rhein, um aus ihrer Zeit als Hippie-Reporterin des Rolling Stone zu erzählen. Eine Zeit, in der auch der neue Roman „Miss Blackpool“ von Nick Hornby spielt, in dem eine Blondine ihren Titel als Schönheitskönigin ausschlägt, um dann in London richtig Karriere zu machen. Hornby hat noch jedes Buch auf der lit.Cologne vorgestellt und in Deutschland möglicherweise mehr Leser als im heimatlichen England.

Besonders prominent ist das Thriller-Kontingent in diesem Jahr besetzt mit Tana French, Jussi Adler-Olson, Tony Parsons oder Adrian McKinty. Da will dann auch Bastian Pastewka mitmischen, der Francis Durbridges Serienhelden „Paul Temple“ zum Leben erweckt, indem er auf der Bühne alle Geräusche der Hörspielfassung selbst produziert. Manchmal drohte die lit.Cologne schon Opfer ihres Rufes zu werden, als hartnäckig ausgestreut wurde, nach Neujahr seien allen Karten für den März ausverkauft. Dem ist nicht so, die Stadt brodelt während der Tage zwischen dem 11. und 21. März, da geht immer noch etwas.

lit.Cologne | 11.3.-21.3. | www.litcologne.de

THOMAS LINDEN

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