Das waren noch Zeiten! Als Frauen während ihrer Periode noch von der Gemeinschaft separiert wurden, damit sie alleine vor sich hin bluten konnten. Die meisten von uns verweigern heute zwar, sich während dieser Tage artig zu verstecken, aber immerhin war dieser schockierende Ausdruck aggressiver – weil roter? – Weiblichkeit bisher auf das Damenklo beschränkt. Nach Fußballkommentatoren-Stuhl und Geisterjäger- Zunft nehmen wir bösen Hexen den Männern jetzt aber ihre letzte Domäne: das Herrenklo.
Mit dem Verweis „Die Tampons auf dieser Toilette sind für unter anderem trans-, inter- und nonbinary Personen gedacht und stehen deshalb bewusst auch hier zur Verfügung“ drapierte der AStA der Bergischen Uni Mitte Juni diese Utensilien weiblicher Monatshygiene auf dem stillen Örtchen der Herren. Einige dachten an einen Scherz, andere echauffierten sich über die Invasion ihres sauber nach zwei Geschlechtern getrennten Weltbildes durch den „Gender-Wahnsinn“. Auf Nachfrage der empörten BILD nach Meinung des Bürgermeisters zur Tampon-Posse reagierte dieser diplomatisch-souverän: er habe aus Termingründen keine Zeit, sich damit zu beschäftigen. Wen wundert’s, Andreas Mucke ist ja auch ein OB.
Monatlich kommt auch unser Thementeil. Unter dem Titel FREIHEIT beschäftigen wir uns mit dem absoluten Gegenteil – der Gefangenschaft. Wir sprechen mit Werner Nickolai, Professor für Straffälligenhilfe, der die Abschaffung des Jugendstrafvollzugs fordert und nehmen die Knastdichte Wuppertals und das Gefängnis als Sanktionsmaßnahme insgesamt ins Visier. Weitere Texte zu anderen Schwerpunkten unseres Monatsthemas (Freiheit in der Philosophie und das KOnzept des Freien Willens & Pressefreiheit) finden Sie auch bei unseren Partnermedien choices und trailer.
Die Ideen der Freiheit wurde zur Zeit des russischen Schriftsteller Maxim Gorki eher am Volk vorbei diskutiert. Sein Stück KINDER DER SONNE, inszeniert von Helene Vogel im Theater am Engelsgarten, ist auch heute noch aktuell.
Beunruhigend vereinnahmend sind die in Schwarz-Weiß gehaltenen Werke des New Yorker Fotografen und Videokünstlers ROGER BALLEN. Die Ausstellung „Fotografie und Film 1969-2015“ entwickelt in der Von der Heydt-Kunsthalle Barmen eine Wucht, die dem Betrachter die Luft zum Atmen nimmt. In unserer Nahaufnahm stellen wir diesmal die Künstlerin und Fotografin EILIKE SCHLENKHOFF vor.
Unser Film des Monats TONI ERDMANN sorgte schon beim diesjährigen Festival in Cannes für Aufsehen. Maren Ades Komödie umschifft leichtfüßig die Klippen deutscher Filmproduktion zwischen Drama und platter Komödie. Hauptdarstellerin SANDRA HÜLLER treffen wir zum Interview.
Das Kompilationsfilm-Projekt DEUTSCHLAND. DEIN SELBSTPORTRÄT setzt sich aus Filmmaterial zusammen, das Menschen aus der ganzen Bundesrepublik eingesandt haben. Der künstlerische Leiter SÖNKE WORTMANN findet, dass man so einen Film alle fünf Jahre machen sollte. Warum, lesen Sie im Gespräch zum Film.
Außerdem blicken wir auf zwei Veranstaltungen im REX zurück. Dort wurden die Dokus RUM ODER GEMÜSE? des Informationsbüros Nicaragua und TOMORROW – DIE WELT IST VOLLER LÖSUNGEN gezeigt und diskutiert.
Auch für das oben genannte Problem gibt es übrigens eine ganz einfache Lösung: Unisex-Toiletten.
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