Immer, wenn die Tage kürzer und die Gesichter meiner Mitmenschen morgens in der S-Bahn länger werden, klammere ich mich an Gedanken von heißem Glühwein, duftenden Spekulatius und Kerzenschein. Gleichzeitig steigt eine vage Hoffnung auf Schnee in mir auf, irgendwo dahinter sprießt schon wieder die Sehnsucht nach dem Frühling. Auch wenn der Herbstanfang so schön bunt mit Erntedankfest und prallen Fruchtkörben auf die Kacke haut, legt er über alles den Schleier der Vergänglichkeit, den nur der Lenz zu lüften vermag. Als Ende März geborenes Frühlingskind mummelt man sich da schon Anfang Oktober gerne mal in den dicken Schal.
Mehr anzuziehen ist in unseren Breitengraden zu dieser Jahreszeit daher nicht ungewöhnlich. Die Burka ist dann aber für viele zu viel und zu harter Stoff, wie die hitzige Debatte bewies. Für unser Monatsthema FRAUENRECHT haben wir darüber im Interview mit MINA AHADI, Menschenrechtsaktivistin und Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime, gesprochen. Sie fordert ein Burka-Verbot und hält Religionen für frauenfeindlich. Unserem Themenautor Florian Schmitz wäre es dagegen am liebsten, jede könnte anziehen was sie will und in Schottland ist der Hijab gar optionaler Teil der Polizeiuniform. Mehr in unserem Europa-Text.
Weitere Artikel gibt es in unseren Partnermagazinen choices (Schwerpunkt: Backlash gegen Feminismus; Interview mit Gender-Forscherin Judith Butler) und trailer (Schwerpunkt: Matriarchale Gesellschaften, inklusive einer bösen Glosse).
Um spektakuläre visuelle Sensationen anderer Art geht es in der Ausstellung „Rainbow Crash Bloom“ von Markus Willeke in der Hengesbach Gallery: Regenbögen, Fingermalereien auf beschlagenem Glas, zersplitterte Scheiben und psychedelische Farbnasen.
Das Verrätselte und Vergängliche und die Vielfalt der Medien mögen ein Grund dafür sein, dass das Werk von Terry Fox im öffentlichen Bewusstsein kaum präsent ist. Das Von der Heydt-Museum will das mit der Schau „Elemental Gestures“ ändern.
TIM LEIMBACH, der nach vier Semestern sein Architekturstudium abbrach und heute mit Collagen, Zeichnungen oder Fotografien experimentiert, um daraus Ölbilder zu entwickeln, porträtieren wir in unserer Nahaufnahme.
Am besten lässt sich dem Herbst übrigens im Kino trotzen. Unser Film des Monats SWISS ARMY MAN von Daniel Kwan und Daniel Scheinert entzieht sich einer Kategorisierung. Splatterkomödie? Buddy-Movie oder Body-Movie? Der Film zeigt körperliche Übergriffe und Deformationen und feiert den Körper gleichzeitig als Zeichen des Lebens – wenn’s sein muss, auch über den Tod hinaus.
Eine Parade der psychischen Probleme unserer Zeit ist DANI LEVYS Tragikomödie „Die Welt der Wunderlichs“. In unserem Gespräch zum Film erzählt er von verrückten Familien und gesunder Publikumsüberforderung. Mit Jannis Niewöhner sprechen wir über seine Rolle in JONATHAN, Filmsets ohne Handyempfang und die Probleme eines Coming Outs.
Bei der Vorstellung von „W.A.K.A.“ im Rahmen der ersten AFRIKA FILMTAGE im Tal unter dem Motto „Sisters in African Cinema“ war nicht nur Regisseurin Françoise Ellong im Rex dabei, sondern auch wir von engels für unsere Rubrik Foyer.
Bisher präsentiert sich der Herbst ja eher goldglänzend, also Schluss mit den Vanitas-Gedanken. Freuen wir uns lieber auf eine reiche Kulturlese im Oktober.
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