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The Death of Stalin

The Death of Stalin
Frankreich, Belgien, Großbritannien 2017, Laufzeit: 107 Min., FSK 12
Regie: Armando Iannucci
Darsteller: Steve Buscemi, Simon Russell Beale, Jeffrey Tambor, Michael Palin, Rupert Friend, Paddy Considine, Paul Whitehouse, Olga Kurylenko, Andrea Riseborough
>> www.deathofstalin-film.de/home

Meine Meinung zu diesem Film

So funny, it was banned in Russia
Matt513 (231), 22.04.2018

In dieser bösen, aber superben Satire ergänzen sich glänzend aufgelegte Schauspieler zu etwas Großem, ja spielen sich regelrecht in Rage. Neben Buscemi und vielen anderen hier besonders Beale, der den widerwärtigen und eisigen Geheimdienstchef mit überschäumender Verve spielt. Die Mechanismen der inneren Machtzirkel, die wir vorgeführt bekommen, lassen sich vermutlich auf alle Chefetagen übertragen; welchen Titel das zu erringende Amt trägt (Parteisekretär? Staatsratsvorsitzender? Kanzler? Puh!), ist eigentlich egal.

Das Drehbuch ist einsame Spitze. Köstlich, wie in totalitären Systemen "einstimmige" Entscheidungen gefällt werden. Man sieht hier, die freie Meinungsäußerung ist doch eigentlich vollkommen überbewertet, wenn die Aussicht, im Gulag oder gleich an der Wand zu enden, sich in punkto Entscheidungsfindung als viel effektiver erweist. Die Angst, das eigene Leben (oder ersatzweise den Platz an der Sonnenseite des Despoten) einzubüßen, treibt herzerfrischende Blüten. So hält Chruschtschow des Abends nicht nur nach, worüber Stalin lachte, sondern -viel wichtiger für die eigene Haut- auch, worüber nicht.

Eine Komödie ist dies tatsächlich nicht. Iannucci stellt mehr als einmal die menschenfressenden Zustände jener Jahre, ein Widerhall des Großen Terrors, im Stakkato dar. Manches, z.B. wenn Stalins Datscha aufgelöst wird und das Protokoll die Ausschaltung sämtlicher Augenzeugen (sowie Doppelgänger) vorsieht, erscheint allerdings schon wieder so irrwitzig, daß man kaum anders kann, als drüber zu lachen. Ich vergleiche seinen großartigen Film mit Dr. Seltsam, nach dessen respektloser Darstellung die Zustände in der US-Militärführung so irre waren, daß man darüber unmöglich einen ernsten Film machen konnte. Weswegen Kubrick sich weiland bewußt für eine schwarze Komödie entschied. Daß dieser unverschämte Film hier in Russland aktuell nicht zur Aufführung kommen darf, könnte zum Schluß als starkes Signal dafür gelesen werden, daß daran vermutlich sehr viel wahr ist :).

Fantastisches Ensemble
Raspa (329), 11.04.2018

Dies ist weniger eine Komödie, wie der Film teilweise beworben wird, als vielmehr eine bitterböse Farce und eine Parabel über die Art des Machtkampfes in totalitären Systemen. Widerlinge sind sie alle, die da nach Stalins Tod um die neue Rangordnung kämpfen, jeder auf seine besondere Art. Auf historische Genauigkeit kommt es Iannucci dabei weniger an als um eine Typologie der politischen Verbrecher. Und dafür hat er eine Garde hervorragender Schauspieler zusammengestellt, die sich in dieser Schlangengrube mehr oder weniger geschickt bewegen. Wenn am Ende der Geheimdienstchef Beria exekutiert wird, hat man als Zuschauer wenig Mitleid mit diesem eiskalten Folterknecht, aber alle Anderen sind allenfalls in Nuancen weniger pervertiert als er.
Es gibt manche schrecklichen Pointen in diesem Film, die bestürzendste ist aber wohl die, dass ein solcher Film in Russland heute nicht mehr gezeigt werden kann, in einem Land, wo man wohl bald schon Stalin wieder als große historische Führerpersönlichkeit auch offiziell rehabilitieren wird.

Sehr empfehlenswert
chri (1), 06.04.2018

Eine wunderbare Groteske über ein extremes Machtsystem im Zerfall. Tragik und Komik liegen eng beieinander.

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