Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
10 11 12 13 14 15 16
17 18 19 20 21 22 23

12.424 Beiträge zu
3.696 Filmen im Forum

Max Slevogt, Getreidehafen in Assuan, 1914, Öl auf Leinwand, 38 x 58 cm
Galerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlung Dresden, Foto: courtesy Kunstsammlung NRW, Düsseldorf

Reisen nach Ägypten

19. Dezember 2014

Max Slevogt und Paul Klee in der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf – Kunst in NRW 12/14

Malerei entsteht nicht nur aus der Reflexion der vertrauten, häuslichen Umgebung, sondern sie transzendiert auch die Eindrücke, die in der Ferne aufgenommen werden. Das Reisen bereichert nicht nur das Wissen um fremde Kulturen, sondern bietet auch das Erleben und Vergegenwärtigen von anderen Farben und anderem Licht. War das Ziel in der Kunst (aus deutscher Perspektive) lange Italien, so führten die Reisen durch die verbesserten Möglichkeiten der Fortbewegung vor allem ab Mitte des 19. Jahrhunderts in weitere Ferne. Das lief konform mit den Entwicklungen im Tourismus und im Handel. Ein Ziel war Nordafrika, im besonderen Ägypten mit dem Nil, der Wüste, den Pyramiden. Zu den deutschen Künstlern, die den weiten Weg auf sich nahmen, gehören Max Slevogt und Paul Klee, die über vier bzw. zweieinhalb Wochen durch das Land gereist sind. Den Bildern, welche die beiden Künstler dort und im Umfeld ihrer Reise gemalt haben, widmet die Kunstsammlung NRW in Düsseldorf nun eine prächtige Ausstellung.

Schon für Max Slevogt (1868-1932), der mit Liebermann und Corinth das „Dreigestirn“ des deutschen Impressionismus bildete, bedeutet diese Reise eine Fortsetzung des bisherigen Interesses unter anderen Bedingungen. Slevogt wendet sich in Ägypten besonders der Bevölkerung zu, er malt sie in ihrem Habitus im Licht oder umfangen von der Wüste oder beobachtet das Geschehen auf dem Nil, den Hafen und die Schiffe: Seine figurative Malerei ist lichtdurchflutet, fast sieht man die Luft vibrieren. Paul Klee (1879-1940) ist ein Jahrzehnt später in Ägypten gewesen, aber er hat fast die gleiche Route genommen wie Slevogt. Seine Bilder, die sich zwischen Zeichnung und Malerei verhalten, tragen einen ganz anderen Umgang mit Realität, sie sind abstrakter und mithin spielerisch und lassen sich doch in der gesehenen Wirklichkeit – etwa der Wüste oder den Beduinenzelten oder dem Ufer des Nils – verankern, die sie in eine primäre Sprache übersetzen. Und Klee malt Farbe, das Licht und die Atmosphäre der Landschaft fließen direkt in seine Kunst ein.

Ob es gut ist, dass für diese Ausstellung das Stellwand-System der vorherigen Ausstellung – Kandinsky, Malewitsch, Mondrian – belassen wurde? Hier jedenfalls funktioniert es. Im gleichen Gebäude ist übrigens vis-à-vis eine weitere Ausstellung zu sehen, die sich dazu ergänzt. Gezeigt werden die beiden (Puppen-) Filme des 1971 geborenen, international etablierten ägyptischen Künstlers Wael Shawky sowie die Requisiten zum dritten, jetzt in der Kunstsammlung NRW gedrehten Film, bei dem die Marionetten aus Glas bestehen. Indes ist das Thema alles andere als „lieb“: Es geht um die Kreuzzüge, aber Wael Shawky erzeugt ausgesprochen schöne Bilder, die schon für sich Bestand haben. Ägypten aber ist das lose verbindende Thema dieser Ausstellungen.

„Nach Ägypten! Die Reisen von Max Slevogt und Paul Klee“ | bis 4.1. | K20 Kunstsammlung NRW | 0211 838 12 04

Thomas Hirsch

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Als unabhängiges und kostenloses Medium sind wir auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wenn Sie uns und unsere Arbeit finanziell mit einem freiwilligen Betrag unterstützen möchten, dann erfahren Sie über den nebenstehenden Button mehr.

Lesen Sie dazu auch:

Menschen in Räumen
Tim Eitel in der Neuen Galerie Gladbeck – Kunst in NRW 04/21

Fotografie über Fotografie
Stefan Hunstein im Kunstmuseum Bochum – Kunst in NRW 03/21

Der Mensch bei sich
Hede Bühl in der Villa Zanders in Bergisch Gladbach – Kunst in NRW 03/21

Ein Spiegel der Zeit
Die Absolventen der Kunstakademie in K21 in Düsseldorf – Kunst in NRW 03/21

Süß bis zum Würgen
#cute im NRW-Forum in Düsseldorf – kunst & gut 11/20

Systemkritik
Engelskirchener Kunstprojekt zu Friedrich Engels – Kunst 09/20

Vor den Toren von Kalkar
„Arnt der Bilderschneider“ in Köln – Kunst in NRW 09/20

Kunst.

Hier erscheint die Aufforderung!