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Foto (Ausschnitt): Vera Drehbusch

Kommt die Zeit der Uniformen?

05. Februar 2024

Reut Shemesh zeigt politisch relevante Choreographien – Tanz in NRW 02/24

Für Uniformen hat sich Reut Shemesh immer interessiert. Genauer gesagt ist es nicht die Uniform selbst, die die Choreographin fasziniert, sondern das, was sie aus den Menschen macht. Reut Shemesh wurde in Tel Aviv geboren und lebt in Köln, wo sie an der Kunsthochschule für Medien ihr Diplom erwarb. Für Aufsehen sorgte  sie 2021 nicht nur im Rheinland mit ihrer Produktion „Cobra Blonde“, bei der sie den Gardetanz einer Gruppe Düsseldorfer Karnevalistinnen auf die Bühne der Tanzkunst brachte. Das war praktizierter Feminismus, der jungen Frauen Respekt für ihre in der Freizeit erbrachte Leistung zollte und dabei wunderbar ironische Akzente in der Beziehung zwischen Individuum und Gruppe setzte.

Nun geht es an die Männer. In diesem Frühjahr stellt Reut Shemesh ihre neue Produktion „Ultra“ vor. Entstanden ist die Arbeit im belgischen Leuven gemeinsam mit Hooligans. „Auch die Hooligans haben einen Dresscode, der sich über Sneakers, Jeans und Frisur organisiert“, erklärt sie. Wie die Uniform den Menschen Halt verleiht, das lässt sich in den Choreographien der Israelin gut beobachten. Eine geradezu hellsichtige Dimension enthielt ihre Choreographie „Leviah“, für die sie 2016 den Kölner Tanztheaterpreis gewann. Hier befasst sie sich mit dem Sexismus, den sie selbst als Soldatin in der israelischen Armee erlebt hatte. Im Herbst waren es junge Soldatinnen, die vor einem Angriff der Hamas am Gaza-Streifen gewarnt hatten. Nur schenkte die Armeeführung ihren Beobachtungen keinen Glauben.

Auf die Frage, wie sie mit den Ereignissen seit dem 7. Oktober umgeht, erzählt sie von der psychischen Last, die sich auf ihren Alltag gelegt hat. „Was geschehen ist, ist traurig für den gesamten Nahen Osten. Wir sind gefangen in einem Loop aus Trauer und Rache.“ Dass sie eines morgens wach wurde und dachte, „ich gehörte jetzt zu einer der meist gehassten Menschengruppen dieser Welt“, hat ihr Leben verändert. „Jeder Schritt muss nun genau überlegt werden. Mit wem unternehme ich was und warum? Es gibt keine Selbstverständlichkeit mehr“, sagt sie.

Eine erstaunliche Stringenz durchzieht die Arbeiten von Reut Shemesh, in denen sie das Individuum sichtbar macht, bevor es vom Zwang der Gruppe vereinnahmt wird. Man darf gespannt darauf sein, wie sie in „Ultra“ diesem Thema eine neue Wendung gibt.

Ultra | Tanzhaus NRW, Düsseldorf | 16., 17. 2. | Tanzfaktur, Köln | 11., 12.4.

Thomas Linden

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