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Was ist Pose, was ist Haltung?
Foto/Screenshot: Mitra Kassai

Die Geschichte hinter den Bildern

28. Juni 2012

Kommunikationsdesign-Studentin Mitra Kassai legt ihren ersten Kurzfilm vor - Portrait 07/12

Kommunikationsdesign ist eine komplexe Angelegenheit. Nicht allein, weil es sich hier per se um einen haarscharfen Grenzgang zwischen Genres wie Kunst und Design handelt. Zum Gebot der interdisziplinären Arbeit des Studierenden gehört, sich vielfältig zu erproben und beweisen. „Ich habe mit Fotografie angefangen“, erinnert sich Mitra Kassai. Jetzt belegte die Allrounderin ein Seminar bei Dozentin Anna Silvia Bins. Zusammen mit Kommilitonen aus dem Bereich AV Medien/Film, Folkwang Universität der Künste, Campus Wuppertal, zeigte die Wuppertalerin bei der 7. Unicut Veranstaltung – ein wichtiger Termin für Filmfreunde – im Cinemaxx ihren ersten Beitrag. Es ist ein Film über den Wuppertaler Jürgen „Jojo“ Darski.

„Es war purer Zufall, dass ich auf ihn kam“, sagt die 28Jährige. Die Vorgabe für den filmischen Beitrag korrespondierte mit dem Motto „Erlaubt ist, was gefällt“, es gab also weder thematische noch formelle Vorgaben. „Und ich habe natürlich gegrübelt, was eine richtig gute Idee sein könnte.“ Nicht sitzend am Schreibtisch, sondern in der Bewegung kommen die besten Eingebungen. Bei den Spaziergängen mit ihrem Hund rund ums heimische Karree kam sie immer wieder an einer Werbetafel vorbei, die auf einen gewissen „Darski“ verwies. Darski, wer ist das?, fragte sie sich.

Raus aus dem Stundenplan, rein ins Leben, klingelte die Studentin spontan bei ihm. „Er ist Designer, Maler und Musiker und erklärte sich ziemlich schnell bereit, beim Projekt mitzumachen.“

Verbergen wir Unwissen hinter schönen Theorien?
Das Wesen der Dinge ist es, was Mitra Kassai interessiert. Zwei Tage dauerten die Gespräche, in denen die Studentin den Künstler „auf Herz und Nieren prüfte und gewissenhaft ausfragte“. „Wir haben uns dann auf seine Bilder spezialisiert.“ Das wiederum ist nicht sonderlich erstaunlich, wenn man genau betrachtet, was Darski macht. Nur auf den ersten Blick sind seine bevorzugt in Airbrush-Techniken gearbeiteten Ansichten floraler Elemente oder Kleinstlebewesen hübsch anzuschauen. Oft ist bei ihm Bild geworden, was sich für ihn dahinter verbirgt, wenn sich Behauptungen als Wahrheiten verkleiden. Es scheint, als konterkariere er die Idee des Verstehens als Illusion. Auch hier lässt sich die Frage nach dem, was bloße Pose oder tatsächliche Haltung ist, ableiten. „Ich habe erst gedacht, dass ich das alles nicht packe“, resümiert die Tochter italienisch-iranischer Eltern. Es war vor allem die Fülle des Materials, die sie zunächst zu überrollen drohte. Oder wie es Dozentin Bins mal ausdrückte: „Filmemachen ist mehr Arbeit, als man den Werken ansieht. Neben der Entwicklung einer guten Idee, dem technischen Knowhow und der Kreativität in der Filmgestaltung sind auch Organisation, Disziplin und Durchhaltevermögen wichtige Elemente.“ Die Technik der Verknappung und des präzisen Darstellens ist eines der wesentlichen Merkmale, die sie so erlernt hat.

Eine Hymne auf die Tollpatschigkeit
Zu experimentieren und auszuprobieren hat der gebürtigen Wuppertalerin, die eigentlich nach dem Abi 2003 „weit weg ins Ausland“ gehen wollte, sich dann aber überraschenderweise zunächst für ein Studium der Wirtschaftswissenschaften einschrieb, immer am meisten Spaß gemacht. Aber schon zu Zeiten als Fotografin, wenn sie stundenlang in der Dunkelkammer ihre Bilder entwickelte, hat sie das „grobkörnig Echte mehr interessiert als alles auf Hochglanz Polierte. Dieses Natürliche ist mehr mein Ding.“ Wohin die Reise beruflich wirklich geht, mag sie jetzt noch nicht bestimmen. Aber was filmisch als nächstes kommt, das weiß sie. „Ich bin ein absoluter Tollpatsch“, beschreibt Mitra Kassai sich selbst. Ständig stolpere, falle und kippe sie über irgendetwas. „So etwas passiert mir ständig, wahrscheinlich weil ich immer drei Dinge gleichzeitig im Kopf habe und machen möchte.“ Aus diesem Prinzip heraus möchte sie eine Komödie machen. Stilistisch soll es ein Roadmovie werden, das zufällige Begegnungen in einer Bar zeigt. „Da treffen dann charakterlich total unterschiedliche Menschen aufeinander, und die Pointe ist, dass sie trotz aller Vorurteile und einbetonierter Meinungen miteinander kompatibel sind.“ Denn wenn man dem Wesentlichen auf den Grund geht, steckt eben oft mehr dahinter, als eine Fassade zunächst vermuten lässt.


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