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Peter Henry Emerson: Seerosenpflücken, 1886, Platindruck, 19,5 x 29 cm, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung, erworben 1989, Sammlung Rolf Mayer
© Foto: bpk / Staatsgalerie Stuttgart / Peter Henry Emerson

Todfeinde der Malerei

07. November 2022

„Eine neue Kunst. Fotografie und Impressionismus“ in Wuppertal
 – kunst & gut 11/22

Auf der Suche nach dem Wesen des Lichts gingen die Menschen viele kreative Wege. Sie kratzten Sonnenstrahlen in Felsen und malten (Ab-)Bilder, die das Thema kreativ beleuchteten. Im 19. Jahrhundert dann gingen die Künstler in die Natur, beobachteten Jahreszeiten und die damit verbundenen Veränderungen der Ausleuchtung. Auch die Natur selbst wurde zum allgemeinen Œuvre, insbesondere Maler des Impressionismus entwickelten neue Malstile und Bildfindungen, selbst „gewöhnliche“ Großstadt- und Industrieszenen wurden akzeptiert, die technische Entwicklung eilte ja mit Riesenschritten voran.

Das Von der Heydt-Museum zeigt nun über diese Aufbruchszeit die Ausstellung „Eine neue Kunst. Fotografie und Impressionismus“. Denn seit Mitte des 19. Jahrhunderts waren Lichtbildkünstler am Werk, die ihre Motive mit den Malern teilten und auch zwangsläufig wegen der Apparatur auf der Suche nach Licht waren. Der technische Vorgang war nicht ohne, das Wissen um die Abläufe groß. Heute drücken ja Alle, die eine spitze Extremität zur Verfügung haben, auf einen digitalen Auslöser – nur Quallen scheinen da noch ausgeschlossen.

Lange belächelt, gar angefeindet von den malenden Zeitgenossen, wurden die neuen eigentlich nie richtig warm mit den alten „Meistern“. Allerdings ging es dabei immer um Kunst, trotz Charles Baudelaires „Todfeind der Malerei“ Polemik. Deshalb will die Ausstellung auch den Blick auf die frühe Geschichte des heutigen Massenmediums Fotografie und seine damalige Emanzipation als künstlerische Gattung im musealen Dialog mit der Malerei lenken.

Schon im ersten Raum in Wuppertal geht es um die Natur und ihre Wirkmächtigkeit. Am 16. Juli 1884 belichtete der Physiker Heinrich Kayser einen Blitz mit 6-facher Vergrößerung, der Chemiker Emil Jacobson fing einen ein Jahr später mitten in der Landschaft ein. Gustave Le Gray benutzte lieber das Sonnen- oder Mondlicht, das die Wolken hinterleuchtete, um die Weite des Meeres zu dokumentieren; wie das die Maler sehen, zeigt Claude Monets Blick aufs Meer (1888) aus dem Museumsbestand im selben Raum. Diese Gegenüberstellung der Impressionisten ist ein gelungener Eyecatcher, der die eingefrorene schwarzweiße Welt auf den Fotografien noch mehr zur Geltung bringt. So ein bisschen 3D gab es auch schon. Die Firma Ferrier père, fils et Soulier produzierte stereoskopische Aufnahmen von Paris. Man schaut wie in ein Fernglas und entdeckt plastisch die graue Straßenwelt des Zentrums der Moderne um 1860.

Aber die fotografische Welt wurde ziemlich schnell bunt. Der große Ausstellungsraum des Museums vereinigt weitere Aspekte der neuen Kunst zwischen Licht und Schatten und dem Piktorialismus. Auslöser der Bewegung, die bis zum Ersten Weltkrieg reichte, war sicherlich die Kodak-Kamera, die ab 1888 mit dem Slogan „You press the button, we do the rest“ warb. Nachtigall ick hör dir …, naja – Monet malte gerade seinen Meerblick und verkaufte wie blöd in die USA. Also nix mit Todfeind. Mein Highlight der Ausstellung bleibt aber Narciso Virgilio Díaz de la Peñas „Waldweg“. Ich hab kein Selfie gemacht! 

Eine neue Kunst. Fotografie und Impressionismus | bis 8.1.23 | Von der Heydt-Museum, Wuppertal | 0202 563 62 31

PETER ORTMANN

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