
MaXXXine
USA 2024, Laufzeit: 101 Min., FSK 18
Regie: Ti West
Darsteller: Mia Goth, Lily Collins, Kevin Bacon
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Atmosphärisches Slasher-Finale
Maxines Maxime
„MaXXXine“ von Ti West
1918 im texanischen Hinterland: Die junge Pearl wird in ihren Glamour-Träumen ausgebremst und sieht rot, was sie und ihren Verlobten für immer dorthin verbannt, von wo sie sich so sehnlichst wegträumte: die elterliche Farm. 1979: Pearl leidet noch immer mit jedem Tag mehr am Verlust ihrer äußerlichen Attraktivität und fordert von ihrem Mann verzweifelt erotische Begehrlichkeiten. Junge Besucher:innen befeuern den Frust, das Rentnerpaar begegnet seinem Besuch mit rüstiger Gewalt. So auch einer jungen Porno-Filmcrew, die die Farm für einen Dreh aufsucht. Maxine, eine der Darstellerinnen, überlebt den Besuch. Am Ende setzt sie sich ins Auto und lässt Pearls ewigen Traum endgültig, aua: platzen. Maxine zieht weiter gen Westküste, den kompromisslosen Leitspruch auf den Lippen, den ihr ultrakonservativer Vater ihr einst mit auf den Weg gegeben hatte: „I will not accept a life I do not deserve.“ Maxines Maxime.
Regisseur Ti West stellt seinem dritten Teil ergänzend ein Zitat von Bette Davis voran: „In this business until you‘re known as a monster you’re not a star.“ Erwächst Maxine in „MaXXXine“ also endgültig zum Monster? Nun, zuerst einmal dreht sie 1985 noch immer Pornos und scheint damit zugleich zu sehr gebrandmarkt für die erhoffte Filmkarriere. Dann aber ergattert sie eine Hauptrolle in einem Horrorfilm. Es geht bergauf! Zugleich zieht ein Serienkiller durch L.A. Und wie es scheint, hat es der satanische Schlächter auf Frauen abgesehen, die sich in seinen Augen versündigen. Maxine steht dabei ganz oben auf seiner Liste. Der Killer setzt einen Privatdetektiv (wundervoll ramponiert: Kevin Bacon) auf sie an und rückt ihr zu Leibe.
Ti West ist seit 2005 mit mäßigen bis soliden Genrestreifen („Cabin Fever 2“, „The Innkeepers“, „In A Valley Of Violence“) konstant auf kleinen Leinwänden präsent. Dann plant West Größeres: „X“. Der Auftakt zu einer Trilogie, in dem die britische Newcomerin Mia Goth die Täterin Pearl und das Opfer Maxine in ein und demselben Film verkörpert. Pearl ist Maxine ist Pearl. Goth ist Maxine ist Pearl.
„X“ bleibt der beste Teil der Trilogie. Weil West darin gekonnt Slasher-Standards auffährt, Terror und Augenzwinkern im Gleichgewicht hält, interessante Seelen etabliert und gelungen den Spannungsbogen spannt. „Pearl“ gibt sich in der Folge psychologischer, scheitert aber eben daran, weil Tiefgang nicht wirklich Wests Ding ist. Schuster, bleib bei deinen Leisten.
Beide Filme punkten gewaltig mit Atmosphäre und farbsattem Zeitkolorit. Das gilt jetzt auch für „MaXXXine“, der sich süffisant im 80er Jahre-Saft und im Sündenpfuhl Hollywood suhlt. Und so gern man sich das alles anschaut, so sehr verheddert sich West narrativ: Zum einen ballert er seinen Streifen zu mit Zitat und Querverweis. Das macht oft Spaß, führt aber auch mal ins Leere. Hitchcocks „Psycho“ huldigte er bereits dezent in „X“, hier nun steht Maxine vor Bates Motel und Elternhaus, kehrt gar dorthin zurück und – nichts. Das Zitat bleibt Selbstzweck und damit zwecklos. West will viel zeigen, tendiert dabei aber dazu, Dinge nicht auszuerzählen.
Größtes Manko aber ist Maxine selbst: Die gesamte Trilogie ist auf die Figur ausgerichtet, der aktuelle Titel verspricht die XXX-Variante. Doch die Figur bleibt blass und fremd. Am Ende ist Maxine bloß eine koksende, traumatisierte, narzisstisch-kompromisslose Aufsteigerin. Und dabei vor allem: nicht Monster genug. Maxine geht nicht einmal wirklich über Leichen: Sie räumt „bloß“ Menschen, die sie aus dem Weg räumen wollen, aus dem Weg – oder lässt sie aus dem Weg räumen. Maxine XXS.
Unterm Strich hinterlässt Ti West ein hübsches Tripple-Feature, zu dem man sich ein Quantum mehr Charaktertiefe und narrativen Feinschliff gewünscht hätte. Das ist für das Genre, in dem er sich bewegt, kein Muss. Aber es hätte nicht viel gefehlt, und das macht die Sache schade.
(Hartmut Ernst)

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