
The Way Back - Der lange Weg
USA 2010, Laufzeit: 132 Min., FSK 12
Regie: Peter Weir
Darsteller: Ed Harris, Colin Farrell, Jim Sturgess, Saoirse Ronan, Alexandru Potocean, Gustaf Skarsgård, Mark Strong
>> www.thewayback-derfilm.de
Episches Abenteuer einer Flucht
Kein Picknick
„The Way Back – Der lange Weg“ von Peter Weir
Ein sowjetischer Gulag im Jahr 1940: Gefangene aus unterschiedlichen Nationen wurden zu jahrelanger Haft und unmenschlicher Zwangsarbeit verurteilt. Unter ihnen der Pole Janusz (Jim Sturgess, „Across the Universe“), der Amerikaner Mr. Smith (Ed Harris) und der gewissenlose Mörder Valka (Colin Farrell). Die Wärter rauben ihnen jegliche Illusionen, auch über den Lagerzaun hinaus: „Euer Gefängnis ist Sibirien.“ Trotzdem wagen die drei Männer mit weiteren Gefangenen den Ausbruch und versuchen, die sowjetische Grenze zu überwinden. Vor ihnen liegt ein monatelanger, entbehrungsreicher Marsch durch die Wildnis, der sie Hunger, Durst und den Launen der Natur aussetzt. Unterwegs schließt sich den Männern die junge Polin Irena (Saoirse Ronan, „Wer ist Hanna?“) an.
Wenn sich mit Peter Weir der Regisseur von „Picknick am Valentinstag“ (1975) an einen Film setzt, der seine Protagonisten auf tausende von Kilometern durch lebensfeindliches Terrain begleitet, dann könnte man einen soghaften, psychedelischen Höllentrip erwarten, in dem der Fokus auf das Verhältnis von Mensch und Natur gelegt wird. Aber es ist nicht mehr 1975, und Weir erzählt die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte visuell zurückgenommen. Und anders als kürzlich Danny Boyle mit seinen „127 Hours“ nimmt die Leinwand nicht den subjektiven Blick des Helden in der Not ein. Abgesehen von Hauptfigur Janusz, der wiederholt vom trauten Heim halluziniert, bietet „Der lange Weg“ keine psychedelische, existenzielle Erfahrung, sondern klassisches Abenteuerkino mit psychologischer Note. Peter Weir geht es nämlich um das Zwischenmenschliche: Wie unterscheiden sich die Regeln im Lager von denen einer Solidargemeinschaft auf der Flucht? Im Mittelpunkt steht dabei die Güte: Im Lager größter Fehler, im Kampf ums Überleben höchstes Gut. Die Charaktere sind entsprechend unterschiedlich ausgelegt und bieten Anlass zu konfliktreichen Diskussionen und Situationen: Janusz setzt auf Solidarität, doch es gibt auch den Mann ohne Illusionen, den Künstler, den Killer, den Komiker. Läuterung, Reue, Tränen und Wodka am Lagerfeuer – Weir will den Menschen zeigen.
Und die Natur? Sie ist schroff. Sie ist gemein. Sie ist mal Versteck, mal ist sie Tod. Allerdings spielt sie hier keine zusätzliche Hauptrolle. Weir beschränkt sich auf ein paar grobkörnige Totalen, ansonsten bleibt die Kamera nah bei den Protagonisten. Fokus sind nicht Mensch und Natur, sondern Mensch und Mensch. Positiv hervorzuheben ist: Hier wird nichts romantisiert. Die Farben sind blass, im mittleren Teil hält sich die Filmmusik auch mal komplett zurück. Kein falscher Kitsch, kein falsches Pathos. Was allerdings für einen gelungenen Spannungsbogen fehlt, sind Bezüge: Während bereits der Vorspann zu viel verrät, nämlich wie viele der Protagonisten überleben werden, gibt es während des langen Marsches keine Angaben zu Zeitspanne und absolvierter Wegstrecke. Zurück bleibt ein gut gespieltes, bewusst zurückgenommen inszeniertes Fluchtabenteuer.
(Hartmut Ernst)

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