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Nouvelle Vague

Es war einmal in Paris

10. März 2026

Die Filmstarts der Woche

Ende der 1950er Jahre fangen Filmjournalisten der 1951 gegründeten Cahiers du Cinéma damit an, selbst Filme zu drehen. Die Filmkritik der Cahiers richtet sich gegen traditionelle, konforme Studioproduktionen – fortan begreifen sie sich selbst als die Genies hinter der Kamera. Der Erfolg gibt ihnen schnell Recht: Claude Chabrol erregt mit seinem zweiten Spielfilm „Schrei, wenn du kannst“ Aufsehen, François Truffaut liefert mit „Sie küssten und sie schlugen ihn“ sein gefeiertes Langfilmdebüt. Beflügelt geben beide Regisseure ihrem schweizerischen Kollegen Jean-Luc Godard in der Folge Rückendeckung für sein erstes Spielfilmprojekt: „Außer Atem“. Um den Produzenten Georges de Beauregard zu besänftigen, reicht Truffaut formal ein Script ein, Chabrol fungiert offiziell als künstlerischer Begleiter. Tatsächlich macht Godard hier weitestgehend autark sein Ding und entschuldigt sich dafür bei Beauregard schon Mal briefschriftlich im Voraus. Richard Linklater skizziert in seinem Spielfilm „Nouvelle Vague“ 20 Drehtage, die nach einer nicht weniger aufreibenden Zeit im Schneideraum Filmgeschichte schreiben sollten. Dabei serviert Linklater jede Menge Aufbruchsstimmung. Atemlos bewegt sich Kameramann David Chambille durchs Paris 1959, durch das Büro der Cahiers du Cinéma, durch Empfänge und Premieren. Es hagelt Zitate, wir begegnen Rivette, Rohmer und Varda – Namen, Namen, Namen. Atemlos. Der unbekannte Schauspieler Jean Paul Belmondo (Aubry Dullin) wird aus dem Boxtraining heraus engagiert. Sein Agent rät ab, Belmondo entgegnet, ein kommerzieller Film würde ihn langweilen. Gute Entscheidung: „Außer Atem“ wird sein Durchbruch. Jean Seberg ist der einzige Star am Set, so wie Zoey Deutch („Juror #2“), die hier Seberg spielt, der einzige Star am Set Linklaters ist. Linklater verzichtet bewusst auf Prominenz. Nichts soll ablenken. Und tatsächlich: Nichts lenkt ab von der Unmittelbarkeit, die Linklater hier aufbaut: Godard (Guillaume Marbeck) inszeniert sein Debüt ohne Netz und doppelten Boden. Mit losem Script, kein Kunstlicht, kein Ton, keine Klappe, kein Anschluss. Mit Schalk und Improvisation, mit Intellekt und Erfindungsreichtum. Philosophisch, psychologisch, lyrisch, anarchisch. Und wenn ihm die Ideen ausgehen, ist halt Drehschluss. Godard scheint der einzige zu sein der weiß und versteht, was er da tut. Seberg ist entnervt, Produzent Beauregard (Bruno Dreyfürst) sieht rot. Am Ende: ein Film, der Konventionen sprengt, die Leinwand belebt und bis heute frisch wirkt. „Außer Atem“ ist purer Esprit. „Nouvelle Vague“ ist nicht bloß Rückbesinnung, nicht nur ein Film über ein konkretes Projekt in einer konkreten Zeit. Das Drama ist ein Film grundsätzlicher Natur über das Filmemachen. Über ein Debüt, das mit einzigartiger Ambition einhergeht. Und damit ist „Nouvelle Vague“ zugleich Appell zu mehr Mut, aus Konventionen auszubrechen und Risiken einzugehen. Mut, der damit belohnt wird, Filmgeschichte zu schreiben.

Außerdem neu in den Kinos in und um Wuppertal: das historische Drama „The Testament of Ann Lee“ von Mona Fastvold, die Sci-Fi-Achterbahnfahrt „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ von Gore Verbinski, die Bestsellerverfilmung „Für immer ein Teil von dir – Reminders of Him“ von Vanessa Caswill und die feinfühlige Zeitreise „Das geheime Stockwerk“ von Norbert Lechner.

Redaktion engels-kultur.de

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