Die moderne Dreifach-Sporthalle mit integrierter Kletterwand wäre eine echte Bereicherung auf vielen tristen Schulgeländen: In der neuen Justizvollzugsanstalt für junge Straf- und Untersuchungsgefangene in Wuppertal-Ronsdorf werden den Insassen im Alter von 14 bis 24 Jahren dank einer beneidenswerten Infrastruktur vom großzügigen Kunstrasenplatz bis zur 100-Meter-Tartanlaufbahn durchaus professionelle Alternativen gegen Bewegungsarmut ermöglicht. Insgesamt 87 Sportgruppen versuchen sich pro Woche bereitwillig an Doppelpässen beim Fußball und Hallenhockey, Schmetterschlägen beim Volleyball und Tischtennis oder schwitzen in einem der beiden Fitnessräume beim Spinning oder auf dem Stepper - von den vier Kleinsportfeldern mit Basketballkörben oder chilliger Beach-Atmosphäre ganz zu schweigen. „Die Aufgabe des Sports aus unserer Sicht ist es, gerade bei den jungen Häftlingen ein passives Freizeitverhalten zu verhindern und ihnen bei Teamdisziplinen soziale Regeln und Verhaltensmuster zu vermitteln“, betont Uwe Stärk (54), zuständiger Sportkoordinator in der auf einstigem Bundeswehrareal entstandenen JVA. Gemeinsam mit seinem siebenköpfigen Team – allesamt ausgebildete Sportübungsleiter – bastelt der Dortmunder derzeit intensiv an der notwendigen Konzeption, um den gesetzlich formulierten Anspruch auf drei wöchentliche Sportstunden für jeden Jugendlichen in die Praxis umzusetzen. Wichtig ist es den Mitarbeitern der JVA auch, dass die jungen Häftlinge durch körperliche Betätigung ihre Aggressionen abbauen können.
Höhepunkt war das Freundschaftsspiel einer Anstaltsauswahl gegen die Junioren des Wuppertaler SV
„Je fünf Kollegen sind in drei Schichten täglich eingeteilt, um das Thema Sport richtig mit Leben zu füllen – natürlich auch an Wochenenden und Feiertagen. Eine echte Herausforderung für alle Beteiligten, die wir mit großer Motivation angehen“, sagt Stärk, der auf einen Erfahrungsschatz aus über 30jähriger Tätigkeit im Strafvollzug zurückblickt. Wie abwechslungsreich sich hinter hohen Mauern ausgetobt werden kann, wurde vor kurzem bei der offiziellen Eröffnung der JVA-Sportbereiche ersichtlich. Sportlicher Höhepunkt war dabei das Fußball-Freundschaftsspiel einer Anstaltsauswahl gegen die A-Junioren des Wuppertaler SV. Künftig soll der vielseitige JVA-Sport nicht ausnahmslos eine „geschlossene Veranstaltung“ bleiben, daher sind in engem Kontakt mit dem Stadtsportbund Wuppertal beispielsweise Teilnahmen an Events in der Umgebung geplant. „Außerdem streben wir die Ausrichtung eigener Turniere an, um uns als JVA auch in der Öffentlichkeit regelmäßig zu präsentieren“, sagt Freizeit-Volleyballer Stärk. So scheint sogar die Aufnahme in das viel beachtete Sozialprojekt „Sepp-Herberger-Stiftung“ unter dem Motto „Anstoß für ein neues Leben“ mit Ex-Nationaltorhüter Oliver Kahn als Botschafter nach erfreulichen Vorgesprächen nur noch Formsache.
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