Die Wupper. 115 Kilometer lange Lebensader der Stadt. Lange Zeit sah es nicht so aus, mancherorts bis heute nicht. Der Fluss wurde oft dazu genutzt, Abwasser und anderen Dreck möglichst einfach loszuwerden. Speziell die industrielle Revolution im 19. Jahrhundert hatte zur Folge, dass er zum Entsorgungskanal wurde. Bis 1830 schwammen dort Lachse, danach nicht mehr. In den 70er Jahren war die Wupper nahezu fischfrei, sagt der Wupperverband. Der betreibt auf 2300 Kilometer Gewässern 14 Talsperren, elf Klärwerke, eine Schlammverbrennung und andere Anlagen – und ist für Qualität und Sauberkeit des Wassers zuständig. Laut eigener Aussage stehen für den 1930 gegründeten Verband „als öffentlich-rechtliches Unternehmen nicht Gewinnorientierung, sondern der Schutz und die nachhaltige Bewirtschaftung der Ressource Wasser im Mittelpunkt“.
Momentan feiert der Wupperverband einen Aufschwung, was das Wasser angeht. Waren mehr als die Hälfte des Flusslaufs 1973 noch übermäßig (Kategorie V) bis stark verschmutzt (Kategorie III), so meldete der Verband 2004, dass nur noch ein kleiner Teilbereich stark verschmutzt sei und weite Teile mäßig (Kategorie II) bis kritisch belastet (Kategorie II-III). „Dazu haben nicht nur die Investitionen in die Klärwerke, sondern unter anderem auch die Maßnahmen der Industrie zur Vorbehandlung ihrer Produktionsabwässer sowie der Kommunen in den Ausbau der Kanalnetze und die Mischwasserbehandlungsanlagen beigetragen“, schließt der Verband. Heute werden 32 Fischarten gezählt, darunter Barben, Döbel, Elritzen oder Bachschmerlen.
Problematisch wird es, wenn es um Spurenstoffe geht. Das seien„Rückstände zum Beispiel von Arzneimitteln, Pflanzenschutzmitteln, Industriechemikalien“. Die Stoffe festzustellen, sei erst in jüngster Vergangenheit möglich geworden, berichtet Wupperverband-Sprecherin Ilona Weyer. Erforscht sei ihre Wirkung noch nicht – eventuell sind manche Stoffe gefährlich, wenn sie sich im Gewebe festsetzen oder toxisch wirken. Auch ist offen, wie die Partikel entfernt werden könnten. Wichtig sei in jedem Fall die Aufklärungsarbeit. „Beispielsweise wenn Reste von Arzneimitteln ins WC geschüttet werden, sollte man sich bewusst sein, dass diese Stoffe von normalen Kläranlagen heute nicht in befriedigendem Maße herausgeholt werden können“, so Weyer. Auf flussgebiete.nrw.de ist ein 176-seitiger Bericht des Umweltministeriums NRW zu Stoffen in der Wupper hinterlegt.
Müll, der von außen in den Fluss geschmissen wird, ist ebenfalls noch ein Problem. Um vor Flut gesichert zu sein, muss der Wasserverband Rohre, enge Durchlässe und Brücken von Abfall freihalten. Weyer berichtet, dass teilweise sogar Einkaufswagen gefunden würden. Den Müll am Ufer muss der Verband nicht wegschaffen, dafür sind die Eigentümer der Grundstücke verantwortlich. Der einmal im Jahr stattfindende Wupperputz, zuletzt Anfang März, kann da nur ein Mosaikstein sein.
Lesen Sie weitere Artikel
zum Thema auch unter: trailer-ruhr.de/thema und choices.de/thema
Aktiv im Thema
www.theoceancleanup.com | Webseite der Initiative von Boyan Slat
greenpeace.de/meeresschutz | Kampagne „Meere brauchen Schutzgebiete“
www.flussgebiete.nrw.de | Informationsseite des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
Thema im Mai: ANGSTHASE – Wovor haben wir Angst? Armut, Zukunft oder einfach nur vor Spinnen? Kluge Angst und irrationale Instinkte.
Ängsten begegnen und sie mit Aufklärung überwinden.
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

Verschmutzung für die Ewigkeit
„The Ocean Cleanup“ und „Fishing for Litter“ wollen das Meer vom Müll befreien – THEMA 04/16 WASSERSCHADEN
„Unsere Meere verkommen zum Endlager für Plastikmüll“
Meeresbiologin Sandra Schöttner über verschmutzte Ozeane – Thema 04/16 Wasserschaden
Vom Wasser lernen
„Nueva Cultura del Agua“ kämpft in Spanien für nachhaltige Wasserwirtschaft – Thema 04/16 Wasserschaden
Perfektes Versagen
Intro – Systemstörung
Die Hoffnung schwindet
Teil 1: Leitartikel – Die Politik bekämpft nicht den Klimawandel, sondern Klimaschützer:innen
„Weit von einer erheblichen Gefahr für die öffentliche Sicherheit entfernt“
Teil 1: Interview – Die Rechtswissenschaftlerin Lisa Kadel über die Kriminalisierung von Klimaaktivist:innen
Klimaprotest im Wandel
Teil 1: Lokale Initiativen – Extinction Rebellion in Wuppertal
Drehtür in den Klimakollaps
Teil 2: Leitartikel – Hinter mächtigen Industrieinteressen wird die Klimakrise zum Hintergrundrauschen
„Kernziel der Klimaleugner: weltweite Zusammenarbeit zerstören“
Teil 2: Interview – Politologe Dieter Plehwe über die Anti-Klimaschutz-Bewegung
Dem Klima verpflichtet
Teil 2: Lokale Initiativen – Die Initative Klimawende Köln
Welt statt Wahl
Teil 3: Leitartikel – Klimaschutz geht vom Volke aus
„Nicht versuchen, die Industrie des 19. Jahrhunderts zu retten“
Teil 3: Interview – Meteorologe Karsten Schwanke über Klimaschutz und wirtschaftliche Chancen
Klimaschutz braucht (dein) Engagement
Teil 3: Lokale Initiativen – Die Bochumer Initiative BoKlima
Klimaschutz als Bürgerrecht
Norwegen stärkt Engagement für Klimaschutz – Europa-Vorbild: Norwegen
Durch uns die Sintflut
Der nächste Weltuntergang wird kein Mythos sein – Glosse
Vorwärts 2026
Intro – Kopf oder Bauch?
Noch einmal schlafen
Teil 1: Leitartikel – Ab wann ist man Entscheider:in?
„Zwischen Perfektionismus und Ungewissheit“
Teil 1: Interview – Psychiater Volker Busch über den Umgang mit schwierigen Entscheidungen
Weil es oft anders kommt
Teil 1: Lokale Initiativen – Gut aufgestellt in Wuppertal: Pro Familia berät zu Schwangerschaft, Identität und Lebensplanung
Worüber sich (nicht) streiten lässt
Teil 2: Leitartikel – Wissenschaft in Zeiten alternativer Fakten
„Dass wir schon so viel wissen, ist das eigentliche Wunder“
Teil 2: Interview – Neurowissenschaftlerin Maria Waltmann über Erforschung und Therapie des Gehirns
Über Grenzen hinweg entscheiden
Teil 2: Lokale Initiativen – Das Experimentallabor Decision Lab Cologne
Mieter aller Länder, vereinigt euch!
Teil 3: Leitartikel – Der Kampf für bezahlbares Wohnen eint unterschiedlichste Milieus
„Glaubwürdigkeit ist ein entscheidender Faktor“
Teil 3: Interview – Sprachwissenschaftler Thomas Niehr über Sprache in Politik und Populismus
Im Krieg der Memes
Teil 3: Lokale Initiativen – Saegge klärt in Bochum über Populismus auf