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Efrem von Death by Stereo liest die Ramones
Foto: Presse

Von Ramoetry bis Bukowski-Rap

31. März 2016

Mit den Ramones nach Bochum oder auf einen Whiskey nach Wuppertal – Popkultur in NRW 04/16

Die befürchteten Kürzungen beim von seinen Fans heiß geliebten WDR-Spartensender Funkhaus Europa sind beschlossene Sache. Online stellt der Sender das „Update“ vor – unter dem zynischen Titel „Funkhaus Europa loves the Radio-DJ“. Ob das auch für jene DJs der 17 Sendungen gilt, die auf absehbare Zeit aus dem Programm verschwinden sollen? Die über 26.000 Unterzeichner der Petition gegen das „Update“ sehen das vermutlich anders. Recht frech: In seiner Erklärung verwies der WDR auf einen Blog, der das Funkhaus als „Quelle der Inspiration“ feierte – dies tat jener Blog allerdings mahnend, unter dem Titel „Funkhaus Europa droht der musikalische Untergang“. Nun ja, man kann’s ja mal versuchen. Der vom Sender veranstaltete Tanz in den Mai mit den Funkhaus Lokalmatadoren geht dieses Jahr immerhin in die zweite Runde: Am 30. April gehört die Bühne des Ringlokschuppens Mülheim regionalen Koryphäen des Global Pop, zum Beispiel der Kölner Soul- und Reggae-Sängerin Treesha oder dem Psychedelic-Anatolen Elektro Hafiz.

Und, um das Thema bis auf Weiteres abzuschließen: Wer musikalische Vielfalt will, ist ja nicht zwangsläufig auf die Öffentlich-Rechtlichen angewiesen. Das Bochumer Punkrockers-Radio zum Beispiel fickt laut Slogan tagtäglich die Nation. Bald erblickt nun ein rotzfreches Wunderkind dieses lautstarken musikalischen Dauerkoitus das Licht der Welt, nämlich die Ausstellung Ramoetry: Seit 2013 hat Radiomacher Stefan Matthäus die Songtexte der Ramones von Punk-Musikern aller Herren Länder einlesen lassen – insgesamt 40 Mitschnitte bilden eine Ausstellung zum Anhören, die ab 29. April im Bochumer Neuland zu hören sein wird. Die Originalbesetzung der legendären Band pogt zwar längst im Land wo Bier und Honig fließen, aber zumindest wird die Stimme des späteren Bassisten CJ Ramone zu hören sein, der neben Olga von den Toy Dolls, Efrem von Death by Stereo und vielen anderen Songtexte eingelesen hat. Ein spannendes und sympathisch urwüchsiges Projekt, das hoffentlich nicht unterm Radar bleiben wird.

Letzteres tut – seit Jahren absolut zu Unrecht – der Wuppertaler Rapper Prezident, der am 8. April sein Album „Limbus“ veröffentlicht. Wer das Schaffen des Hip-Hop-Literaten verfolgt hat, wird wissen, dass es mit großer Sicherheit das textlich spannendste Release des Monats sein wird. Mindestens. Der Mann von der Wupper klingt in etwa so, als hätte Bukowski in einem nüchternen Moment Foucault gelesen, wäre dann an der Bar eingeschlafen und Jahre später aufgewacht – in einer Welt, in der sich Künstler nicht stilecht von Whiskey abhängig machen, sondern von Klickzahlen und Likes. Trotz anspruchsvoller, mit Literaturzitaten gespickter Texte klingt das Ganze aber niemals verkopft oder akademisch, eher wie der kauzige, doch weise Stammgast in der hinterletzten Kneipe des Tals. Am 9. April kann man sich das schnapsschwangere Spektakel im Wuppertaler Klub auch live anschauen. Prost Talfahrt.

Funkhaus Europa Lokalmatadore | Sa 30.4. 19 Uhr | Ringlokschuppen Ruhr | www.ringlokschuppen.ruhr

Ramoetry | 29.4.-13.5. | Neuland Bochum | www.ramoetry.net

Prezident | Mo 4.4. 21 Uhr | Klub Wuppertal | www.klubwuppertal.de

Dominik Lenze

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