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Ausstellungsmacherin Birgit Mair und Osman Taşköprü, der Bruder des Mordopfers Süleyman Taşköprü.
Foto: Stephanie Spichala

Warten auf ein Wort des Bedauerns

20. April 2018

Wanderausstellung „Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen“ in der Bergischen VHS – spezial 04/18

Nach fünf Jahren NSU-Prozess soll es im Sommer soweit sein: In München steht am noch unbekannten Tag X die Urteilsverkündung gegen Beate Zschäpe an, die als Haupttäterin neben den beiden Verstorbenen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in den Fokus der Anschlagsreihe des Nationalsozialistischen Untergrunds gestellt wird. Der Prozess nehme insgesamt fünf Täter näher ins Visier, für überlebende Opfer und Hinterbliebene sei dies nicht genug, machte Osman Taşköprü aus Hamburg, der Bruder des Mordopfers Süleyman Taşköprü, am vergangenen Dienstag in der Bergischen Volkshochschule (VHS) bei der Eröffnungsveranstaltung zur Wanderausstellung „Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen“ deutlich.

Bundeskanzlerin Angela Merkel habe 2012 eine vollständige Aufklärung versprochen, ihr Versprechen aber nicht eingelöst. Taşköprü beklagte auch, dass zu Beginn der Untersuchungen die Angehörigen als Tatverdächtige im Fokus standen sowie die Täter im Umfeld migrantischer organisierter Kriminalität gesucht wurden, obwohl es zu diesem Zeitpunkt bereits konkrete Hinweise auf ein anderes Täterumfeld gegeben habe. Die Verwicklung eines ganzen Netzwerkes an V-Leuten (Beauftragte des Verfassungsschutzes) in die von 1999 bis 2011 begangenen NSU-Verbrechen verbleibe im Dunkeln. Über das Auffliegen des NSU im November 2011 und das Schreddern von NSU-Akten sei zwar ausführlich berichtet worden, doch konzentriere sich die Berichterstattung hauptsächlich auf das genannte Trio der Angeklagten und interessiere sich wenig für die Hinterbliebenen. Bis heute habe sich niemand von der Polizei, den Untersuchungsausschüssen oder von politischer Seite bei ihm und seiner Familie für die falschen Verdächtigungen entschuldigt.

Rund 50 Besucher lauschten den bewegenden Schilderungen von Taşköprü, dem es sichtlich schwer fiel, über den Todestag seines Bruders und die darauf folgenden Ermittlungen zu sprechen. Oberbürgermeister Andreas Mucke ist Schirmherr der von „Demokratie leben!“ geförderten Wanderausstellung. Mucke betonte, dass die Offenlegung und Aufklärung rechtsextremer Taten stärker in den Fokus gerückt werden müsse, allein 188 Taten im letzten Jahr in Wuppertal mit rechtsextremer Motivation seien 188 zu viel.

Die Ausstellungsmacherin Birgit Mair richtet auf 24 Tafeln das Augenmerk auf die vermissten Aspekte  rund um den NSU-Komplex: Zum einen beleuchten die Tafeln mit Fotos und Texten die Biografien von zehn Mordopfern und ihren Familien und geben damit Opfern wie Enver Şimşek, Mehmet Turgut und Süleyman Taşköprü ein Gesicht und eine Geschichte. Zum anderen dokumentieren die Tafeln die Hintergründe und Systematik des NSU-Terrors. So wird neben dem Netzwerk an V-Leuten auch die Raubserie dargestellt, mit der die Verbrechen finanziert worden sein sollen, sowie der Verlauf der Ermittlungsarbeit, die einen möglichen rechtsextremen Hintergrund anfangs nicht in Betracht zog. Verbindungen des NSU-Komplexes zu verschiedenen rechtsextremen Gruppierungen wie „Blood and Honor“ werden aufgezeigt.

Begleitend zur Wanderausstellung finden weitere Veranstaltungen statt, darunter Filmvorführungen, die Fahrt zum Kölner Tatort in der Keupstraße und zur Urteilsverkündung in München. Ob Tag X wirklich im Sommer sein wird, bezweifelte Osman Taşköprü: Der Prozess sei schon mehrfach aus Befangenheitsgründen verschleppt worden.

Doch wie auch immer die Urteilsverkündung ausfällt, er werde nicht aufgeben, sondern mit seinen Anwälten darauf beharren, dass die Ermittlungen nicht mit den derzeit Angeklagten und ihrem Urteil abgeschlossen werden, betonte Taşköprü. Ohne eine vollständige Untersuchung und Aufklärung zum weiteren NSU-Umfeld gebe er sich nicht zufrieden. Bei der Fragerunde nach den einführenden Informationen machte Taşköprü  deutlich, dass er keine Angst habe, sondern vor allem wütend sei. Was er nach all dem über den deutschen Staat und den Verfassungsschutz denke – dazu wollte er sich lieber nicht äußern.

Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen | bis 29.4 | VHS Wuppertal | im Anschluss an weiteren Orten in Wuppertal | www.opfer-des-nsu.de

Stephanie Spichala

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