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Ausstellungsansicht Kunstsammlung NRW mit Bildern von Piet Mondrian, © Mondrian / Holtzman Trust; Kunstsammlung NRW
Foto: Achim Kukulies

Das geheimnisvolle Weiß

28. Mai 2014

Dreamteam der Avantgarde in Düsseldorf – Kunst in NRW 06/14

Trotz der furchtbaren zeitgeschichtlichen Ereignisse und all der sozialen Schieflagen: Die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts brachten eine grandiose kulturelle Vielfalt hervor. Die Ismen folgten dicht aufeinander und in der Kunst wurde die Tür zum Abstrakten aufgestoßen. Das demonstriert jetzt eine vorzügliche Ausstellung in der Kunstsammlung NRW am Düsseldorfer Grabbeplatz. Sie zeigt abstrakte Hauptwerke von Wassily Kandinsky, Kasimir Malewitsch und Piet Mondrian, die vor allem eins gemeinsam haben: die ausgiebige Verwendung von Weiß. Weiß – die Nichtfarbe, die es ja eigentlich nicht in der Natur gibt – gewinnt im frühen 20. Jahrhundert große Bedeutung. Als Malerei in verschiedenen Tönen aufgetragen, ist sie nun weit mehr als Bildfläche, sie ist nicht schweigend und still, sondern aussagekräftig und präsent. Sie signalisiert Entgrenzung, Aufbruch und Utopie und trägt etwas vom Pioniergeist der Naturwissenschaften, die etwa mit der Relativitätstheorie aufwarten. Weiß definiert Fläche und Raum neu und besitzt eine mystische Tiefe – all das gilt für die ausgestellten Bilder.

Die Ausstellung beginnt mit Kandinskys „Komposition IV“ (1911): einer Ikone der abstrakten Malerei, bei der das Gegenständliche noch spürbar ist und sich das Weiß selbst im Hintergrund hält. Aber es sind auch freiere Bilder zu sehen, die das Weiß metaphysisch aufladen und das Geschehen weiter zum Schweben bringen. Gegen das Lyrische und Weiche bei Kandinsky wirken die Bilder von Mondrian und Malewitsch hart, von der Geometrie bestimmt. Aber vielleicht lassen die Werke des Niederländers Mondrians ahnen, dass er zunächst Landschaften und das Geäst von Bäumen gemalt hat. Ausgestellt sind die berühmten konstruktiven Darstellungen, bei denen im Wechselspiel von weißer Fläche und schwarzem Raster einzelne Felder mit Primärfarben gespannt sind. Dabei ist jedes Bild anders; im übrigen ist es ein Erlebnis, diese grandiosen Bilder, die Kunstgeschichte geschrieben haben, aus der unmittelbaren Nähe zu sehen und zu erkennen, wie malerisch die Linien und Flächen angelegt sind.

Dies betrifft auch die Gemälde von Kasimir Malewitsch. Ausgestellt sind Werke aus seiner berühmten Suprematistischen Phase im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts, bei der er die Bilder radikal verknappte und nur noch geometrische Formen setzte, die vor dem weißen Grund zu schweben scheinen. Dies verdichtet sich zum schwarzen Quadrat im weißen Grund: Auch davon ist ein Beispiel ausgestellt. Weiß ist höchste Vollendung des Gegenstandslosen, gesteigert noch im Komplementären durch Schwarz und bisweilen Rot.

Das Werk von Malewitsch rundet sich übrigens in Bonn in der Bundeskunsthalle, wo eine Werkschau zum russischen Künstler zu sehen ist. Hier wird deutlich, wie stark Kasimir Malewitsch von Anfang an auf die avantgardistischen Strömungen des Westens reagiert und schon bald auch mit den Möglichkeiten des Futurismus und des Kubismus gearbeitet hat. Selbst in weiten Teilen des Spätwerks, in dem er wieder auf die klassischen Motive und Darstellungsweisen seiner Heimat zurückkommt, sind subtil die neuen Erkenntnisse integriert. Die Weltkünstler erfinden die Traditionen neu.

„Der weiße Abgrund Unendlichkeit“ | bis 6.7. | Kunstsammlung NRW, K20 Grabbeplatz, Düsseldorf | 0211 838 12 04

THOMAS HIRSCH

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