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Pablo Picasso, Drei Schafschädel, 1939, Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia, © Succession Picasso/VG Bild-Kunst, Bonn, 2019
Photographic Archives Museo Nacional Centro de Arte

Sieben Jahre

08. Juli 2020

Picasso in der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf – Kunst in NRW 07/20

Als 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach, befand sich Pablo Picasso in einer relativ sicheren Situation. Seine Bekanntheit schützte ihn. Aber im Herbst 1939 zog die deutsche Wehrmacht durch Royan, wo er sich niedergelassen hatte; nach dem Waffenstillstand im Juni 1940 übersiedelte er nach Paris, wo sich die intellektuelle Szene informiert hielt. Dass er alles andere als weltfremd war, bestätigt die Korrespondenz mit den Freunden, die auf der Flucht waren. 1937 hatte er das Monumentalgemälde „Guernica“ gemalt, in Reaktion auf die Bombardierung im Spanischen Bürgerkrieg. Von nun an wählte er die Sprache der Verschlüsselung, blieb aber dem Drastischen verpflichtet: Das zeigt derzeit eine Ausstellung in der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf, die vom Musée de Grenoble konzipiert wurde.

Erst allmählich wird deutlich, was in den Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen passiert. Picasso malt Porträts, Frauen – im Besonderen mit Dora Maar als Modell – und Stillleben. Längst hatte er seinen Triumphzug durch die Ismen der Avantgarde vollendet; seine Malerei verband nun Expressionismus und Kubismus mit dem Surrealismus. Fläche und Raum sind in Kippbewegungen begriffen, vorgetragen mit graphischer Sicherheit und Schärfe. Picasso schält die Formen aus der Farbmasse heraus. Gewiss liegt es an den langwierigen Vorbereitungen, aber auch an Picassos Sensibilität für die Zeit, dass in den Kriegsjahren so wenige Bilder entstanden und nun folglich ausgestellt sind. Aber die Gemälde, die in Düsseldorf ausgestellt sind, sind Meisterwerke. Allenthalben finden sich Vergitterungen, Stierköpfe und Totenschädel. Grimassen nehmen enge fahle Innenräume ein. Die Frauenbildnisse bestehen aus spitzen Winkeln, die Finger sind Messer, die Gliedmaßen sind verzerrt und deformiert, die Luft scheint abgeschnürt. Erschütternd ist das Bild eines nackten Jungen, der auf dem Boden sitzt und eine Languste wie ein Zepter hochhält: Hier bedient sich Picasso all der Symbolik und Psychologie, um die Betroffenheit deutlich werden zu lassen … Die Ausstellung dieser extrem intensiven, niemals schönen Bilder konnte bis August verlängert werden, zum Glück.

Picasso | bis 30.8. | Kunstsammlung Düsseldorf | 0211 838 12 04

Thomas Hirsch

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