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Ort des Gebets und Zentrum der Gemeinde
Foto: Florian Schmitz

Die Moschee und ihre Nachbarn

28. Mai 2015

Die türkisch-islamische DITIB-Gemeinde will an der Gathe neu bauen – THEMA 06/15 MEINE MOSCHEE

Es ist schon eine besondere Konstellation an der Gathe. Hausnummer 31a – hier liegt die Moschee Merkez Camii der Türkisch-Islamischen DITIB -Gemeinde. Dort wird seit 1986 fünfmal täglich gebetet. Koranschüler drängen sich im Gemeindezentrum um Plätze, Senioren treffen sich zum Austausch. Etwa 400 Familien sind dort Mitglied, die Zählweise basiert auf der Anmeldung nach einem einzelnen Elternteil. Auf der anderen Straßenseite liegt in einem alten Backsteinhaus das Autonome Zentrum, Markomannenstraße 3. Ebenfalls schon sehr lang – seit 20 Jahren ist das Zentrum Anlaufstelle und Veranstaltungsort. Das Grundstück ist im Besitz der Stadt Wuppertal. Zuletzt war das AZ in den Schlagzeilen, als einer der Besucher von einem ungebetenen Gast, vermutlich aus der rechten Szene, niedergestochen wurde.

Seit Jahrzehnten sind Muslime und Autonome nun also Nachbarn. Sie haben zuletzt Ende Oktober gemeinsam demonstriert, als die rechtspopulistische Partei Pro NRW gegen den Moschee-Neubau an der Gathe auflief. Jetzt könnte es einen Bruch im Verhältnis geben – könnte man meinen. Schließlich wollen die Muslime umziehen und haben sich dafür mehrere Grundstücke gegenüber ihrer Moschee ausgesucht. Es handelt sich um ein 6000 Quadratmeter großes Areal, auf dem aber nicht nur ein neues Gotteshaus entstehen soll. Es wird einen Gebetsraum geben, ja, aber weite Teile des Gebiets sollen mit Sozialwohnungen für ältere Menschen oder Studenten sowie Geschäftsräumen bebaut werden – siehe unser Interview mit Gemeindevorstand Mustafa Temizer auf der folgenden Seite.

Teile des Geländes sind bereits im Besitz der DITIB -Gemeinde. Unter anderem fehlt noch der Kauf des AZ-Geländes von der Stadt. Ohne neuen Standort für das Autonome Zentrum können die Baupläne für die Moschee allerdings nicht umgesetzt werden, sagt die Stadt. „Beides miteinander geht nicht“, sagte Stadtsprecherin Martina Eckermann in einem Gespräch mit der Westdeutschen Zeitung im vergangenen Jahr. Die Suche nach einer neuen Unterkunft für die Autonome Szene gestaltet sich schwierig. Den Autonomen seien Standorte angeboten, aber von denen abgelehnt worden, heißt es. Unter anderem, weil sie weit entfernt vom alten Zentrum gewesen seien. „Es gibt zwar die offizielle Position der Stadt, dass das Autonome Zentrum möglicherweise ‚nur‘ umziehen soll, doch solche Aussagen sind mit Vorsicht zu genießen. Denn es gibt momentan schlicht kein angemessenes Haus in der Elberfelder Nordstadt, in das das Autonome Zentrum ausweichen könnte“, schreiben die Autonomen auf ihrer Internetseite.

In ihrer Kritik am Neubau der Moschee differenzieren die Autonomen stark. Sie kritisieren zum Beispiel die Türkische Religionsbehörde DITIB oder manche islamische Lebensvorgaben. Zur Spaltung zwischen AZ und Gemeinde soll das nicht führen: „Wir lieben die Nordstadt gerade auf Grund der vielen unterschiedlichen Menschen mit denen wir das Viertel gemeinsam beleben und mit denen wir ein besseres Leben für ALLE erkämpfen wollen. Dinge wie z. B. Herkunft, Religion, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Behinderung etc. sind uns im direkten Zusammenleben in dem Sinne vollkommen egal“, heißt es weiter.

In der türkisch-islamischen Gemeinde sieht man es genauso. „Wir haben ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis und wollen natürlich niemanden vertreiben. Mitglieder unserer Gemeinde sind ebenfalls in die Suche nach einem neuen Gebäude für das AZ eingespannt, damit am Ende alle zufrieden sind“, sagt Mustafa Temizer vom Gemeindevorstand. Alle sollen zufrieden sein – Mustafa Temizer weiß, dass das schwierig bis unmöglich ist. Teile der Bevölkerung stehen dem Bau des Gemeindezentrums kritisch gegenüber. Nachvollziehen kann Temizer das nicht. Transparenz stehe ganz oben auf der Agenda. Jeder könne vorbeikommen und das Gespräch mit der Gemeinde suchen, wenn er offene Fragen habe. In einem Flyer verdeutlicht die Gemeinde das.

„Unsere Idee“, steht darin, solle eine „Symbiose“ sein. Aus Kultur im Begegnungs- und Kommunikationszentrum, aus Bildung in den Schulungs- und Seminarräumen, aus Freizeit in den Grünanlagen und Spielplätzen, natürlich aus Religion in der Moschee, aber auch aus Dienstleistungen im betreuten Wohnen, im Ärztehaus, im Studentenwohnheim, im Einzelhandel und der Gastronomie. Ganz oben stehen bei den im Flyer offengelegten Zielen der Gemeinde: Transparenz. Offenheit. Dialog. Kennenlernen. Integration. Zusammenarbeit. „Dieses Projekt soll kein Alleingang der DITIB sein. […] Was sie bewegt, bewegt auch uns. Gute Nachbarschaft, Dialog und Verständnis können nur durch aktiven Kontakt und unermüdliche Zusammenarbeit gelebt werden“, heißt es weiter – verbunden mit dem Aufruf, Fragen und Anregungen im direkten Gespräch loszuwerden.

Aktivlinks:

www.ditib-wuppertal.de
www.integration-in-wuppertal.de (Forum der Migrantenselbstorganisationen)
www.wuppertal.de/vv/oe/204.php Städtisches Amt für Zuwanderung und Integration

Lesen Sie weitere Artikel zum Thema auch unter trailer-ruhr.de/thema und choices.de/thema

Florian Schmitz

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