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Innen Leben

Draußen tobt der Krieg

19. Juni 2017

Die Filmstarts der Woche

Oum Yazan (Hiam Abbass) hat Haus und Familie fest im Griff. Das resolute Familienoberhaupt dirigiert und kommandiert die Mitbewohner mit strengem Ton. Dass ihr das gelingt, ist umso unglaublicher, da außerhalb der Wohnung das reinste Chaos herrscht. In der gutbürgerlichen Wohnung in Damaskus lebt sie eigentlich mit ihrem Mann und den drei Kindern Yara, Aliya und Yazan sowie ihrem Schwiegervater. Doch vor der Tür tobt der Bürgerkrieg. Und so haben auch die Haushälterin Delhani (Juliette Navis) und Yaras Freund Karim hier Unterschlupf gesucht. Außerdem ist eine benachbarte Kleinfamilie, deren Wohnung ausgebombt ist, hierhin geflüchtet: Samir, Halima (Diamand Bou Abboud) und dem gemeinsamen Baby hat Oum Yazan ein Kinderzimmer überlassen. Es soll nur für kurze Zeit sein, denn Samir plant für sich und seine Familie die Flucht außer Landes. Als er am Morgen aus der Wohnung schleicht, um letzte Vorbereitungen zu treffen, beobachtet die Haushältern Delhani wie er von einem Scharfschützen erschossen wird. Philippe Van Leeuwss „Innen Leben“ hat eine ganz andere Perspektive. Wir sehen schöne alte Holzmöbel, elegantes Geschirr, ein Badezimmer mit Zahnputzbechern und Handtüchern, mit Stickern beklebte Kinderbetten, einen Balkon. Der Balkon ist neben den Schussgeräuschen der einzige Bezugspunkt zur Außenwelt einer Wohnung, in der die Bewohner über 24 Stunden mehr schlecht als recht versuchen, den Alltag aufrecht zu erhalten. Das Kammerspiel ist eine der größten inszenatorischen Herausforderungen im Kino. Jede noch so kleine Schwäche sticht deutlich heraus. In Leeuws Film, der neben der großen libanesischen Darstellerin Hiam Abbas zum großen Teil mit syrischen Flüchtlingen besetzt ist, ist es vielleicht die mitunter zu suggestiv eingesetzte Musik, die einem unpassend erscheint. Aber das sind nebensächliche Details eines wichtigen Films, der das Leid der Zivilbevölkerung in den Vordergrund rückt. „Innen Leben“ zeigt nur wenig konkrete Gewalt und keinen einzigen Toten. Der Film vergegenwärtigt vielmehr, wie der Krieg Menschen zerstört, auch ohne sie zu töten.

Seitdem vor zwei Jahren seine Frau gestorben ist, lebt Pierre (Pierre Richard) zurückgezogen und droht zu verwahrlosen. Um ihn zurück ins Leben zu holen, soll Alex (Yaniss Lespert), der Freund von Pierres Enkelin, den alten Griesgram mit dem Internet vertraut machen. Schon bald stößt dieser dort auf verführerische Reize. Als es ernst wird, gibt sich Pierre für Alex aus und schickt ihn zu seinem ersten Date. Zu Anfang verstolpert sich „Monsieur Pierre geht online“ etwas und streift einmal zu oft den vorhersehbaren Kalauer. Irgendwann aber, wenn das Rollenspiel im romantischen Chaos gipfelt, wird das Boulevardstück zunehmend charmant. Leichter Easy Listening und Pierre Richard tun das übrige, um die romantische Komödie von Stéphane Robelin („Und wenn wir alle zusammenziehen?“) auf Kurs zu halten.

Außerdem neu in den Wuppertaler und Solinger Kinos: Roger Ross Williams' Doku „Life, animated“, Stella Meghies Teenagerrama „Du neben mir“ und Michael Bays neueste, fünfte Roboterschlacht „Transformers: The Last Knight“.

Redaktion engels-kultur.de

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