Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
29 30 1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12

12.398 Beiträge zu
3.684 Filmen im Forum

Leader-Quartett: „Throw a Glass“
Foto: Peter Peregrine

Die grüne Fee ruft

29. Januar 2020

Eric Friedländer und Uri Caine auf Drogentour im Stadtgarten – Improvisierte Musik in NRW 02/20

Eric Friedländer, ein echter New Yorker, hat sich in den Neunzigern als experimenteller Cellist zwischen den Welten von Avantgarde-Jazz und Zeitgenössischer Musik in der dortig blühenden Downtown-Szene ausprobiert. Natürlich wirkte er beim Soundtrack zum Film über Malcolm X mit, arbeitete mit Intellektuellen wie Fred Hersch und mit dem Saxophon-Hero John Zorn. 2015 wurde er vom Jazzmagazin Down Beat ausgezeichnet. In seinem aktuellen Projekt, mit dem er jetzt im Kölner Stadtgarten gastiert, hat er sich „La fée verte“ zugewendet. „Die grüne Fee“ bezeichnet liebevoll das grüne starkprozentige Getränk, das als Wermut auch medizinisch zum Einsatz kam. Neben einer euphorisierenden, berauschenden und anregenden Wirkung kann Absinth zu einem gesteigerten Farbempfinden sowie, in größeren Mengen, zu Halluzinationen und psychischen Problemen führen. Diese Bewusstseinserweiterung interessierte den Cellospieler, wie schon zuvor Dichter und Maler und Künstler aller Art – Freidenker, die auch unerprobte und vielleicht sogar manchmal verbotene Wege gehen wollen.

Die Anregung zu dieser auskomponierten Studie erhielt Friedländer durch die Absinthglas-Skulpturen Picassos, die sich als formale Vorlage für einen kammermusikalischen Jazz-Zyklus eigneten. Und für den Avantgardisten wirkt die Besetzung geradezu klassisch. „Ich habe nie eine Standard-Rhythmusgruppe mit Cello verwendet“, meint Friedländer auf jazztimes.com, „und ich hatte das Gefühl, dass ich dafür bereit war. Ich meine, es geht um Absinth und seine Geschichte als Halluzinogenes, aber in gewisser Hinsicht handelt es sich auch um eine Aussage über das traditionelle Jazzquartett. Aber mit Cello anstelle von Trompete oder Saxophon.“

Das Auf und Ab der Gefühle, den Wechseln zwischen strengen Arrangements und ausschweifender Improvisation, besonders aber den immanenten Stilbrüchen folgt am Klavier Uri Caine, weltberühmt für seine sogenannten „Dekonstruktionen“ klassischer und romantischer Meisterwerke. Bei ihm traf Mozart auf einen Scratcher, Bach auf Klezmer und Blues, Schumann interpretierte der Freestylist David Moss.

Ergänzt wird das Quartett vom Bassisten Mark Helias und dem Schlagzeuger Ches Smith, gemeinsam heißen sie Throw a Glass oder The Throw. Und ein Glas geht immer noch, obwohl man mit Absinth aufpassen sollte: Der Rausch ist gut, die Rückkehr nicht garantiert.

Erik Friedlander's „The Throw“ | Do 6.2. 20 Uhr | Stadtgarten, Köln | 0221 95 29 94 11

Olaf Weiden

Neue Kinofilme

Takeover – Voll vertauscht

Lesen Sie dazu auch:

Unterhaltsam, radikal und poetisch
Die Ruhrfestspiele setzen auf Chilly Gonzales – Improvisierte Musik in NRW 04/20

„Die Musik zeigt den Weg“
Schlagzeuger Wolfgang Haffner und das Lebensgefühl Tango – Interview 03/20

Spot on Jazz
Festival „Spot on Jazz“ in Düsseldorf – Improvisierte Musik in NRW 03/20

Lieber Jazz statt Show
Der Amerikaner Kurt Elling singt in Köln und Essen – Improvisierte Musik in NRW 01/20

Dem Jazz geschenkt
Das Saxophon räumt seinen Platz als „Instrument des Jahres“ – Improvisierte Musik in NRW 12/19

Spitzentöne vom Kontrabass
Kölner Musikhochschule präsentiert starke Musikerinnen – Improvisierte Musik in NRW 11/19

Let`s Swing – beim King
Köln erhält wieder einen echten Jazzclub – Improvisierte Musik in NRW 09/19

Musik.