Das Bourne Vermächtnis
USA 2012, Laufzeit: 134 Min., FSK 12
Regie: Tony Gilroy
Darsteller: Jeremy Renner, Rachel Weisz, Edward Norton, Stacy Keach, Oscar Isaac, Joan Allen, Albert Finney, David Strathairn, Scott Glenn
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Agenten-Thriller
Halt dich fest!
„Das Bourne Vermächtnis“ von Tony Gilroy
Zuerst einmal ist es ein wirklich netter Einfall, dass dieser Thriller als parallele Geschichte zum letzten Teil der Bourne-Trilogie mit Matt Damon angelegt ist. Entsprechende Querverweise und bekannte Gesichter begleiten diesen Film, das macht Spaß. Während also in London ein Journalist ermordet wird und Jason Bourne gen Washington ins geheime Adlernest reist, folgt man hier einem weiteren Soldaten, der durch Gehirnwäsche und Genmanipulation zum Super-Killer gezüchtet wurde. Da Bourne gerade die ethisch bedenklichen Machenschaften des amerikanischen Geheimdienstes ans Tageslicht bringt, beschließen die Herren in der Kommandozentrale, auch die Nachfolge-Operation Outcome zu schließen. Dazu müssen alle laufenden Missionen gecancelt, alle „Programme“, sprich: Agenten eliminiert werden. Unter ihnen: Aaron Cross (Jeremy Renner), der sich gemeinsam mit einer Zeugin, der Ärztin Marta Shearing (Rachel Weisz) auf die Flucht begibt.
Inszenatorisch gibt sich der Streifen weniger unruhig als die Vorgänger, Hektik und Tempo wurden deutlich entschärft. Die Montage springt nunmehr eifrig zwischen den Handlungsorten hin und her und gestaltet sich dafür weniger hektisch innerhalb der Sequenzen. So gelingt es dem Film bereits zu Beginn Fahrt aufzunehmen, ohne dafür auf Action zurückgreifen zu müssen: Aaron Cross schlägt sich im Rahmen eines Trainingsprogramms durch die verschneite Wildnis, während in der Geheimdienstzentrale die Telefone heiß laufen und schwerwiegende Entscheidungen getroffen werden. Wirklich zur Sache geht es erst ab der Mitte des Films. Aber auch da, in den großen Actionszenen, geben sich die Filmemacher gemäßigter: Die bewährte, wackelige Handkamera, die eintaucht ins Eifer des Gefechts, die atemlosen Schnitte, die freihändigen Schwenks und Zooms: Ade. Der eine mag es den Filmemachern danken, der andere wird es vermissen. Das gleiche gilt für eine weitere Stärke der Vorgänger: Die Wucht, die Unmittelbarkeit des Augenblicks. Wenn der Feind dem Helden dicht auf den Fersen ist, wenn Bourne von jetzt auf gleich improvisieren muss, wenn Instinkte und Ausbildung gleichermaßen gefordert werden, wenn Bourne seine Gefährten unsichtbar instruiert und sie gewitzt durch die Gefahr schleust, wenn Bourne seine Gegner einem Phantom gleich zum Narren hält. All das bleibt hier nur noch Andeutung, und das gereicht sogar bis hin zur Farce: Wie Jason Bourne instruiert auch Aaron Cross seinen Schützling aus der Ferne, allerdings vor allem dann, wenn es nicht nötig ist: Cross und Marta sitzen wenige Meter entfernt in der Wartehalle am Flughafen. Er spricht mit ihr über Handy und erklärt ihr, wie sie unauffällig vom Gate ins Flugzeug gelangt. Sie werden weder beobachtet noch unmittelbar bedroht, die Verfolger hängen den beiden einen halben Tag hinterher - die Gefahr in Verzug ist nur behauptet. Später, Marta springt zu Cross aufs Motorrad, ermahnt er sie: „Halt dich fest, und leg dich mit in die Kurven.“ Lachhaft überflüssige Instruktionen, die besser aufgehoben wären in einer MAD-Parodie.
Kennern der „Bourne“-Reihe werden auch John Powells treibende Streicher-Stakkatos fehlen, die die Trilogie entscheidend prägten. Sein Nachfolger James Newton Howard zitiert Powell nur punktuell und bedient sich dabei eher den ruhigeren Themen. Doch Trotz aller Vorbehalte: Auch dieser vierte Teil ist schnittig montiert und musikalisch stilvoll unterlegt. Und Jeremy Renner überzeugt als zerrissener Held. Wer eine 1:1-Fortsetzung erwartet, wird enttäuscht sein. Unterm Strich aber bewahrt „Das Bourne Vermächtnis“ die Linie, setzt sich dabei selbstbewusst von den Vorläufern ab und bietet spannende Unterhaltung.
(Hartmut Ernst)

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