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Aus dem Projekt-Film „Frieden in meinem Spiegelbild“
Foto: Medienprojekt Wuppertal

Im eigenen Körper durchs Leben

27. Februar 2024

Teil 1: Lokale Initiativen – Die Filmreihe „Body Positivity“ vom Medienprojekt Wuppertal

„Das kleine Mädchen da, dem würde ich das auch nicht sagen, dass es nicht schön ist, dass es nicht gut genug ist. Warum sage ich das jetzt mir?“, fragt Karla-Lou, während die Kamera über ein Kinderfoto an der Wand streicht. Im Rahmen der Filmreihe „Body Positivity“, die von Sofia Ose koordiniert wurde, spricht Karla-Lou gemeinsam mit anderen jungen Menschen über schädliche Körperbilder und ihr neu gefundenes Selbstbewusstsein. Body Positivity beschreibt die Idee, sich von oberflächlichen Idealen zu lösen und den Körper in seiner Natürlichkeit wertzuschätzen. „Letztendlich geht es um die Akzeptanz des Körpers“, erklärt Andreas von Hören, Geschäftsleiter des Medienprojekts Wuppertal. Das Medienprojekt fördert Filmarbeiten junger Menschen, indem es die technischen Mittel dafür bereitstellt. Teil der 90-minütigen Filmreihe sind neben dokumentarischen Gesprächen auch Kurzfilme, ein Animationsfilm sowie ein Expertinneninterview mit Iris Nepomuck, die in ihrem autobiographischen Roman „Kurvendiskussion“ davon erzählt, wie Essstörungen ihre Kindheit prägten.

Rasierte Beine rasieren 

„Die Idee entstand aus der Wichtigkeit von Äußerlichkeiten“, erinnert sich von Hören. „Wir haben eine Norm und ein Ideal, was man erreichen möchte und was man erreichen muss“, berichtet Karla-Lou. „Dadurch, dass das gesellschaftlich so in Werbungen, in Filmen, in Büchern und sonstigen Medien ausgestrahlt oder repräsentiert wird, entsteht gesellschaftlicher Druck.“ Karla-Lou kritisiert auch die Beauty-Industrie, die sich am Drang nach Anerkennung und Normschönheit bereichere. Hierzu zählten neben Make-Up-Produkten auch „Hygieneartikel“ wie Rasierer und Rasiercreme für Frauen. Denn anders als bei Männern, ist die Körperbehaarung bei Frauen – insbesondere an den Beinen – vielerorts verpönt. „Da werden rasierte Beine rasiert“, heißt es in Bezug auf Werbeclips ironisch in einem Beitrag.

Eine wesentliche Rolle für die Body Positivity-Bewegung spielen Soziale Medien. Immer wieder verweisen die jungen Menschen in den Filmen auf Minderwertigkeitskomplexe, die von körperbezogenen und idealisierten Inhalten auf Instagram und Co. ausgelöst wurden – aber auch auf die Bemühungen von Influencern, diesem Trend etwas entgegenzusetzen. Auch Andreas von Hören erkennt in den Plattformen Licht und Schatten: „Über Social Media kommentiert man sich ständig gegenseitig, auch auf der Basis von Äußerlichkeiten. Man unterstützt sich aber auch und es gibt den Vorteil, dass sich marginalisierte Gruppen zusammenfinden können.“ Body Positivity als Trend auf Instagram bietet Nutzer:innen zudem ein breiteres Identifikationspotenzial als die Models der Fashion Weeks und setzt Klischees ein vielfältigeres Selbstbild entgegen. „Das geht häufig verloren“, sagt Elay Neal Moses, der eine Fotoserie über Male Body Positivity gemacht hat, „dieses gesunde Verhältnis und diese Dankbarkeit gegenüber unserem Körper.“

Unbarmherziger Schulhof

Die Resonanz des Projekts ist äußerst positiv, wie von Hören berichtet. Insbesondere in Schulen werden die Filme eingesetzt. Auf dem Schulhof seien Körperbilder sowieso längst Thema: „Die Schulzeit ist die Phase, in der erwachsene Körper entstehen. Die Reaktionen auf diese Entwicklung können sehr unbarmherzig sein“, erklärt von Hören. Vor allem der Schutz vulnerabler Gruppen sei deshalb enorm wichtig. „Viele Menschen wollen achtsamer werden“, stellt von Hören fest. Body Postivity lädt nicht nur zur Reflexion gesellschaftlicher Normen ein, sondern auch zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Selbstbild – mit dem Körper, der einen durch das Leben trägt.

 

UNHEIMLICH SCHÖN - Aktiv im Thema

adipositas-gesellschaft.de/experten-plaedieren-fuer-body-neutrality-statt-body-positivity-wie-koerperbilder-adipositas-und-essstoerungen-beeinflussen-wissenschaftlicher-ko | Der Beitrag der Adipositas-Gesellschaft vergleicht die Konzepte Body Positivity und Body Neutrality.
tk.de/techniker/magazin/life-balance/wohlbefinden/body-shaming-2074152?tkcm=ab | Beitrag der Techniker Krankenkasse über den Schutz vor Body-Shaming.
bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/30510/schoenheit-erfolg-macht | Beitrag der Bundeszentrale für politische Bildung über „Körperkult und Schönheitswahn“.

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Tim Weber

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