
Leugner des Klimawandels, euphemistisch „Klimaskeptiker“ genannt, verweisen gerne auf das Wetter, wenn ihnen die Argumente ausgehen. An diesem Nachmittag im Januar ist es in Bochum tatsächlich kalt, knapp über null Grad, der Himmel ist bedeckt und in der Nacht war sogar der Boden gefroren. Alles also nur heiße Luft?
Ingo Frank und Thomas Biadassek vom Bochumer Klimaschutzbündnis (BoKlima) können darüber nur müde lächeln. „Leider gibt es immer noch genügend Leute, die nicht zwischen Klima und Wetter unterscheiden können“, sagt Biadassek. Um dem etwas entgegen zusetzen haben sich im September 2019 Vereine, Initiativen und Einzelpersonen zu BoKlima zusammen geschlossen. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten BUND, NABU, Verbraucherzentrale, Greenpeace, ADFC, VCD und Fridays for Future (FFF). Im Laufe der Jahre sind etliche dazu gekommen.
Handel statt vorschreiben
„Wir wollen erreichen, dass der Bekämpfung des Klimawandels und seiner Folgen auch in unserer Stadt erste Priorität eingeräumt wird, weil wir alle wissen, dass globales Denken lokales Handeln erfordert!“, heißt es in der Gründungserklärung. „Wir schreiben aber niemandem vor, wie sein Engagement aussehen soll“, sagt Ingo Franke. Der 75-Jährige ist seit mehr als 40 Jahren in zahlreichen Initiativen und Bündnissen aktiv. 1983 initiierte der Biochemiker und Umweltberater den Arbeitskreis Umweltschutz (AkU) Bochum.
Ein zentraler Bestandteil der Arbeit sind die gemeinsam mit der Verbraucherzentrale veranstalteten Workshops für Mini-Solarkraftwerke, die mehrmals im Jahr stattfinden. Zu den Treffs kommen in der Regel 20 bis 30 Leute, die meisten davon im Rentenalter –ab und zu schauen aber auch junge Leute vorbei, es könnten aber mehr sein.
Energiewende zum Anfassen
„Die Workshops richten sich insbesondere an Mieter“,sagt Biadassek. Man komme aber auch zu Bürger- und Stadtteilfesten und zeige den Leuten, wie eine Solaranlage für das Dach oder den Balkon funktioniere. „Sie dürfen sie anfassenund anstöpseln.“ Auch der Bau von Dach-PV-Anlagen wird von BoKlima in Kooperation mit der Wittener Bürgerenergiegenossenschaft 58 vorangetrieben und vor allen Dingen auf städtischen Gebäuden gefordert.
Um der Desinformationskampagne zu Wärmepumpen etwas Sichtbares entgegenzusetzen gibt es den „Tag des offenen Heizungskellers“ und in der „Lost Tree Gallery“ werden zumeist überflüssige Baumfällaktionen dokumentiert. In den Klima-Notstandsbriefen wird zudem in unregelmäßigen Abständen über den aktuellen Stand von Initiativen oder eben auch unsinnige Vorhaben der Stadt informiert.
Nicht nur Klimaschutz
Demos, zum Beispiel für fahrradfreundliche Städte, organisiert man übrigens auch und auf der Homepage von BoKlima wird regelmäßig auf überregionale Aktionen hingewiesen, die auch nicht immer etwas mit dem Klimaschutz zu tun haben müssen. Anfang Dezember mobilisierte man gegen den „Omnibus-Pakt“ von Konservativen und Europas Rechtsextremen oder gegen das EU-Klimagesetz.
Das Bewusstsein, etwas zu verändern, hat in den letzten Jahren trotzdem abgenommen, auch weil der Gegenwind aus der Politik wieder stärker wird. Das Wärmepumpengesetz sei zwar vor allem am Widerstand der FDP gescheitert, sei aber auch schlecht verkauft worden. „Man hätte den Leuten sagen sollen, dass Klimaschutz auch kostet, aber die Folgen noch teurer sind, wenn wir nichts tun“, weiß Franke. Gerade in einem der reichsten Länder der Welt müssten Menschen ihren Beitrag leisten. Wer mitmachen will: BoKlima trifft sich jeden dritten Mittwoch um 18 Uhr im Umweltzentrum Alsenstraße und jeden ersten Montag um 18:30 Uhr online.
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Perfektes Versagen
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Teil 1: Leitartikel – Die Politik bekämpft nicht den Klimawandel, sondern Klimaschützer:innen
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Teil 3: Leitartikel – Klimaschutz geht vom Volke aus
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Teil 1: Lokale Initiativen – Der Landesverband des Paritätischen in Wuppertal
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Teil 3: Lokale Initiativen – Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen und ihr Landesverband NRW
Querschnitt der Gesellschaft
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Teil 3: Lokale Initiativen – Das Neuland als kulturelles Experiment im Bochumer Westend