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Mohammad Kasrawi aus Damaskus
Foto: Stephanie Spichala

„In Syrien gab es keine Zukunft mehr“

30. November 2017

Mohammad Kasrawi sorgt für zufriedene Kundschaft – Heimat Wuppertal 12/17

Ich bin gern unter Menschen, und ich lerne gerne neue Menschen kennen. Und ich mag es, wenn es ordentlich ist, ordentlich angezogen zu sein. Das gefällt mir auch an Deutschland, hier ist viel Ordnung und Struktur. Mein Vater ist Ingenieur, aber er hat gemerkt, dass ich so bin, und mir darum zum Hotelwesen geraten. Ich bin pünktlich. Das gefällt auch meinem Chef: Ich mache gerade ein Praktikum im Servicebereich in einem Restaurant im Oberbarmen. In Damaskus, wo ich herkomme, habe ich eine dreijährige Ausbildung im Hotelgewerbe gemacht, die von der IHK anerkannt wurde: als Fachmann im Gastgewerbe. Ich überlege jetzt, wie ich in Wuppertal weitermachen kann – eine Ausbildung als Hotelfachmann? Oder Hotelkaufmann? Was ist besser, wenn ich irgendwann selbst ein Hotel leiten will?

In Damaskus war ich selbständig, mit einem Shisha-Tabak-Lieferservice, parallel zur Ausbildung. Ich rauche selbst gern Shisha, am liebsten Traube-Minze. Ich habe gelernt, das heißt hier rauchen, nicht trinken. Wenn man das aber wortwörtlich vom Arabischen übersetzt, heißt es trinken. Wir sagen das so. Als der Krieg ausbrach, konnte ich das schon bald nicht mehr machen, wegen der Polizei-Kontrollen. Da wusste ich, in Syrien gibt es für mich keine Zukunft.

Ich zog erst in den Libanon zu meiner Cousine, dann nach Jordanien zu meinem Onkel. Da habe ich vier Jahre gelebt und als Chef des Service-Teams im Cafébereich eines großen Restaurants gearbeitet, über zwei Etagen. Aber ich konnte keine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis bekommen. Darum bin ich weiter, erst in die Türkei, dann über Griechenland nach Deutschland. Meine Schwester und mein Bruder leben wie ich in Wuppertal.

Mein Traum: in einem 5-Sterne-Hotel zu arbeiten, vielleicht sogar irgendwann als Hotelmanager, und wieder einen Shisha-Lieferservice zu organisieren. Ich will den Führerschein machen und die Sprache gut können. Ich warte gerade auf das Ergebnis meiner B2-Prüfung – wenn ich das geschafft habe, will ich einen C1-Kurs finden. Und ich mache im Moment auch beim „Cookin' Hope“-Lernrestaurant mit. Um herauszufinden, wie ich am besten weiterkommen kann, und um die Sprache zu verbessern.

Ich bin 26 Jahre alt und habe meine Eltern seit sechs Jahren nicht gesehen. Das ist schwer für mich, ich vermisse sie und meine drei Schwestern sehr, die auch noch in Syrien sind. Ich spreche mit meinem besten Freund, wenn es mir deswegen schlecht geht. Er sagt dann immer: „Du musst Geduld haben.“ Aber geduldig sein zu müssen, das fällt mir wirklich schwer. In Wuppertal mag ich die Schwebebahn und die Gebäude. Aber es ist sehr kalt. Ich vermisse das schöne Wetter und das syrische Essen.

Ich gehe gern aus, mag romantische Musik und tanzen – und trinke auch gern mal ein Bier. Ich wünsche mir eine richtige Beziehung, jemand zum Heiraten. Es ist mir egal, woher sie kommt, welche Religion oder wie alt sie ist. Sie muss hübsch und intelligent sein, eine Studierte vielleicht. Die auch ehrgeizig ist. Ich möchte Kinder haben – dafür reicht ein Gehalt nicht. Und – sie muss Ordnung mögen.

Zur Person:
Mohammad Kasrawi stammt aus Damaskus in Syrien. Nach einigen Zwischenstops verschlug es ihn und zwei seiner Geschwister 2016 nach Wuppertal. Er hat bereits praktische Erfahrungen in anerkannten 5-Sterne Hotels wie Sham, Blu Tawal oder Meridien gesammelt.

Mohammad Kasrawi

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