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Berihu Welday, Eritrea
Foto: Celia Wagner

Unruhig

29. Juni 2017

Berihu Welday sorgt sich um seine Familie – Heimat Wuppertal 07/17

Deutschland ist ein guter Platz zum Leben. Es gibt hier unzählige Möglichkeiten, sich eine Existenz aufzubauen. Ich wünschte, ich könnte eine dieser Möglichkeiten nutzen. Doch dazu fehlt mir die Ruhe. Meine Frau und meine drei Kinder sind in Äthiopien. Sie sind vor dem menschenverachtenden Regime in Eritrea geflohen. Ich muss alles dafür tun, um sie nach Deutschland zu holen, ihnen eine gesicherte Zukunft zu ermöglichen. Leider wurde ich schon mit 17 Jahren gegen meinen Willen zum Militär eingezogen. Es macht mich traurig, dass ich deshalb nie einen Beruf erlernen konnte. Doch jetzt muss ich Geld für meine Familie verdienen und kann meine Ausbildung nicht nachholen. Ohne gute Deutschkenntnisse ist die Jobsuche sehr schwierig. Gerade habe ich mich als Lagerarbeiter im Versandzentrum von Zalando in Mönchengladbach beworben. Vielleicht habe ich dort eine Chance.

Als Vater ist die Sicherheit und Zukunft meiner Kinder mein oberstes Ziel. Leider ist Eritrea weit davon entfernt, meiner Familie diesen Frieden und diese Freiheit zu ermöglichen. Sobald ich aber weiß, dass meine Familie in Sicherheit ist, sehe ich mich in der Pflicht, für ein besseres Eritrea zu kämpfen. Ich bin zu jedem Opfer bereit. Ohne meine Familie hätte ich mich vielleicht schon an der eritreischen Grenze einer Gruppe angeschlossen, die aktiv die Diktatur in meiner Heimat bekämpft.

Doch für diesen Kampf brauchen wir Ressourcen und stabile Verhältnisse. Ich hoffe, dazu nun aus Deutschland einen Beitrag leisten zu können. Deshalb erzähle ich meine Geschichte. Ich erzähle von der Folter und Unterdrückung, die ich in Eritrea erlebt habe. Und ich erzähle von meiner Flucht durch die Sahara und über das Mittelmeer.

Seit ich meine Geschichte erzähle, meiden mich einige Eritreer in Wuppertal. Menschen, die mich früher gegrüßt haben, ignorieren mich. Ich erhalte SMS von Menschen, die ich nicht kenne und kriege dort offen Propaganda des Regimes in Eritrea zugeschickt. Die Sanktionen des Auslands zwingen die Regierung in Eritrea zu einer harten Hand, heißt es dort. Ich bin in Wuppertal nicht persönlich bedroht worden. Doch über Ecken habe ich gehört, dass mein Verhalten Konsequenzen haben wird.

Ich habe kaum Kontakt mehr zu meinen Verwandten, weil sie in einer Ecke von Eritrea leben, in der das Handynetz kaum funktioniert. Natürlich mache ich mir Sorgen um sie. Aber ich darf nicht aus Angst ignorieren, dass Menschen in Eritrea zugrunde gehen. Denn von genau dieser Angst lebt die Diktatur in meiner Heimat.

Ich bin ein gläubiger Mensch. Als orthodoxer Christ gehöre ich der ältesten Gemeinschaft des Christentums an. Wenn ich in Deutschland die Kirchenglocken läuten höre, spendet mir das Trost. Dann fühle ich mich meiner Heimat ein Stück näher.

Zurzeit ist es mein größter Wunsch, dass meine Familie zu mir nach Deutschland kommt. Doch sobald sich die Verhältnisse in Eritrea geändert haben, würde ich gerne zurückkehren, um beim Aufbau des Landes mitzuhelfen.

Zur Person
Berihu Welday (28) musste sieben Jahre gegen seinen Willen im National Service von Eritrea Dienst tun. Bei einem Fluchtversuch wurde er gefasst, erlebte Folter und verbrachte zwei Jahre im Gefängnis. Ein zweiter Fluchtversuch führte ihn über Äthiopien, den Sudan und Libyen nach Italien und schließlich nach Wuppertal.

Berihu Welday (MITARBEIT DAVID FLESCHEN)

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