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Seit zwei Jahren in Wuppertal: Kutub Uddin
Foto: Stephanie Spichala

„Ich liebe alle Menschen“

22. Februar 2018

Kutub Uddin aus Bangladesch lernt Deutsch kochen und sprechen – Heimat Wuppertal 03/18

„Du passt besser nach Europa“, sagte mein Vater. Er war dagegen, dass ich zum Militär gehe. Ich wollte dorthin, weil man da auch ausgebildet wird, anderen Menschen zu helfen. Ich komme aus Bangladesch, aus einem Dorf ungefähr 500 Kilometer von Dhaka entfernt, da kennt jeder jeden. Mein Vater arbeitet in einem Restaurant, doch damals hat mich Gastronomie noch nicht interessiert, ich war mit der Schule beschäftigt. Ich habe das Dhaka College besucht und wollte eigentlich Ökonomie studieren.

Ich liebe alle Menschen, egal welche Nation oder Religion. Mit meiner offenen Einstellung bekam ich Probleme, und als sich die Gelegenheit durch einen Kontakt in Griechenland bot, hat mein Vater viel Geld bezahlt, um es mir zu ermöglichen. Ich hatte zwar schnell eine eigene Wohnung, doch es war sehr schwer, dort zu leben. Ich habe viel gearbeitet für wenig Lohn. Zurück konnte ich aber auch nicht. Also bin ich weiter, nach Deutschland. Ich war 15 Tage unterwegs – das war eine schlimme Zeit. Die meiste Zeit bin ich gelaufen. Anfang 2016 kam ich in Deutschland an, und im März schließlich in Wuppertal. Was ich zu Beginn komisch fand: dass hier Erwachsene mit einem Rucksack rumlaufen. Doch jetzt habe ich selbst einen.

Ich habe zuerst im Wohnheim gewohnt, aber dann habe ich ein älteres deutsches Ehepaar kennengelernt, sie haben mir sehr geholfen. Sie haben eine Wohnung für mich gefunden und Möbel besorgt, und mich auch sonst sehr unterstützt. Auch eine zweite deutsche Familie hat mir sehr geholfen. Ich wollte schnell vorwärtskommen. Also habe ich einen Deutschkurs an der Volkshochschule besucht, ich habe ihn selbst bezahlt. Und als ich mit B1 fertig war, habe ich die Koch-Ausbildung angefangen. Ich mache das in der Kohlstraße an der Berufsschule und im „Essen'z“-Restaurant in Oberbarmen. Ich bin jetzt im zweiten Lehrjahr und lerne die deutsche Küche. Außerdem übe ich Deutsch sprechen in einem ehrenamtlichen Kurs.

Mein Traum ist, irgendwann ein 2- bis 3-Sterne-Restaurant zu führen. In Wuppertal an einer guten Stelle oder in einer anderen größeren Stadt. Aber ich mag Wuppertal, hier ist viel Natur. Ich bin gern im Wald, Bäume erinnern mich ein bisschen an zuhause. Mit meiner ersten Wohnung habe ich angefangen, mich hier wohler zu fühlen, und dann, als die Schule anfing. Richtig glücklich bin ich, wenn ich etwas für andere koche und es ihnen gut schmeckt.

Wenn ich nach der Ausbildung einen Job finde, möchte ich den Führerschein machen. Doch auch, wenn ich hier schnell vorwärts komme, vermisse ich meine Familie – und das schöne Wetter. Meine Eltern und meine Geschwister, ein Bruder und zwei Schwestern, sind noch in Bangladesch, sie möchten dort auch bleiben. An eine eigene Familie denke ich noch nicht, ich muss viel lernen, die Theorie ist schwer. In den Büchern ist alles so kompliziert formuliert, manchmal verstehe ich die Frage oder Aufgabe nicht. Mein Deutsch muss noch sehr viel besser werden. Aber meine Lehrerin sagt, ich kann das schaffen.

Zur Person:
Kutub Uddin ist Bengale, 30 Jahre alt, und träumt von einem eigenen Restaurant. Er lebt in Varresbeck und konzentriert sich auf seinen beruflichen Weg. Derzeit hat er eine Ausbildungsduldung. Er hofft, dass er nach der Ausbildung einen Job als Koch findet und in Deutschland bleiben kann.

Kutub Uddin

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