Textwelten entstehen im Kopf. Zeichen für Zeichen, Buchstabe für Buchstabe setzen wir aneinander. Jeder einzelne Buchstabe wird mit der Geschwindigkeit von 50 Millisekunden in unserem Gehirn identifiziert und in Kombination mit dem nächsten gesetzt.
Es ist ein Jugendbuch, und die Teenager sollen es lesen. Aber dass Janne Tellers Roman „Nichts – was im Leben wichtig ist“ an Dänemarks Schulen verboten wurde, kann man leicht nachvollziehen. Inzwischen entwickelte sich das nun im Carl Hanser Verlag erschienene Skandalbuch zum internationalen Bestseller, der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde. Die Jury des Deutschen Jugendliteraturpreises wird sich mit der Frage, ob sie dieses Buch nun empfiehlt oder nicht, auch noch herumschlagen müssen.
Nach Bonn und Frankfurt am Main nun auch Köln. Der erste Bücherschrank steht in der Goltsteinstraße, der zweite wurde im Rheinauhafen errichtet, und es sollen noch 22 andere über das gesamte Stadtgebiet verteilt folgen. Die Idee ist nicht neu, Behältnisse für Bücher werden errichtet, in die Menschen ihre Bücher hineingeben und Bücher mitnehmen können. Aber noch nie hat sie jemand technisch und ästhetisch so ausgefeilt realisiert, wie der Ingenieur und Architekt Hans-Jürgen Greve, der seine Konstruktion „Bokx“ nennt.
„Knüpf das Buch an einem Faden auf. Schleudere es wild herum. Lass es gegen Wände knallen“. „Brenne ein Loch in die Seiten“. „Benutze das Buch als Fliegenklatsche“. „Fahre mit dem Fahrrad über die Seiten“. Gegen diesen offenen Aufruf zur Gewalt gegen Bücher sind kleine Missgeschicke wie Kaffeeflecken, Fingerabdrücke oder Eselsohren eher Lappalien im Umgang mit dem einstmals ehrfürchtig behandelten Wissensträger.
m der Sprecher in den Radionachrichten sachlich gemeldet hat, wie die Zusammensetzung des neuen schwarz-gelben Kabinetts aussieht, hebt seine Stimme zu einem versteckten Triumpf an, und dann verkündet er: Das gelbe Regal in Münster existiert auch nach mehr als neun Tagen noch.
Der Dezember ist für mich eine angeschneite Mischung aus Mutter Theresa und Paris Hilton. Er ist Theresa Hilton, die monatgewordene Manifestation von schrillem Schein und wahrer Wohltat. Er ist ein einziges Fest und ein eisiger Frost; mehr noch, der Dezember ist Zuckerwatte und Zahnarzt in einem.
Das klingt sehr schön, wenn man es sagt, denn in diesem Namen sind vier Trochäen hintereinander. Also, wie mir mein Germanistik studierender Papagei ins Ohr flüstert: Vier schwere, betonte Silben, denen je eine leichte Silbe folgt.
Es ist an der Zeit, ein Geständnis abzulegen, einfach um auch anderen möglichen Betroffenen zu helfen. Bei mir begann es in den Siebziger Jahren. Diese eleganten Taschenbücher mit den Zeichnungen von Pablo Picasso, vornehm in Beige gehalten, waren völlig ungewöhnlich für Kriminalromane.
Bastien Vivés unternimmt mit „In meinen Augen“ den Versuch eines Comics aus subjektiver Perspektive. Das ist visuell zu verstehen – analog zur subjektiven Kamera im Film. Man sieht also nie den Erzähler, sondern immer nur, was der Erzähler sieht.
Heute lesen wir sie noch, aber morgen können sie schon verschwunden sein. Nur noch sieben Jahre wird es in den USA gedruckte Zeitungen geben. So jedenfalls sieht es der australische Zukunftsforscher Ross Dawson, wie die Akademie Berufliche Bildung der Zeitungsverleger in ihrem Newsletter berichtet.

Haare zu lang, Röcke zu kurz
„Swinging Cologne“ von Stefan Winges – Textwelten 05/26
Meeresbewohner zum Anfassen
„Zusammenstecken und Entdecken: Meerestiere“ von Abigail Wheatley – Vorlesung 04/26
Wenn Wände Ohren haben
„Engel des Verschwindens“ von Slobodan Šnajder – Literatur 04/26
Neuer Bilderbuch-Klassiker
„Mit dem Sturm um die Wette rennen“ von Brian Floca und Sydney Smith – Vorlesung 04/26
Die Unendlichkeit erleben
„Liebe“ von Thomas Hettche – Textwelten 04/26
Beziehungen
„Du findest mich, wenn du willst“ von Lavinia Branişte - Literatur 03/26
Auf den Spuren des Honigs
„Ivy und Bärlock Holmes. Fall 1: Die rätselhafte Blume“ von Kristyna Litten – Vorlesung 03/26
Das Glück der Stiefel
„Die gelben Gummistiefel“ von Isabel Pin – Vorlesung 03/26
Atem eines großen Erzählers
„Wintermythologien“ von Pierre Michon – Textwelten 03/26
Schmunzeln und Mitgefühl
„Opa Bär und die Schuhe im Kühlschrank“ von Anne und Paul Maar – Vorlesung 02/26
Unwiderstehlicher kleiner Drache
„Da ist besetzt!“ von Antje Damm – Vorlesung 02/26
Glück und Unglück
„Niemands Töchter“ von Judith Hoersch – Literatur 02/26
Exzentrik kann zärtlich sein
„Mitz. Das Pinseläffchen“ von Sigrid Nunez – Textwelten 02/26
Beziehungen sind unendlich
„Schwarze Herzen“ von Doug Johnstone – Textwelten 01/26
Bewusst blind vor Liebe
„Mama & Sam“ von Sarah Kuttner – Literatur 01/26
Jenseits des Schönheitsdiktats
„Verehrung“ von Alice Urciuolo – Textwelten 12/25
Nicht die Mehrheit entscheidet
„Acht Jahreszeiten“ von Kathrine Nedrejord – Literatur 12/25
Power Kid
„Aggie und der Geist“ von Matthew Forsythe – Vorlesung 11/25
Allendes Ausflug ins Kinderbuch
„Perla und der Pirat“ von Isabel Allende – Vorlesung 11/25
Die Liebe und ihre Widersprüche
„Tagebuch einer Trennung“ von Lina Scheynius – Textwelten 11/25
Inmitten des Schweigens
„Aga“ von Agnieszka Lessmann – Literatur 11/25
Mut zum Nein
„Nein ist ein wichtiges Wort“ von Bharti Singh – Vorlesung 10/25
Kindheitserinnerungen
„Geheimnis“ von Monika Helfer und Linus Baumschlager – Vorlesung 10/25
Im Spiegel des Anderen
„Der Junge im Taxi“ von Sylvain Prudhomme – Textwelten 10/25
Die Front zwischen Frauenschenkeln
„Der Sohn und das Schneeflöckchen“ von Vernesa Berbo – Literatur 10/25