Begonnen hat alles vor etwa eineinviertel Jahren. Mit dieser einen Nachricht, der Verfügung der Bezirksregierung, die Stadt Wuppertal könne fortan eine ganze Reihe an Eigenmitteln unter anderem für soziale Projekte nicht mehr bereitstellen. Fördermittel in Höhe von rund zwei Millionen Euro sollten gestrichen werden. „Das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat“, erinnert sich Barbara Hüppe. Mit Beginn des von Einheimischen „Streichkonzert“ genannten Sparplans für die verschuldete Stadt haben engagierte Wuppertaler das Aktionsbündnis „Wuppertal wehrt sich“ gegründet. „So nicht mehr.“ Das war die zentrale Botschaft der ersten Bürgerversammlung. Veranstaltungsort war der Ostersbaum – eines der stark von den Streichungen betroffenen Quartiere. „Unter anderem mit dabei waren der Oberbürgermeister, Parteien, Schulen, Stadtteilinitiativen, Wohlfahrtsverbände“, zählt Hüppe auf. Die Geschäftsführerin der Kreisgruppe Wuppertal des Paritätischen Wohlfahrtsverbands wurde damals aufgrund ihres Berufes zur Sprecherin des Aktionsbündnisses ernannt: „Wir agieren überparteilich.“
DIE ZUSAGE STAND. GEZAHLT IST BIS HEUTE NICHTS. EINE PETITION WURDE VERFASST, SIE LIEGT SEIT JULI IM LANDTAG
An die erste größere Aktion erinnert sich Barbara Hüppe deutlich: „Erst sah alles so erfolgversprechend aus.“ Zusammen mit einigen weiteren Delegierten habe sie am 17. März 2009 mit Fraktionsvorsitzenden im Düsseldorfer Landtag gesprochen. Mittel für das Projekt „Soziale Stadt“ sollten fließen. Die Zusage stand. Gezahlt ist bis heute nichts. Eine Petition wurde verfasst, sie liegt seit Juli im Landtag. Im Dezember reichte das Aktionsbündnis zur Bekräftigung rund 10.000 Unterschriften nach. „Aber“, sagt die Sprecherin, „noch ist das Schriftstück nicht im Petitionsausschuss. Die Stellungnahme des Innenministeriums fehlt.“ Machen solche Erfahrungen mutlos? Hüppe: „Es war von Anfang an klar, dass wir einen langen Atem brauchen würden.“ Immerhin seien zahlreiche Ebenen involviert, Land wie Bund. Man sei auf einer Linie mit den Oberbürgermeistern aus dem Ruhrgebiet und dem Bergischen Land. Und das sei das Gute: dass sich die Menschen auch über die Stadtgrenzen hinaus permanent vernetzen. Auf diesem Pfad möchte Barbara Hüppe gemeinsam mit den rund 150 Einzelpersonen und etwa 80 Organisationen weiterschreiten. Das Ende der Fahnenstange ist für sie erreicht: „Wenn die Grundversorgung immer weiter beschnitten wird, verliert Wuppertal immer mehr an Attraktivität.“ Welche Couleur künftig im Land regieren soll, sei unwichtig. „Hauptsache, wir werden gehört. Und dafür gibt es jetzt schon Anzeichen.“
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

Perfektes Versagen
Intro – Systemstörung
Die Hoffnung schwindet
Teil 1: Leitartikel – Die Politik bekämpft nicht den Klimawandel, sondern Klimaschützer:innen
„Weit von einer erheblichen Gefahr für die öffentliche Sicherheit entfernt“
Teil 1: Interview – Die Rechtswissenschaftlerin Lisa Kadel über die Kriminalisierung von Klimaaktivist:innen
Klimaprotest im Wandel
Teil 1: Lokale Initiativen – Extinction Rebellion in Wuppertal
Drehtür in den Klimakollaps
Teil 2: Leitartikel – Hinter mächtigen Industrieinteressen wird die Klimakrise zum Hintergrundrauschen
„Kernziel der Klimaleugner: weltweite Zusammenarbeit zerstören“
Teil 2: Interview – Politologe Dieter Plehwe über die Anti-Klimaschutz-Bewegung
Dem Klima verpflichtet
Teil 2: Lokale Initiativen – Die Initative Klimawende Köln
Welt statt Wahl
Teil 3: Leitartikel – Klimaschutz geht vom Volke aus
„Nicht versuchen, die Industrie des 19. Jahrhunderts zu retten“
Teil 3: Interview – Meteorologe Karsten Schwanke über Klimaschutz und wirtschaftliche Chancen
Klimaschutz braucht (dein) Engagement
Teil 3: Lokale Initiativen – Die Bochumer Initiative BoKlima
Klimaschutz als Bürgerrecht
Norwegen stärkt Engagement für Klimaschutz – Europa-Vorbild: Norwegen
Durch uns die Sintflut
Der nächste Weltuntergang wird kein Mythos sein – Glosse
Vorwärts 2026
Intro – Kopf oder Bauch?
Noch einmal schlafen
Teil 1: Leitartikel – Ab wann ist man Entscheider:in?
„Zwischen Perfektionismus und Ungewissheit“
Teil 1: Interview – Psychiater Volker Busch über den Umgang mit schwierigen Entscheidungen
Weil es oft anders kommt
Teil 1: Lokale Initiativen – Gut aufgestellt in Wuppertal: Pro Familia berät zu Schwangerschaft, Identität und Lebensplanung
Worüber sich (nicht) streiten lässt
Teil 2: Leitartikel – Wissenschaft in Zeiten alternativer Fakten
„Dass wir schon so viel wissen, ist das eigentliche Wunder“
Teil 2: Interview – Neurowissenschaftlerin Maria Waltmann über Erforschung und Therapie des Gehirns
Über Grenzen hinweg entscheiden
Teil 2: Lokale Initiativen – Das Experimentallabor Decision Lab Cologne
Mieter aller Länder, vereinigt euch!
Teil 3: Leitartikel – Der Kampf für bezahlbares Wohnen eint unterschiedlichste Milieus
„Glaubwürdigkeit ist ein entscheidender Faktor“
Teil 3: Interview – Sprachwissenschaftler Thomas Niehr über Sprache in Politik und Populismus
Im Krieg der Memes
Teil 3: Lokale Initiativen – Saegge klärt in Bochum über Populismus auf
Keine Politik ohne Bürger
Wie Belgien den Populismus mit Bürgerräten und Dialogforen kontert – Europa-Vorbild: Belgien
Der Marmeladen-Effekt
Eine interaktive Mission durch die Küchentischpsychologie – Glosse
Kli Kla Klacks
Intro – Genug für alle