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Regisseur und Autor Michael Wallner
Foto: Manfred Görgens

Kapitalist, Lebemann und Revolutionär

14. September 2015

„Engels & Friends“ ab September an den Wuppertaler Bühnen – Bühne 09/15

Der Gedenkstein, so scheint es, ist bewusst so gestaltet, dass er niemanden zu einem Erinnerungsfoto animiert. Das passt, denn was er besagt, berührte Wuppertal und die Wuppertaler einst peinlich: Hier stand das Geburtshaus von Friedrich Engels. Nur wenige Meter entfernt, im Theater am Engelsgarten, erlebt am 19. September ein Versöhnungsstück seine Uraufführung. „Engels & Friends“ heißt die „Dramatische Collage“ von Michael Wallner, mit der die Wuppertaler Bühnen die aktuelle Haltung gegenüber dem wohl revolutionärsten Sohn der Stadt ausloten wollen.

Zur Entschärfung schickt Regisseur Wallner voraus, dass „Engels und Marx ja nichts für Honecker konnten“. Ihr Gedanke und ihre Theorien seien großartig. Dass Genossen nicht zwingend Personen sind, die man genießen muss, hat die Welt erfahren, genauso wie sie einsehen musste, dass der Sieg des Kapitalismus nicht die Glückseligkeit brachte. Damit stehen wir mitten in einem neuen Umbruch – für Wallner durchaus eine Parallele zur Ära, in der Friedrich Engels zu grübeln begann.

Wer war dieser Mann? Wallner arbeitet mit der Collage, umkreist in Szenen die Frage, statt eine klare Antwort zu formulieren. Sieben Schauspieler werden mehrere Dutzend Figuren auf die Bühne bringen, eben jene „Friends“, die im Leben von Friedrich Engels (Thomas Braus) eine Rolle spielten oder gespielt haben könnten. Dass dabei Stefan Walz den Revolutionär Karl Marx ebenso verkörpert wie den Kapitalisten Friedrich Engels sen. lässt hinreichend durchscheinen, wie sehr Wallner um Reflexion von Widersprüchen im Dasein des Sohnes Engels bemüht ist. Aus Sprache, Sprechchor, Gesang und dem Nebeneinander zeitlicher Abläufe fügt er ein Bild des Mannes, dem er die Jekyll-and-Hyde-Natur nicht absprechen würde. Engels, der Gesellschaftstheoretiker, der die Hälfte seines Lebens als Kapitalist zubrachte, schrieb Berge von Briefen, soff wie ein Loch, liebte die Fuchsjagd, ergötzte sich an Hummersalat und stieß so schnell keine Frau von der Bettkante.

Im Knallrot des Bühnenbildes von Heinz Hauser geht es eineinhalb Stunden lang durch ein bewegtes Leben, freilich nur bis zu Engels‘ 49. Lebensjahr, als er aus Wuppertal nach London zog. Das heißt im Umkehrschluss: Für das Wuppertaler Publikum wird es auch eine Begegnung mit der Stadtgeschichte. Wallner ergänzt dazu: „Es könnte ein poetischer Abend werden.“

 

Premiere 19.9. 19.30 Uhr (ausverkauft); weitere Termine: 20.9. 18 Uhr, 26.9. 19.30 Uhr, 27.9. 16 Uhr, 10.10. 19.30 Uhr, 11.10. 16 Uhr, 31.10. 19.30 Uhr, 4.11. 19.30 Uhr.

Engels & Friends | Theater am Engelsgarten | www.wuppertaler-buehnen.de

Manfred Görgens

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