
Bolero
Frankreich 2024, Laufzeit: 103 Min., FSK 6
Regie: Anne Fontaine
Darsteller: Raphaël Personnaz, Doria Tillier, Jeanne Balibar
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Einblicke in eine besondere Schaffensphase
Impulse
„Bolero“ von Anne Fontaine
Ende der 1920er Jahre begleitet Maurice Ravel (Raphaël Personnaz) die Tänzerin Ida Rubinstein durch die Halle einer Mülldeponie. Maschinen stampfen, donnern, rattern. Der Komponist fabuliert von einer mechanischen Symphonie. Das repetitive, treibende Klangwerk der Maschinen ist eine der Quellen, die Ravel zu seinem Meisterstück inspirieren werden: dem Bolero. Eine einsätzige Symphonie, hypnotisch monoton von der Trommel getragen und dabei vom Crescendo des wohl arrangierten Orchesters in den Klimax getrieben. Ein Tanzstück, das in den Folgejahrzehnten munter, von Afrika bis Zappa, interpretiert wird. Auch im Kino kommt das Werk regelmäßig zum Einsatz und sorgt dafür, dass eine ganze Generation den Bolero mit Bo Derek assoziiert („Zehn – Die Traumfrau“).
Aus gutem Grund betitelt Regisseurin Anne Fontaine ihren Film mit „Bolero“, und nicht etwa mit „Ravel“: Fontaine erzählt nicht bloß biografisch, sie interessiert sich ebenso für den Schaffensprozess rund um sein Werk, für die besondere Verbindung des Komponisten zur Musik. Der Ravel, den die Regisseurin hier für uns entdeckt, ist ein Feingeist, der sein Leben ganz der Musik unterwirft. „Sie sind ja an die Musik vergeben“, bemerkt Ravels Freund Cipa. Ravel fühlt sich nicht Frau oder Mann oder allen dazwischen und außerhalb zugeneigt, sondern der Musik. Wenn ihm seine Muse Misia (Doria Tillier) zum Kuss einlädt, entgegnet er, er würde ihr „lieber Musik schreiben“. Wenn er zum Ersten Weltkrieg im Spital als Sanitäter einen Schwerverletzten an Seilen über dem Bett hängen sieht, dann ist ihm der Schmerz des Soldaten Musik. Fontaine erzählt von einem schwer zu greifenden Künstler, dem man dennoch fasziniert und berührt folgt, weil sie ihn einfühlsam und glaubwürdig zeichnet. Raphaël Personnaz („Eine neue Freundin“), der bei dem Großteil der Stücke selbst Klavier spielt, verkörpert das Wesen dieser Figur ergreifend.
Fontaines „Bolero“ ist eben deshalb so wertvoll, weil er sich aus dem Standardformat zeitgenössischer Künstler-Biopics löst, die (oftmals ähnelnde) Lebensläufe herunter erzählen, aber wenig sagen über das Verhältnis der Kreativen zu ihrer Kunst. Und darum geht es doch: Was macht den Künstler, die Künstlerin einzigartig? Fontaine orientierte sich für das Script an einem Buch von Marcel Marnat, das sich mit dem Aufbau der Werke Ravels auseinandersetzt. Zur Charakterzeichnung dienten ihr nicht zuletzt Briefe des Komponisten. So wie Fontaine von künstlerischer Inspiration erzählt, so lässt sie sich selbst inspirieren. Ihr Drehbuch, so sagt sie, „enthält fiktionale Elemente und weicht an manchen Stellen von der historischen Wahrheit ab, um der Essenz von Ravels Leben und Werk treu zu bleiben“. Damit kommen uns die Figuren näher als in manchem streng biografisch ausgerichteten Drama. Ein faszinierendes Porträt über einen perfektionistischen Komponisten, der mit seinem eigenen Werk fremdelt. Der bei seiner Musik kaum an eine Bo Derek gedacht haben dürfte und seiner Musik Sinnlichkeit abspricht. Und der zugleich im Schaffensprozess in purer Sinnlichkeit aufgeht.
(Hartmut Ernst)

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