
Total Recall (2012)
USA 2012, Laufzeit: 118 Min., FSK 12
Regie: Len Wiseman
Darsteller: Colin Farrell, Bryan Cranston, Kate Beckinsale, Bill Nighy, Jessica Biel, Ethan Hawke, John Cho, Bokeem Woodbine, Will Yun Lee, Currie Graham
>> www.total-recall-film.de/site
Gelackter Sci-Fi-Thriller
Movie for the Masses
„Total Recall“ von Len Wiseman
Man kann die Kurzgeschichte „We Can Remember It For You Wholesal” von Philip K. Dick als zynischen, blutigen Blockbusterstreifen inszenieren, als brachiales Sci-Fi-Staune-Kino. Paul Verhoevens „Total Recall“ von 1990 ist zum einen ein brutales Machwerk mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle. Zugleich liegt dem Film eine originelle Story zugrunde, eine Geschichte, in der der Held nie weiß, ob das, was er gerade erlebt, real ist oder nur eine eingepflanzte Erinnerung. Ein Zwitterfilm, der genüsslich das Genre bedient und dabei das Mainstreamkino dramaturgisch anregend aufwertet. Eine Mischung, die heutzutage kaum vorstellbar ist.
Len Wisemans aktuelle Adaption ist somit ein Kind seiner Zeit: Der Held durchläuft das Abenteuer wie in einem Videospiel, rennt und schießt sich durch sterile computergenerierte Welten, alles ist zu gelackt, das Timing zu perfekt, die Inszenierung zu blutarm. Es ist das andere Extrem: Verhoevens Verfilmung war in Deutschland aufgrund seines Gewaltgehalts indiziert, Wisemans Version geht bei der Jugendfreigabe mit FSK 12 durch, indem er die Gewalt schon geradezu irrwitzig entschärft. Das ist legitim, die literarische Vorlage verlangt solcherlei Exzesse nicht. Das Spiel mit den Wahrnehmungsebenen ist zentrales Thema und der Film damit schon grundsätzlich spannend und anregend.
Die Erde am Ende des 21. Jahrhunderts: Nach einem globalen Krieg ist der Großteil des Planeten chemisch verseucht, die Menschen können nur noch in zwei Gebieten leben: In der Vereinten Föderation, dem einstigen Großbritannien, und auf der Kolonie, ehemals Australien. Durch ein futuristisches Tunnelnetz durch den Erdkern gelangt man innerhalb von 20 Minuten auf der anderen Seite des Erdballs. Douglas Quaid (Colin Farrell) lebt in der Kolonie, ist glücklich mit seiner Jugendliebe (Kate Beckingsale) verheiratet und arbeitet in einer Fabrik der Vereinten Föderation. Als er von Rekall hört, ein Unternehmen, das seinen Kunden zur Zerstreuung Erinnerungen einpflanzt, beschließt er, dem Alltag für ein paar Stunden als Geheimagent zu entfliehen. Dabei kommt ans Licht, dass Quaids bisheriges Leben ein einziges Erinnerungs-Implantat war.
Träumst du noch oder lebst du schon? Anders als Verhoeven erzählt Wiseman die twistreiche Geschichte straight. Der Regisseur nimmt den Zuschauer an die Hand, alles ist rund, es gibt am Ende keine divergierenden Interpretationsansätze. Hier und da liefert man ironische Verweise auf die Erstverfilmung, insgesamt aber ist dieser Film, auch inszenatorisch, ein Stück Mainstreamkost. Glattgebügelt, weichgespült, keine Ecken, keine Kanten. Movie for the masses.
Das Thema Gewalt in den Medien steht gerade wieder zur Diskussion. Inwiefern es pädagogisch wertvoll ist, einen Film zu produzieren, in welchem Action und Gewalt Thema sind, die Figuren aber kaum bluten noch darunter leiden, ist eine andere Frage. Verhoeven und Wiseman liefern zwei Extreme. Ein gesunder Kompromiss wäre wünschenswert. Das wird aber nur funktionieren, wenn man bei einer Kinoproduktion nicht die Alterseinstufung zur obersten ästhetischen Direktive erklärt. Hollywood pegelt inzwischen so Einiges auf Disney-Niveau herunter. Das verträgt nicht jeder Film. Den Fans graut es jedenfalls schon vor dem Remake zu Verhoevens „Robocop“.
(Hartmut Ernst)

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