EIm tiefen Tal zu Glüder wurde am 6. Januar 1903 Solinger Stadtgeschichte geschrieben. In Anwesenheit der Solinger Stadtväter und Vertreter der lokalen Industrie wurde der Kaisersaal mit elektrischer Energie erleuchtet. Dieser Strom wurde mit einer 355 PS starken Niederdruckturbine aus der Wasserkraft der Wupper gewonnen. Im Wasserwerk Glüder war auch das erst Städtische Elektrizitätswerk untergebracht, welches erstmals für Solingen „Lampenstrom“ lieferte. Die Turbinen mussten im Laufe der Zeit immer wieder repariert, erneuert oder gar ersetzt werden, jedoch gewinnt Solingen bis heute Energie aus Wasserkraft. In der Menge nicht ganz so viel wie Remscheid, jedoch auf einem Niveau mit Wuppertal. Derweil produzieren am Wasserwerk Glüder zwei Niedrigdruckturbinen elektrischen Strom, wie bereits seit über 100 Jahren, und machen Solingen unabhängiger vom billigen, aber gefährlichen Atomstrom.
Im Jahr 2000 überlegte man sich nun, dass die Zeit reif ist, den Bergischen Nachbargemeinden zu folgen und nicht nur Wasserkraft als regenerative Energiequelle zu nutzen, sondern auch die Kraft des Windes in elektrischen Strom umzuwandeln. Es wurden drei geeignete Standorte im Stadtgebiet ermittelt, am Halfeshof, östlich der Hofschaft Altenfeld in Gräfrath und „Auf der Geleichten“, ebenfalls in Gräfrath. Die Wahl fiel dann auf letzteren Standort.
DAS WINDRAD WÜRDE DIE LANDSCHAFT VERSCHANDELN UND ZUGVÖGEL UND FLEDERMÄUSE GEFÄHRDEN, SO DESSEN KRITIKER
Das Windrad würde hier, am Rande von Gräfrath, ca. 80 Meter vom Waldrand entfernt stehen. Einige Dutzend Einfamilienhäuser befinden sich in der mittelbaren Nachbarschaft, und deren Besitzer sorgen sich. Konnten sie bisher Hase und Fuchs beim Gute-Nachtsagen beobachten, so droht jetzt der Ausblick auf ein monumentales Bauwerk. 150 Meter soll es hoch sein, der Rotorendurchmesser soll 70 Meter betragen. Die Strommenge, die das Windkraftwerk produzieren soll, würde für einige hundert Haushalte ausreichen. Der gewonnene Strom könnte problemlos am Umschaltwerk Pipersberg eingespeist werden.
Doch dieses Windrad wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Es würde die Landschaft verschandeln und Zugvögel und Fledermäuse gefährden, so dessen Kritiker. Die Bürgerinitiative „Pro-Gräfrath“ verweist zudem auf gesundheitliche Beeinträchtigungen durch die Auswirkungen von Infraschall, also niederfrequentem Schall im nicht hörbaren Bereich unter 20 Hertz. Auch die Auswirkungen von Schlagschatten und Eiswurf werden thematisiert. So ist auch zehn Jahre später nicht klar, ob das Windrad eines Tages kommen wird oder nicht.
Im derzeit geltenden Flächennutzungsplan ist die Fläche zur Bebauung durch ein Windrad vorgesehen, juristisch ist das Projekt jedoch nach wie vor fraglich.
Während Remscheid jährlich den Strom für 1.300 Vier-Personen-Haushalte mit Windkraft produziert und auch Wuppertal zumindest für einige hundert Haushalte Strom aus Windkraft herstellt, wird in Solingen auf absehbare Zeit kein Strom aus Windenergie gewonnen werden.
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