Es gibt 273 Beiträge von Matt513
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24.08.2013
Der Film, der die Welt in den 80ern vielleicht vor dem atomaren Holocaust bewahrt hat. Reagan schaute ihn und sah sich anschließend dringend bewogen, mal mit seinen Generälen zu reden. TDA trug dazu bei, die bis dahin favorisierte Militärdoktrin eines 'gewinnbaren Atomkriegs' zu beseitigen.
Für Regisseur Meyer ein Alptraum, da er sich gegenüber dem Auftraggeber sowie den US-Behörden an eher formalen Aspekten abarbeiten sowie dabei erkennen mußte, wie wenig sensibel man für das hochbrisante Thema an sich war. Z.B. durften's im Film bloß nicht die USA sein, die den ersten Schlag führten (Meyer wies darauf hin, daß dies im Falle eines Atomkriegs völlig egal sei). Im Zuge der Recherche wurde ihm weiterhin klar, daß die Heimatverteidigung der USA sich im Falle eines Atomschlags als Luftnummer erweisen würde.
Mag die Tricktechnik im Film längst überholt sein, so ist er durch seine eindringliche Regie sowie gute Leistungen einer Reihe weiland weniger bekannter Schauspieler ein immer noch packendes, verstörendes Zeitdokument. Die Verwundbarkeit der modernen Zivilisation thematisiert Meyer bereits im Vorspann, indem er ihn mit den Lieferketten von Nahrungsmitteln bebildert. Wie so oft im Krieg, so ist auch hier die Zivilbevölkerung der große Leidtragende. U.a. der Farmer, der alle Vorbereitungen unternimmt, um seine Familie vor dem Atomschlag zu schützen. Am Ende steht er trotzdem vor den Trümmern seines Lebenswerks, wird schuldlos zum großen Verlierer. Und dann sind da noch diese apokalyptisch anmutenden Momente; die entsetzte Bevölkerung, wie sie den Raketen hinterher schaut, das scheuende Pferd auf der Weide, die letzten Augenblicke ländlicher Idylle, bevor die Welt, wie wir sie kennen, untergeht.
Nichts wird beschönigt, keine fidele "Duck-and-cover"-Choreographie mildert die Katastrophe und dabei heißt es im Abspann noch, daß die Folgen eines echten Atomkriegs weitaus verheerender sein dürften als im Film dargestellt. Es bleibt zu hoffen, daß uns dieser verhängnisvolle Tag für immer erspart bleiben wird. In Zeiten wiedererstarkender sowie neu entstehender Supermächte sollte der Film Pflichtlektüre für alle Politiker werden.
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18.08.2013
Habe weniger als 5 Martial-Arts-Filme bisher gesehen und muß sagen, dieser war für mich der untypischte. Schon in der Eröffnung wird dies deutlich. Der junge Ip Man muß sich gegen ein ganzes Rudel im strömenden Regen durchsetzen, jedoch besteht die Szenenfolge vor allem aus Nahaufnahmen, gerne auch in Zeitlupe, wo man eher Totale erwarten würde. Dies zieht sich im Film durch viele Kampfszenen hindurch fort und nimmt das narrative Element zugunsten eines meditativen, poetischen zurück. Die Zeitläufte, die Ip Man durchlebt, immerhin die japanische Invasion und die Kulturrevolution, werden durch unscharf gehaltene Einstellungen mehr angedeutet, gewissermaßen wie fallende Kalenderblätter. Der Film umspannt Jahrzehnte, aber der Fokus bleibt auf den Charakteren und gleitet nicht ins Erzählkino ab.
Ferner interessant, welche zahlreichen Unterarten Kung Fu besitzt sowie mit welchen Chiffren sie verschlüsselt von den Meistern an deren Schüler weitergegeben wurden.
Es ist schade, aber man könnte diesen Film noch mehr bewundern, wenn sich eine gewisse optische Nähe zu Matrix nicht aufdrängte, wofür er aber nichts kann, was seine Qualität nicht schmälert und was vom Regisseur auch keinesfalls beabsichtigt sein dürfte. Liegt in der Materie begründet. Das eine oder andere lästige Déjà-vu hätte man so nicht gehabt.
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15.08.2013
Erinner mich, wie die Filminfo ca. 2009 an mir vorbeisauste. Ein Knastbruder, der sich irgendwann für Charles Bronson hielt. Ja und, dachte ich, surfte weiter und wußte es nicht besser. Und hätte mit meiner Einschätzung richtig gelegen, wenn's ein anderer Regisseur gewesen wäre. Aber es ist Refn. Und er läßt mal wieder nichts aus. Nichts. Man sollte zu Abend gegessen haben, bevor man sich dieses Teil hier reinzieht.
Bronson ist die wahre Geschichte des chronischen Gewalttäters Michael/Charles aus der Ich-Perspektive, der mangels anderer Talente seine kriminelle Karriere als einzige Möglichkeit begriff ‚berühmt‘ zu werden. Psychisch irgendwo zwischen Narzißmus, Schizophrenie und Sarkasmus verortet, was von Refn ausgesprochen sehenswert umgesetzt wird. Mal Michael/Charles' Innenansichten als abstruse Stand-up-Comedy-Auftritte, mal Ansichten seiner üblichen Umgebung - Einzelzellen oder die Irrenanstalt.
Obwohl Refn sich hier schon treu bleibt, mußte ich bei den Gefängnisszenen an Uhrwerk Orange denken, was auch an der saftigen Orchestermusik lag (Siegfrieds Beerdigungsmarsch sowie The Dambusters; sehr hübsch :)). Mit seiner krassen, metaphorischen Bildersprache, der Musik als eigenständigem ästhetischen Mittel sowie seiner Fähigkeit, die Welt als unwirklichen Ort voller sprungbereiter Gewalt zu zeichnen, bewegt er sich auf den Spuren Kubricks. Das Burleske, Rotsamtene sowie die dekadenten Dialoge später in Onkel Jacks Salon hingegen, das erinnert an Lynch. Insgesamt wirkte der Film auf mich nicht so durchkomponiert (`ist positiv gemeint) wie seine neueren Filme. Könnte sein, daß Refn noch dabei war, seinen Stil zu finden.
Nicht nur äußerlich, auch innerlich sitzt die Hauptfigur permanent im Knast. Das lebenslange Ringen mit der Obrigkeit bebildert Refn als visuellen Parforceritt. Der Film ist in mehrfacher Hinsicht düster – Abgründe des menschlichen Wesens, die geradezu hilflos wirkende Repression des Staates dagegen. Brillant: Tom Hardy, der in der Rolle bis zur Unkenntlichkeit aufgeht. Seine Leistung hätte mehr Beachtung verdient gehabt. Ein sehr sehenswertes, schonungsloses Zwischenwerk Refns, das seinen weiteren Schaffensweg vorzeichnete.
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28.07.2013
Man blickt dem Abspann hinterher und kann kaum glauben, was man in den 90 Minuten davor gesehen hat. Die erste Viertelstunde der minimal angelegten Handlung fast ohne Dialog; man ringt, auf den anfahrenden Zug überhaupt draufzukommen. Die Grenze zwischen Vorstellung und Realität fließt zuweilen.
Refn spannt zunächst in kunstvollen Bildern auf, was später mit Worten erweitert wird – Beziehungsunfähigkeit und Schuld, Ergebnis verheerender Familienerlebnisse. Vermutlich daraus resultiert ein erster Mord, dem wie bei einem Schneeballsystem weitere folgen. Einer übergeordneten Instanz gleich teilt ein Rächer unnachsichtig auf allen Ebenen, in alle Richtungen Vergeltung aus. Das ist der Fokus. Der Rest, ein wenig Halbwelt auf den nächtlichen Straßen Bangkoks, dazu passende Geschäfte, ist bereits nur mehr Dekoration.
Stilistisch gesehen ist der Film ein Monument. Nahezu jede Einstellung ist sorgfältig und vollendet angerichtet. Der Sound ist eine einzige Wucht, paßt perfekt. Die Bandbreite reicht von bedrohlichen Baßsequenzen bis zu thailändischer Volksmusik aus einer Art Karaoke-Bar. Ähnlich wie in Drive gelingt es Refn wiederum, eine native, ortsspezifische Ästhetik zu erschaffen, die dennoch seine spezielle Handschrift trägt.
Der Film ist dann aber auch furchtbar blutrünstig. So weit geht der Exzess, daß ich (alleine im Kino; Freunde hatten vorher schon abgewunken) überlegte zu gehen, weil ich schlichtweg nicht drauf vorbereitet bzw. in der Laune dazu war. Hochästhetisch; aufgrund der krassen Gewalt jedoch schon fast als scheußlich zu bezeichnen. `Was für harte Kinogänger. OmU ist evtl. besser, `fand die Synchro nicht so gelungen.
Was gab’s noch? Die bekannte Erkenntnis, sich bloß nicht mit den Verkehrten anzulegen, schon gar nicht aus dem ‚verkehrten‘ Kulturkreis, weil’s dann u.U. besonders grausam wird. Und weiter, daß man den Angehörigen jedweder Kultur den Respekt erweisen sollte, den sie verdienen. `Sind hier nämlich nicht bloß ‚Schweine‘ und ‚Schlampen‘. Sondern Menschen.
PS: ^Kollerteral..: Die Hände - ja, ein ganz wichtiger Hinweis. Wer mehr dazu wissen mag, guckt ins Netz, z.B.: Interview Refn CS. An Lynch mußte ich auch denken ;).
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28.07.2013
Gosling last-minute in Köln – schon wieder. Hatte den Film schließlich noch im OFF Broadway geschafft, sogar im OmU.
Dieser Film trägt die Züge einer Tragödie klassischen Zuschnitts, sogar in mehrere Akte unterteilt. Die Schuld. Sie lastet schwer auf den Schultern der Hauptfiguren. Luke (Gosling) leidet darunter, als Rastloser nicht für seine Familie dagewesen zu sein. Um dies wiedergutzumachen, stürzt er sich ins Verbrechen. Avery (Cooper) macht erst einen fatalen Fehler und kann diesen dann nichtmals offen zugeben, weil ein Kodex es nicht erlaubt. Wie die Kenntnis um diese und auch andere krumme Sachen in seinem Umfeld sich erst in sein Gewissen frißt, jenes anschließend von seinen Ambitionen korrumpiert wird, das spielt Cooper sehr gut. Gosling daneben ist mir ein Rätsel und wird immer eins bleiben. Er spielt so zurückgenommen und beherrscht dennoch die Leinwand.
Die Jahre vergehen und die Schuld trägt Früchte. An seiner Korruption hatte Averys Ehe Schaden genommen; so wurde sein Sohn ein haltloses Trennungskind. Aus Lukes Junge wurde ein driftender Einzelgänger. Ihre Wege kreuzen sich und die Schuld schreit nach Sühne. Daß Cianfrance die konfliktbeladene Lebenssituation der Väter auf die Söhne überwälzt, verleiht dem Film den besonderen Kniff. Etwas mehr Konsequenz hintenheraus hätte ihn vollends zur Tragödie gemacht, meine Meinung. Großartiges Kino mit schwer lastendem Soundtrack, der den tragischen Charakter optimal unterstreicht.
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19.07.2013
Du kannst ein Amibengel sein, dessen Bedarf beim erstmaligen Besuch der Insel mit Saufen, Zigarre rauchen und (erfolglosem) Baggern bereits gedeckt ist - Havanna besorgt Dir die Bekanntschaft für die Nacht, die Du verdienst :). Du kannst ein arrivierter, jedoch zerrissener Filmschaffender auf der Suche nach Inspiration sein - Havanna schenkt Dir die Begegnung mit dem einfachen Menschen, dessen Talent Dir Dein Lachen zurückgibt. Auf der Suche nach Talenten kann Dir sogar die Liebe Deines Lebens begegnen - Du wirst sie nicht halten können, wenn Du ihr kubanisches Herz nicht verstehst. Dagegen kannst Du gekommen sein, bloß den Commandante zu treffen und die Stadt wird Dir den Rücken zuwenden; ihre Hitze wirst Du nie spüren.
Havanna - stumme Zeugen in Blech und Stein voller Schwung und Flair, traumhaft das Meer und der Wind, hübsche junge Menschen, Musik und was zu trinken, ja; vor allem aber viele Netze in denen jeder jeden kennt, ja kennen muß und jeder jedem hilft, ja helfen muß. Menschen im Schwarm. Bekannte oder Verwandte – ach, das interessiert hier nicht. Armut verbindet mehr als ein Familienname. Ein ständiges Geben und Nehmen, Aufschnappen und Weitersagen, hier was abzwacken, dort in der Schubkarre wegfahren, das permanente sich im Mangel zurechtfinden. Und schließlich der Spagat zwischen tief empfundener, christlich geprägter Religiosität und dem Voodoo, dem Vertrauen auf die Macht der Geister im Dickicht.
Havanna gibt und nimmt. Zurück bleibt Tand; eine Mütze, eine korallene Trophäe, ein vages Versprechen. Hinaus in die Welt gehen faszinierende Bilder, Rhythmen, Gefühle, Träume – und Tränen derer, die ihre geliebte Insel zurücklassen müssen.
OmU wäre toll gewesen. Wie konnte dieser Film eigentlich FSK 6 bekommen??
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16.07.2013
Von Anfang bis Ende gespannt verfolgt man diesen hervorragend orchestrierten Thriller. Die pittoreske Hinterhofszenerie ist ein Meisterstück der Regiekunst Hitchcocks. Wie Miniaturen in einem Setzkasten, so wird dort eine ganze Palette von Schicksalen und Emotionen vorgeführt. Sie ist Jeffs einzige dauernde Zerstreuung im Gips und gleichzeitig räumliches Gegenstück zu seinem Ausguck im Vordergrund. Neben diesem stark eingefaßten Bühnenbild sind es Schnitt sowie die subjektiv angelegte Perspektive der Kamera, die den Zuschauer geradezu in das eintauchen lassen, was Jeff als Hauptfigur erlebt. Suspense vom feinsten; man wird zum Kaninchen, das gebannt auf das Zuschnappen der Schlange wartet.
Im Hier und Dort befindet sich auch Jeffs Beziehung mit Lisa. Sein neugieriges Wesen und sein Beruf treiben ihn oft an unsichere Orte fort. Sie dagegen ein New Yorker Society Girl, das ihn an sich binden will, ohne sein Streben nach dem Unbekannten zu verstehen, womit sie auch den Handlungsfluß an einer Stelle beinahe zu ersticken droht. Zum Sich-finden braucht es erst ein haarsträubendes Abenteuer auf engstem Raum mit vielen Wendungen.
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09.07.2013
Die Idee ist gut - wer käme schon darauf, hinter einem Film über ein Flugzeug voller Tunten und Schwerenöter ausgerechnet einen kritischen Kommentar zur aktuellen Lage Spaniens zu vermuten? Stilistisch ist Almodóvars scharfer Blick auf die iberische Misere wunderbar verpackt; ein Traum von Erster Klasse in hellblau-braunen, signalrot abgesetzten Strukturbezügen schmeichelt dem Auge fast über die volle Distanz. Dem Ohr geschieht selbiges über den spannenden Soundtrack. Die Darsteller des schwulen/bisexuellen Bordpersonals spielen hinreißend; für die wilde, phantastisch choreographierte Tanzeinlage hat der Film verdient, mit Preisen überhäuft zu werden (mit welchen, lassen wir jetzt mal offen :)). Das war zwar wirklich toll, aber hier wird auch eine Schwäche deutlich. Denn wie schon diese Szene wie angestückelt im Erzählfluß wirkt, so muß leider bemerkt werden, daß der Film nicht gerade großes Momentum entwickelt, trotz des schrillen Grundtons streckenweise theaterhaft, inszeniert wirkt, eine Sammlung von Gleichnissen eben.
Und die Pressemappe sollte man schon studiert haben, um die Gleichnisse zur Gänze lesen und deuten zu können. Einige sind klar zu verstehen, andere weniger. Man könnte streiten, ob dies eher eine Schwäche oder eine künstlerische Stärke des Films darstellt. Es läßt sich belustigt schmunzeln über diesen fliegenden Käfig voller Narren, die großen Lacher indes kann man vorm Abflug getrost im Handgepäckfach verstauen.
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26.06.2013
Zunächst möchte ich mich für tatifans Beitrag bedanken, ohne den dieser Film glatt an mir vorbeigerauscht wäre (wie sinnig - ein Film über Soundeffekte rauscht vorbei). War die ganze Woche gespannt drauf und bin nicht enttäuscht worden. Das große Bambi dann ganz allein für mich - hach! Schön :D.
Die Begegnung mit dem Splatterkino der Giallo-Ära ist für den im Naturfilm beheimateten Gilderoy ein Alptraum ohne Wiederkehr. Schon die Rückerstattung der Reisekosten entwickelt sich zur aufreibenden Odyssee. Das Tonstudio wird sein Verließ, ähnlich wie jene in den Horrorfilmchen, die hier zur Nachvertonung landen, in welchen bevorzugt junge Frauen verhackstückt werden. Wer die Briten kennt, weiß wie sehr sie sich vor peinlichen Situationen fürchten und deshalb oft nicht das sagen, was sie wirklich denken. In dieser defensiven Haltung beschert ihm die Liederlichkeit und die beleidigende Borniertheit der übrigen Studioinsassen eine kalte Gefühlsdusche nach der anderen. Der Produzent besitzt die Contenance eines Türstehers. Der Regisseur verbittet sich den Begriff Horrorfilm für sein Werk. Er redet von Kunst und Authenzität, wo er doch nur den Kick von Sex und Gewalt fürs Auge meint. Die meisten Regisseure jener Epoche dürften ähnlich getickt haben; das trifft der Film schon sehr gut. Daß der Produzent die Sprecherinnen nach Körpermaßen castet, dito.
Gilderoy bemüht sich nach Kräften, seinen Job zu machen. Er spürt ultimativen Klangeffekten nach und traktiert frisches Grünzeug mit dem Messer. Dies und was er rundherum im Studio und auf der Leinwand miterleben muß, gibt ihm den Rest. Sein Widerstand gegen dieses Trommelfeuer extremster Eindrücke bröckelt. Sind die Dinge, wie sie sind oder schon übernatürlich, so wie im Horrorfilm? Die Grenze schwindet, die Umgebung, in der er gestrandet ist, greift nach Gilderoy und wird gleichsam von ihm absorbiert.
Das ist nun ein sehr impressionistischer Film, der -abseits der sparsamen Handlung- aus Film-, Farb- und Tonfragmenten komponiert ist, aus denen sich im Kopf ein subjektives Gesamtbild formt. Dieser collagenhafte Stil ist gut gewählt, denn Phantasie ist gefragt; vom Horror auf der Leinwand z.B. kriegen wir keine Sekunde zu sehen, aber volle Lotte aufs Ohr. Den Albdruck des Toningenieurs erlebt der Zuschauer so auf vielfältige Weise – das Rattern der analogen Aufnahmetechnik, das Sirren der Tongeneratoren, das Zerhacken unschuldiger Melonen, das Faulen des geschundenen Gemüses im Mülleimer, die Spinne als universaler Bote des Unheils, die extatische Weitung der Augen der Sprecherin beim Schreckensschrei und das alles in Nahaufnahme. Nicht alles erscheint stringent, auch ein anderer Schluß wäre möglich gewesen, aber bis dahin ist man schon längst auf seine Kosten gekommen.
Denken wir an die analogen Geräuschorgien des Horrorkinos, konnten wir doch nicht anders als zu glauben, daß da wirklich junges knackiges Gemüse ;) zerkleinert wurde. Jetzt aber wissen wir, daß stattdessen junges vitaminreiches Gemüse dran glauben mußte. Ich bin unbedingt froh, diesen Film erlebt zu haben, kann mir aber vorstellen, daß den nicht jeder mögen wird. Um ehrlich zu sein, ob ich ihn 'mag', kann ich nicht sagen; er war einfach spannend, anders und genau das, wofür Programmkino da ist – eine Alternative zum konventionellen Kinoerlebnis.
PS: Und ach ja – reichlich wunderschöne Frauen sind zu sehen, von denen –welch Glück- keine verhackstückt wird :).
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25.06.2013
Ähnlich wie Aaron Eckhart in Thank You for Smoking ist Matt Damon in Promised Land ein Überzeugungstäter ganz im Dienste seines berüchtigten Arbeitgebers. Zwar kennt er die ökologischen Risiken des Geschäfts, übergeht diese jedoch konsequent, weil er meint, daß dem verarmten Landvolk mit seiner aussichtslosen Perspektive schon aus rein existenziellen Gründen gar nichts anderes übrig bleibt, als auf den Deal einzugehen. Er muß sich dabei Vorbehalten unterschiedlichster Art stellen. Der Film hat hier eine starke Szenenfolge; Steve als Verfechter des umstrittenen Angebots vor den Stars and Stripes, das Symbol einer grundsätzlich als 'gut' empfundenen Instanz pervertierend, im öffentlichen Schlagabtausch mit einem Bewohner und Wissenschaftler im Ruhestand.
Der Film deckt etliche relevante Facetten ab und bezieht daraus eine gewisse Authenzität. Im weiteren Verlauf verflacht er plötzlich ohne Not. Steves Kampagne kommt unversehens vor Hindernisse und muß sich bewähren, zudem wird angedeutet, wie erlebtes ihn beschäftigt; aber hier fehlt die sorgfältigere Umsetzung, um dies glaubhaft `rüberzubringen.
Der Twist des Films ist dann –leider- mit seine schwächste Szene. Von der Sache her durchaus gewitzt, aber ach, derart schwach inszeniert, man hört förmlich die Luft entweichen. Die Kernaussage, daß milliardenschweren Konzernen im Zweifel jedes noch so perfide Mittel recht ist, kommt zwar schon rüber. Mit Blick auf das kontroverse Thema hätte man sich hier aber einen viel schärferen Akzent vorstellen können.
Auf der Habenseite hat der Film immerhin ansprechende Leistungen von McDormand, Damon, John Krasinski als Umweltaktivist, Titus Welliver als Ladenbesitzer, ferner Scoot McNeary als aufgebrachter Farmer zu bieten, außerdem das lauschige Idyll Pennsylvanias (`fehlten nur noch ein paar Amish people im Hintergrund) sowie den Soundtrack, der liedweise ein wenig an Simon and Garfunkel erinnert.
Kann man sich durchaus anschauen, wenn man seine übrigen Favoriten im laufenden Programm schon durch hat.

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