engels: Frau Mansour, Sie waren in Palästina. Wie war es?
Fadia Mansour: Wir leben in Deutschland in luxuriösen Häusern und Wohnungen, die Palästinenser aber oft in einfachen Hütten. Trotzdem hört man dort so viel Lachen. Die Menschen in Palästina wissen, dass jeder Tag ein Geschenk ist.
Wie geht es Ihnen als Frau mit dem Islam?
Meine Familie ist sehr gläubig. Ich bin die einzige, die kein Kopftuch trägt. Meine Mutter sagt: „Mach es, wenn du es möchtest.“ Aber auch ich halte mich an Regeln. Ich bin so erzogen. Ich habe keinen Freund. Ich gehe abends nicht auf Partys. Im Sommer trage ich keinen Minirock. Ich vermisse das alles aber auch nicht. Ich muss meine Haut nicht zeigen. Ist Haut-Zeigen Freiheit?
Sie haben einen Film über Palästina gedreht. Wie wirkt er auf das Wuppertaler Publikum?
Bei der Premiere im November waren viele Zuschauer von den Bildern gefesselt. Eine Frau allerdings stand auf und ging. Später schrieb sie mir, dass wir nicht neutral genug waren. Andere wiederum kritisierten den Film, weil er ihrer Meinung nach noch zu harmlos war.
Welche Szene finden Sie in Ihrem Film am eindrucksvollsten?
Ein Mann erzählte, wie seine Tochter auf dem Schulhof spielte, wie israelische Soldaten kamen, wahllos in die Gruppe von Kindern schossen, wie er den Tod seiner Tochter im Krankenhaus erlebte.
Können Sie Selbstmordattentäter verstehen?
Ihre Taten akzeptiere ich nicht. Aber ich verstehe sie. Viele haben ihre Kinder verloren. Was sollen sie machen? Das einzige, was ihnen geblieben ist, ist ihr eigenes Leben.
Gibt es einen Weg aus dieser Gewaltspirale?
Israel müsste sich besinnen und einen Staat Palästina akzeptieren. Die israelischen Siedlungen in Palästina müssten verschwinden. Es braucht zwei Staaten.
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