„Schon als ich meinen Blick die Außenmauern entlang schweifen ließ, die Türme an jeder Ecke sah, war mir leicht unwohl in meiner Haut. Man fühlt sich sofort beobachtet, möchte sich rechtfertigen.“ Zu Recherchezwecken für ein Drehbuch verbrachte Udo Peters einen ganzen Tag im Simonshöfchen, Wuppertals Justizvollzugsanstalt in Vohwinkel. Auf der Suche nach Eindrücken vom Inneren eines Gefängnisses wurde er dabei mehr als einmal mit ungewohnten Gedanken und Gefühlen konfrontiert.
Die Gittertür ging hinter ihm zu, und die Riegel rasteten geräuschvoll im Schloss ein
Nach einem freundlichen Empfang an einer Panzerglastür folgte ein Gefühl des Gruselns, das ihn den Rest des Tages begleiten sollte. Er musste für die Dauer des Besuchs seinen Personalausweis abgeben. Wie beim Nachtschalter einer Tankstelle öffnete sich dafür unter einer Glasscheibe eine Schublade. Sie wurde wieder zurückgezogen, und dann war der Ausweis weg. „Ich fühlte mich ausgeliefert.“ Dieses Gefühl verstärkte sich, als die erste Gittertür hinter ihm zuging und die Riegel geräuschvoll im Schloss einrasteten. Ein unheimlicher Klang in diesem Ambiente. Spätestens jetzt wurde Udo Peters klar: Das Gefühl entspricht der Realität. Er war – zumindest für einen Tag – ausgeliefert. Alleine bekommt man diese Türen nicht auf. „Kein Perso mehr und hinter Gittern – man weiß nicht, was passiert. Lässt man mich hier wirklich wieder raus? Und die Freundlichkeit der Justizvollzugsbeamten, nur eine Rolle? Wie wären sie, wenn ...“ Gedanken über kleine Sünden der Vergangenheit gingen ihm durch den Kopf. Das Gewissen ließ grüßen. Die Gänge zu den Besuchsräumen wirkten nicht minder bedrohlich. „Entlang der Wände gibt es lauter Spiegel. Durch die leichte Wölbung der Spiegel wirken die Wachmänner darin beinahe surreal.“
Am Ende seiner Recherchen vor Ort hatte es der seltsame Laut beim Schließen der Gittertüren Udo Peters richtig angetan. Natürlich bekam er seinen Ausweis am Ausgang wieder. Freiheit, ein dolles Gefühl!
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