

Ins Krankenhaus zu müssen, ist für viele Menschen ein Horror. Die Sicherheit des Zuhauses ist dahin. Stattdessen sieht man sich umgeben von fremden Zimmergenossinnen, überarbeitetem Personal und viel zu häufig von Medizinern, die jede Patientin wie eine unmündige Teenagerin behandeln. Von unsichtbaren Keimen einmal abgesehen – sie töten laut der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) bis zu 40.000 Patienten jährlich.
Angesichts dessen wünschen sich viele Frauen, ihr Kind zu Hause auf die Welt zu bringen – und ernten oft Unverständnis seitens der Ärzte sowie ihres eigenen Umfelds. Schließlich wurde in der verbesserten Schwangerschaftsvorsorge und der rasant neu entstehenden Infrastruktur im Deutschland des Wirtschaftswunders das kommende Kind gleich mit dem Bade ausgeschüttet. Wer sich in den Sechzigern oder Siebzigern weigerte, im Kreißsaal zu gebären, galt von Tag 1 an als Rabenmutter. Auch das Skalpell für den Kaiserschnitt war schnell zur Hand – oft unabhängig vom Notfall.
Diese Haltung gegenüber der Hausgeburt wirkt in Deutschland bis heute nach. Anders in den Niederlanden, wo die Rate der Hausgeburten wieder bei rund 30 Prozent liegt. Das Land führte ab den Siebzigern eine Debatte über das Thema und betrieb Studien, die eine gut betreute Hausgeburt als der Krankenhausgeburt ebenbürtig erwiesen. Die Freiheit, guten Gewissens und guter Gesundheit daheim zu gebären, geht bei den Niederländern mit einer größeren Bedeutung der Hebammenkultur und einer geringeren Bedeutung des Schmerzkultes einher. Vor allem aber begreift man dort offensichtlich die große Bedeutung der eigenen Umgebung. Durch die „Klinikatmosphäre“ wird das „Selbstvertrauen“ der Frauen geschwächt, zitiert Friederike Lorenz in einem Beitrag auf der Webseite der WWU Münster den niederländischen Professor Ted Klossterman. Daher auch die geringere Rate natürlicher Geburten im Kreißsaal. In den eigenen vier Wänden hingegen werde „die Frau nicht als Patientin betrachtet“, sondern „als eine Frau, die eine ganz natürliche und sehr persönliche Aufgabe erfüllt. Sie ist der eigentliche Mittelpunkt.“ Sich dafür entscheiden zu dürfen, sollte abseits echter Notfälle allen werdenden Müttern vergönnt sein.
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